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Sachsen

Erntediebe machen Landwirten zu schaffen

Früchte einfach am Feldrand pflücken ist zwar nicht erlaubt. Manche Täter laden ganze Autos voll. Einem Maisdieb wurde seine Tat fast zum Verhängnis.

Herbstzeit ist Erntezeit. Eine Einladung zum Stehlen ist sie nicht.
Herbstzeit ist Erntezeit. Eine Einladung zum Stehlen ist sie nicht. © dpa/Bernd Weissbrod

Dresden. Immer wieder machen Erntediebstähle Sachsens Landwirten zu schaffen. "Den Tätern fehlt offensichtlich das Unrechtsbewusstsein, wenn sie an einem Feld vorbeigehen und sich etwas mitnehmen", sagte die für Acker- und Pflanzenbau zuständige Referentin des Landesbauernverbandes, Juliane Stäps, in Dresden. Die Felder seien privater Grund und Boden, Fremde hätten dort nichts zu suchen. Die Landwirte verzichteten jedoch meist auf eine Anzeige. Denn die Chance, die Täter zu ermitteln, sei gering.

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Wie hoch der Schaden ist, der durch Erntediebstähle entsteht, kann niemand sagen. Laut Stabsstelle der Polizei im Innenministerium lassen sich dazu keine statistisch gesicherten Aussagen treffen.

Maisdieb gerät in Häcksler

Der Aufenthalt im Maisfeld ist einem 85-jährigen Mann bei Grimma (Kreis Leipzig) vergangenen Mittwochnachmittag fast zum Verhängnis geworden. Berichten zufolge soll er dort privat Mais gepflückt und zwischen den mannhohen Pflanzen die nahenden Erntemaschine nicht wahrgenommen haben. So sei er in das Schneidwerk des Maishäckslers geraten. Ein Rettungshubschrauber brachte ihn mit schweren Verletzungen an den Beinen ins Krankenhaus. Auch der 37-jährige Landwirt musste ärztlich betreut werden, hieß es im Polizeibericht.

"Ob Kartoffeln, Rüben, Gemüse, Mais oder andere Kulturen - Diebstähle lassen sich leider nicht vermeiden", sagte Stäps. Teilweise würden das Erbeutete mit dem Auto und Hänger abtransportiert. "Denn da kann schnell eine Tonne illegales Erntegut zusammenkommen."

Die Diebstähle seien unverständlich, denn es werde ja nicht wie eventuell in anderen Ländern aus Hunger gestohlen. Erfahrungsgemäß seien es oft Nutztierhalter, dies sich auf den Feldern das Futter besorgten. Dabei sei es sicher möglich, den Landwirt um eine kleine Spende zu bitten. Auch eine Nachlese auf den Feldern sei denkbar - mit dessen Genehmigung.

Manchmal ganze Felder leer gepflückt

Stäps zufolge könnten gegen die Diebstähle nur schwer Vorkehrungen getroffen, die Felder nicht rund um die Uhr bewacht und nicht jeder Schlag mit Kameras ausgestattet werden. In der Landwirtschaft gebe es jedoch nicht nur Erntediebstähle, sondern auch Diebstähle von Maschinen oder Tieren, sagte sie.

Auch die Obstbauern reagieren, auf Diebstähle angesprochen, sehr schmallippig. Udo Jentzsch vom Landesverband "Sächsisches Obst" will zunächst gar nichts äußern. "Wir wollen das nicht thematisieren, das hilft uns nicht weiter", sagte der Geschäftsführer. Mitleid helfe den Obstbauern nicht und Berichte dazu würden möglicherweise noch Diebe anlocken. "Dann wird nur noch mehr geklaut." Gestohlen würden Maschinen, Material und auch Früchte, räumte er schließlich ein. Es sei schon vorgekommen, dass in einer Nacht ganze Erdbeerfelder leer gepflückt worden seien. Zwar gebe es Zäune, die Tore würden geschlossen gehalten. "Doch die Diebe kommen mit Schere und Zange."

Nicht von Diebstählen betroffen sind offensichtlich die Winzer in Sachsen. Laut Weinbauverband ist von Diebstählen nichts bekannt. (dpa)