merken

Erneuter Einsatz in Asylunterkunft

In den Asylunterkünften auf der Hamburger und Bremer Straße kehrt keine Ruhe ein. Erneut gab es am Wochenende Konflikte unter den Bewohnern.

© Benno Löffler

Von Julia Vollmer

Anzeige
Wieder kunstvolle Pferdeshow in Riesa

Europas beliebteste Pferdeshow ist zurück. Am 26. und 27. Oktober startet CAVALLUNA mit „Legende der Wüste“ in der SACHSENarena die neue Tour.

In den Asylunterkünften auf der Hamburger und Bremer Straße kehrt keine Ruhe ein. Erneut gab es am Wochenende Konflikte unter den Bewohnern. Am Samstagabend kam es in der Erstaufnahmeeinrichtung (EAE) an der Bremer Straße gleich zu zwei Auseinandersetzungen. Die Polizei nahm 15 Personen über Nacht fest. Diese wurden am Sonntagmorgen aber wieder freigelassen. Zunächst entbrannte in der EAE Bremer Straße ein Konflikt zwischen rund 20 Bewohnern. Innerhalb kürzester Zeit waren laut Polizei schon 60 Leute beteiligt, die aufeinander einschlugen. Beim Eintreffen der Polizeibeamten war die Schlägerei allerdings bereits beendet. Drei verletzte Georgier wurden zur Behandlung in ein Krankenhaus eingeliefert. Eine Fensterscheibe der Unterkunft ging zu Bruch.

Die Einsatzkräfte ermittelten zwei 23-jährige Libyer sowie einen 29-jährigen Georgier als Tatverdächtige. Sie müssen sich jetzt wegen des Verdachts des Landfriedensbruches verantworten. 30 Beamte waren im Einsatz.

Kurze Zeit nachdem die Polizisten ihren Einsatz an der Bremer Straße beendet hatten, wurden sie erneut gerufen. Nach ersten Ermittlungen waren 30 Bewohner, die meisten davon Georgier, aus der Erstaufnahmeeinrichtung Hamburger Straße zur Bremer Straße gelaufen und hatten dort die erneute Konfrontation gesucht. Ein 47-jähriger Georgier wurde bei dem Streit so schwer verletzt, dass er in ein Krankenhaus eingeliefert werden musste.

Die Beamten beendeten auch diese Auseinandersetzung und trennten die beiden Gruppen voneinander. 70 Einsatzkräfte mussten zum zweiten Einsatz ausrücken. Die Polizei ermittelt wegen Landfriedensbruch und gefährlicher Körperverletzung. Der konkrete Anlass für beide Konflikte sei derzeit allerdings noch unbekannt.

In den vergangenen Wochen war nicht die Bremer sondern vor allem die Hamburger Straße in den Fokus geraten. Kaum eine Woche verging, in der die Polizei nicht im Asylheim anrücken musste. Mal ging es um Brandstiftung, dann prügeln Dutzende Bewohner aufeinander ein. Polizeipräsident Horst Kretzschmer vermutete als eine Ursache für die wiederkehrenden Konflikte den Fastenmonat Ramadan, der noch bis zum 14. Juni geht.

Die Konfliktursachen in beiden Heimen dürften sich ähneln. Der Ausländerrat sieht den Ramadan nicht als einzige Ursache für die Taten. Die Bedingungen in den Einrichtungen und insbesondere die Lebensumstände seien wichtige Gründe, sagt die stellvertretende Geschäftsführerin Henriette Hanig. „In der besonderen Zeit des Ramadans kochen dann die Gemüter schneller hoch als sonst.“ In dem Essensbereich der Hamburger Straße würden teilweise bis zu 35 Grad herrschen, ein Fenster ließe sich dort nicht öffnen. „Und das Essen reicht nicht für alle“, behauptet Hanig.

