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Erneut im Doppelpack

Timo Werner trifft in fast jedem Spiel und ist ein Gesicht der Leipziger Erfolgsgeschichte.

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© Reuters

Von Ullrich Kroemer

Den ersten Advent verbrachte Timo Werner ganz gemütlich daheim in Stuttgart bei seinen Eltern. Dort schaute er in aller Ruhe im Fernsehen, wie sich Leipzig-Jäger Bayern München gegen Bayer Leverkusen schlug. Werner hatte mit Spitzenreiter RB Leipzig bereits am Freitagabend beim 4:1-Triumph in Freiburg seine Aufgabe erfüllt. Mit seinem dritten Doppelpack dieser Saison vergrößerte der 20-Jährige Leipzigs Abstand auf die Nicht-Champions-League-Plätze, er schoss sich mit nun sieben Treffern auf Rang drei der Torjägerliste – und damit in den Fokus.

Beim Auslaufen am Tag nach dem siebenten Sieg in Folge wurde der 20-Jährige gefragt, ob er bereits von Bundestrainer Joachim Löw oder dem Bayern-Präsidenten Uli Hoeneß angerufen wurde. Werner verneinte beides. Mit einem Transfer zu einem noch größeren Klub beschäftige sich derzeit ohnehin keiner. „Jeder Spieler würde sich nirgendwo anders so wohl fühlen wie hier“, sagte Werner. „Die Leute wären blöd, hier wegzugehen und das gute Gebilde, das wir uns aufgebaut haben, zu verlassen.“ Es ist ein Zusammenhalt, der immer mehr an den des Dortmunder Meisterteams von 2011 erinnert.

Eine mögliche Nominierung für die Nationalmannschaft kommentierte Werner zwar nicht. Doch ein Anruf von Löw wird immer wahrscheinlicher. Der pfeilschnelle Stürmer ist kein Träumer, er weiß den Moment des Erfolgs, den er gerade mit den Rasenballern feiert, wertzuschätzen. Das hat auch mit seiner Stuttgarter Vergangenheit zu tun, die mit dem Abstieg endete.

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Am Freitagabend stand Werner in den Katakomben des Freiburger Schwarzwald-Stadions und berichtete über seinen Aufschwung. „Ich hatte nicht die Erwartung, dass ich nach Leipzig komme und die Liga erobere“, sagte Werner. „Ich bin mit Ehrfurcht gekommen, wollte mich ins Team kämpfen und gute Leistungen zeigen. Dass es nun so läuft, hätte ich persönlich und für das gesamte Team nicht gedacht.“

Werner mag nichts Schlechtes über seinen Heimatverein sagen; er hat dort im Alter von sechs Jahren begonnen und bereits mit 17 sein Bundesligadebüt gegeben. Doch den Druck, der zuletzt in Stuttgart auf seinen Schultern lastete, haben ihm die Leipziger genommen. „Wenn man den Erfolg mit dem Team hat, kommt auch der eigene Erfolg zurück“, sagte er.

So kommt Werner wieder zu mehr Abschlüssen und nutzt diese auch cool. Zu Saisonbeginn hatte der Stürmer noch zu hektisch aufs Tor geschossen, seine Versuche landeten häufiger im Außennetz. In Freiburg bewies er, wie effektiv er sein kann. Seine einzigen beiden Chancen in der ersten Hälfte verwandelte er zu zwei Toren. „Man macht sich in Leipzig weniger Gedanken“, erklärte Werner. „Wenn man mal eine Chance versiebt, sind die anderen stark genug zu treffen. Heute war ich eiskalt, das freut mich.“

Und das freut auch Ralf Rangnick. Der Sportdirektor erzählte im engen Freiburger Presseraum vom Coup, Werner überhaupt nach Leipzig gelotst zu haben. Bereits seit Anfang 2015 hatte Rangnick mit dem Talent sowie dessen Berater Karlheinz Förster in Kontakt gestanden. „Wir haben immer mal wieder geschaut, wie die Situation ist“, sagte Rangnick. Doch wenn der VfB nicht abgestiegen wäre, hätte Werner es wohl nicht übers Herz gebracht, nach Leipzig zu gehen. „Es war an der Zeit für ihn, mal die gewohnte Umgebung zu verlassen“, sagte Rangnick.

Zwar brauchte Werner ein, zwei Monate, um sich an die Automatismen und die laufintensive Arbeit zu gewöhnen. Doch mittlerweile beherrscht er das System, schießt nicht nur Tore, sondern bereitet auch welche vor. „Man darf nicht vergessen“, betonte Rangnick, „dass er bereits in der Jugend des VfB in jüngeren Jahrgängen mit einer Spielweise konfrontiert wurde, die Helmut Groß (Rangnicks Mentor und Berater/Anm. d. A.) und ich dort in den 1990er-Jahren implementiert haben.“