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Erntezeit im Bienenstock

Für Sebastian Berthold aus Beerwalde ist die Imkerei längst mehr als ein Hobby. Er kämpft jedoch mit zwei Problemen.

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© René Meinig

Von Sophie Arlet

Klingenberg. Die Königin kommt mit der Post – im Briefumschlag aus dem Sauerland. Vorsichtig holt Imker Sebastian Berthold ein Kästchen aus dem Umschlag. Darin sitzt eine als Königin markierte Biene, begleitet wird sie von einem kleinen Hofstaat, denn die pelzige Monarchin kann sich nicht selbst versorgen. Sie ist ganz auf ihre Hauptaufgabe ausgerichtet – Eier zu legen. Dafür wird sie sich auf einen Hochzeitsflug begeben und dabei das Sperma für ein ganzes Bienenleben abholen. Damit befruchtet sie nach und nach bis zu 2 000 Eier pro Tag, nach 21 Tagen schlüpfen die Bienen. Sie arbeiten sich im Laufe ihres vierwöchigen Lebens von der Putz- über die Baubiene zur Wächter- und schließlich zur Sammelbiene hoch.

Doch bis dahin dauert es noch etwas. Jetzt will Imker Berthold sie erst einmal mit ihrem neuen Volk zusammenbringen. Das summt in einem Bienenstock auf der Räcknitzhöhe in Dresden. Im Sommer gehören bis zu 50 000 Arbeitsbienen und 500 Drohnen zu einem Volk. Insgesamt hat Sebastian Berthold sechs Standorte in Mockritz, Niedersedlitz, Nickern und Goppeln. Berthold ist in Dresden-Plauen geboren, lebt mittlerweile aber im Klingenberger Ortsteil Beerwalde. Auch dort lässt er Honig sammeln. Insgesamt hat der 39-Jährige 200 Völker, jedes produziert etwa 35 Kilo Honig pro Jahr. Geerntet wird im Frühling und im Sommer.

Berthold ist kein Hobbyimker, sondern versucht, seine fünfköpfige Familie von dem süßen Nektar zu ernähren. Den Honig gibt es in fast allen Konsum- und Rewe-Filialen in der Stadt zu kaufen. Auf dem Glas ist auch vermerkt, wo der Honig gesammelt wurde – zum Beispiel auf der Räcknitzhöhe. Dort steht in diesen Tagen die Ernte an. Dann entfernt Sebastian Berthold die Einsätze mit den honiggefüllten Waben, schleudert und filtert sie, dann wird der Honig noch cremig gerührt. Das alles hat sich der gebürtige Dresdner größtenteils selbst beigebracht. Zur Imkerei kam er durch einen Zufall.

Harter Winter für die Bienen

Zu seinem Haus in Beerwalde gehört auch eine Streuobstwiese. Damit die Bäume dort immer in voller Blüte stehen, hat Berthold ein paar Bienen angeschafft. „Dann hat mir das mehr Spaß gemacht als mein Beruf“, sagt der gelernte Gießereimodellbauer. Seit 2010 arbeitet er als Imker.

Beim Sächsischen Imkerverband hat er einen Grundkurs belegt, zudem stand ihm ein Pate zur Seite. „Ein Imker lernt nie aus“, weiß Berthold. Derzeit ist all seine Erfahrung gefragt. In Dresden gibt es gleich zwei Probleme. Das größte ist die sogenannte Faulbrut. Dieser ansteckende Pilz führt dazu, dass die Bienenlarve verfault und abstirbt.

„Dresden ist ein richtiger Hotspot“, sagt Tino Lorz vom Imkerverein Dresden. Ihm gehören etwa 250 Hobbyimker an, insgesamt gibt es 500 ehrenamtliche Imker in Dresden. Die meisten haben nur drei bis fünf Völker. Trotzdem ist die Bienendichte hoch, weshalb es schnell zu Ansteckungen kommt. Für den Menschen ist die Faulbrut ungefährlich, trotzdem wird sie wie eine Seuche behandelt, inklusive Sperrgebieten. Aus diesen dürfen keine Bienenvölker herausgebracht werden. „Das Problem ist, dass es keine flächendeckenden Laboruntersuchungen gibt“, sagt Lorz. In anderen Bundesländern sei das normal.

Sebastian Berthold ist bisher von der Seuche verschont geblieben. Er lässt regelmäßig Proben im Labor testen. Stattdessen macht ihm die Milbe zu schaffen. Gegen diesen Schädling werden die Bienen im Winter behandelt, wenn sie keinen Honig produzieren. An der Räcknitzhöhe haben von 16 Bienenvölkern nur zwei den Winter überlebt.

Trotzdem will Sebastian Berthold weitermachen. Sein Honig verkauft sich immer besser, in vielen Supermärkten bekommt er schon ein eigenes Regal. Die Kunden seien zunehmend bereit, für regionalen Honig mehr Geld auszugeben. Und die Märkte sind an lokalen Lebensmitteln interessiert. Doch der Imker wünscht sich mehr Unterstützung von Bund und Land. Denn die Bedeutung der Bienen für den Lebensraum des Menschen werde kaum wertgeschätzt.