Vorwürfe, wonach die Bewohner nach 21 Uhr keine Essenversorgung mehr bekommen, will die zuständige Landesdirektion Sachsen so nicht stehen lassen. Während des Ramadans gebe es zusätzliche Essenszeiten von 20.30 bis 22 Uhr sowie von 1 bis 3 Uhr, heißt es. Auch der Betreiber widerspricht. European Homecare betreue Asylbewerber, die am Ramadan teilnehmen, seit Jahren und in fast allen deutschen Einrichtungen durchgängig beschwerdefrei, so ein Sprecher.

Auch Mark Gärtner vom Flüchtlingsrat kritisiert die Zustände in den Einrichtungen. „Die Leute haben keinerlei Privatsphäre, können sich nicht zurückziehen und die Zimmer und Duschen nicht abschließen.“ In der Regel leben mehrere Menschen unterschiedlicher Kulturen in einem Raum. Bernd Mesovic von Pro Asyl sieht auch die Art der Unterbringung als Problem: „Gemeinsam ist allen Erstaufnahmeeinrichtungen, dass dort Asylsuchende und inzwischen in großer Zahl auch anerkannte Flüchtlinge unter Umständen leben, die sie nicht selbst bestimmen können.“ Es gebe keine Rückzugsmöglichkeiten und keine geschützte Privatsphäre, in der eine eigenständige Planung des Alltags möglich ist. Menschen müssten dort teilweise mit anderen zusammenleben, die ihnen im Herkunftsland oder der Region feindlich gesinnt waren.

Sie müssten sich von morgens bis abends miteinander arrangieren, Küchen und Sanitärräume teilen.

Für Konflikte würde die unterschiedliche Behandlung je nach Bleibeaussicht sorgen: Syrer erhalten Zugang zu Sprachkursen, Afghanen nicht.

Die Landesdirektion reagierte schon am Freitag auf die Vorfälle. Sprecher Holm Felber: „Die bereits kurzfristige personelle Verstärkung des Wachschutzes wird ausgebaut.“ Es werde außerdem eine partielle Videoüberwachung in den Gemeinschaftsbereichen geprüft. Behörden, Betreiber und Wachschutz wollen intensiver mit dem Rat der Nationen zusammenarbeiten – eine Vertretung der Bewohner der Unterkunft.

Gegen die Unterbringung regt sich Widerstand. Zwischen 300 und 400 Teilnehmer demonstrierten am Sonntag mit einem Marsch vom Hauptbahnhof durch die Innenstadt gegen die Einrichtung von Ankerzentren und gegen Abschiebung. Organisiert wurde die Demo vom Flüchtlingsrat und dem Stura Dresden. (mit SZ/kh, sr, awe)

Vorfälle in der Hamburger Straße

  • Am 25. Mai 2018 werden Beamte mit glühenden Zigaretten beworfen und einer Eisenstange angegriffen.
  • Am 20. Mai 2018 geraten zwei Gruppen aneinander. Im Innenhof eskaliert der Streit. Um die 40 Menschen prügeln sich, ziehen Messer und schlagen mit Stühlen und Feuerlöschern zu. Das Ergebnis: drei Verletzte. Das Motiv ist unklar.
  • Am 19. Mai 2018 entfacht ein Serbe in seinem Zimmer ein Feuer. Ein 30 Zentimeter großes Brandloch bleibt zurück. Der Mann reißt außerdem einen Fensterflügel aus dem Scharnier und bricht einen Heizkörper aus der Wand. Teile der Etage werden überschwemmt.
  • Am 18. Mai 2018 Ein Tunesier gerät im Essenszelt mit dem Sicherheitsdienst in Streit. Der Bewohner schlägt mit einer Eisenstange zu. Weitere Asylbewerber mischen sich ein. Grund der Auseinandersetzung: Der Sicherheitsdienst wollte dem Mann verbieten, sein Essen aus dem Speisesaal mit aufs Zimmer zu nehmen.
  • Am 3. Mai 2018 kommt es zum Streit zwischen mehreren Tunesiern. Einer der Männer greift seinen Landsmann mit einer Metallstange und einem Stein an. Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes halten den Angreifer zurück. Wie es zum Streit kam, ist bislang noch völlig unklar. (SZ/sr, jv)