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Erst der Baum, dann das Feuer

Innerhalb kurzer Zeit ist die Laube des Ebersbachers Horst Schöne doppelt beschädigt worden. Er repariert – und klagt.

© Rafael Sampedro

Von Gabriela Lachnit

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Ebersbach-Neugersdorf. Das Glück hat Horst Schöne in diesem Jahr scheinbar verlassen. Der Ebersbacher ist ziemlich sauer, dass er sein Gartenhaus wenige Meter von seinem Haus entfernt für längere Zeit nicht nutzen kann. Mitte Januar erst hatte Sturm Friederike dafür gesorgt, dass eine große Fichte aus dem sogenannten Sinkwitzer Büschel auf seine Datsche in Ebersbach stürzte. Der große Baum war in einer Höhe von etwa dreieinhalb Metern einfach abgeknickt, die Krone und ein langes Stück Stamm fielen auf das Dach des Gartenhauses und beschädigten es erheblich. Ein tragender Balken war durchgebrochen, Äste hatten mehrere Löcher in das Pappdach geschlagen.

Der Sturm Mitte Januar hat im Sinkwitz-Büschel in Ebersbach einen Baum umstürzen lassen. Der fiel ausgerechnet auf das Dach der Gartenlaube von Horst Schöne. © privat

Als Horst Schöne mit seinem Sohn den Baum beseitigt und mit den ersten Reparaturen begonnen hatte, kam das zweite Unglück. Einbrecher hatten es am vergangenen Sonnabend auf die Datsche abgesehen. Vom Sinkwitz-Büschel aus waren sie gekommen und hatten eine Fensterscheibe eingeschlagen. Durch dieses Fenster sind sie in das Haus eingebrochen und haben zunächst Schränke in allen Räumen durchwühlt. Gefunden haben sie wohl nichts, meint der Laubeneigner, es habe ja nichts Wertvolles in der Laube gegeben. Im Flur des Gebäudes hatte der 67-Jährige eine halbe Rolle Dachpappe gelagert, die noch von den Dachreparaturen nach dem Sturmschaden übrig war. Auch zwei Säcke mit Styropor-Resten standen in dem Flur. Dieses Material wollte der Ebersbacher für die Isolierung des Daches verwenden. Er war mit den Arbeiten aber noch nicht fertig geworden, sodass das Styropor noch in der Laube stand.

Die Einbrecher haben Styropor und Dachpappe angezündet. Ob es Frust gewesen ist, der sie dazu veranlasst hat, Feuer zu legen, weil nichts Brauchbares zu finden war, kann Horst Schöne nur spekulieren.

Gebrannt hat das Ganze wahrscheinlich überhaupt nicht lichterloh, meint der Laubenbesitzer. Aber es hat unheimlich gequalmt und gerußt. Das hat der Sohn eines Nachbarn gesehen, der am Sonnabendnachmittag mit seinem Hund auf Gassi-Tour war und an der Laube vorbeiging. Der Sohn verständigte seinen Vater und der wiederum Horst Schöne. Beide eilten zur Laube und sahen die Bescherung. Unglücklicherweise stand der Feuerlöscher im Flur der Laube unmittelbar neben dem Brandherd und war nicht nutzbar. Horst Schöne rief die Feuerwehr. Kameraden aus Ebersbach und Neugersdorf rückten an. Sie nutzten dafür allerdings die Zufahrt von der B 96 aus und blieben kurz vor der Laube auf dem nassen, weichen Weg stecken. So mussten die Feuerwehrleute die letzten 50 Meter zu Fuß bewältigen. Der Brandherd war schnell gelöscht. Was sich dann dem Laubenbesitzer und den Feuerwehrleuten bot, war ein schwarzes Bild. Alle Räume der Laube sind total verrußt. Ruß an den Zimmerdecken, an Wänden, auf den Polstermöbeln, auf Schränken, im Bad, an den Gardinen, Tapeten und Lampen. Hier ist nicht mehr viel zu nutzen, vermutet der Ebersbacher.

Was er mit der Laube jetzt anstellen wird, hat er schon auf dem Weg ins Krankenhaus überlegt. Denn auch ein Rettungswagen war nach der Brandmeldung an den Ort des Geschehens geeilt und hatte nach dem Löschen Horst Schöne und seinen Nachbarn vorsorglich wegen einer eventuellen Rauchgasvergiftung mitgenommen. Aber schon bald konnte Entwarnung gegeben werden. Die beiden Männer wurden bei dem Brand nicht verletzt.

Was den Ebersbacher wenige Tage später umtrieb, war eine kleine Meldung in der SZ. Dort hatte die Polizei von einer baufälligen Laube gesprochen. Dem widerspricht der Laubenbesitzer vehement. „Das Gebäude war bis 1978 ständig bewohnt, hatte sogar eine eigene Postanschrift“, berichtet er. Obwohl er viele Jahre lang als Elektriker auf Montage gearbeitet hat, habe er mit seiner Familie die Laube und den Garten regelmäßig genutzt und instand gehalten. Baufällig sei das Gartenhaus keinesfalls. Erst im letzten Jahr habe er den Garten wieder auf Vordermann gebracht. Auch an der Laube habe er in den letzten drei Jahren mehr tun können, weil er als Ruheständler mehr Zeit dafür hat, sagt er.

Auf SZ-Nachfrage erläutert Polizeisprecher Thomas Knaup, dass die Polizisten vor Ort für ihren Bericht ihre subjektive Wahrnehmung wiedergeben. „Der Beamte vor Ort hatte den Eindruck, die Laube sei baufällig“, erklärt der Sprecher. Möglicherweise hatte der Polizist den Eindruck deshalb, weil Schöne noch dabei war, das Dach zu reparieren und noch ein kleines Gerüst an der Seite stand. Die Fenster der Laube hatte Schöne wie jeden Winter mit einer starken Folie versehen, die er unten und oben mit einer Holzleiste ans Gebäude genagelt hat.

Auf alle Fälle will der Ebersbacher das Gartenhaus wieder instand setzen. Etwa 10 000 Euro Brandschaden schätzt er selbst, dazu kommen 5 000 Euro Schadensbilanz am Dach durch den Baumsturz. Auf beiden Summen wird er wohl sitzenbleiben, vermutet Schöne – wenn kein Einbruchtäter ermittelt wird. Mit der Stadtverwaltung habe er wegen der Schadensregulierung am Dach schon gesprochen. „Hier will keiner zahlen, Sturm sei Naturgewalt. Ich werde wohl klagen “, sagt er, denn das Sinkwitz-Büschel sei Eigentum der Stadt Ebersbach-Neugersdorf.

Eine SZ-Nachfrage bei Annegret Wünsche in der Stadtverwaltung Ebersbach-Neugersdorf bestätigt, dass die Versicherung der Stadt für den bei Horst Schöne entstandenen Schaden nicht aufkommen will. Die Sachgebietsleiterin zentrale Organisation/Gremien informiert, dass der Schaden an der Laube aufgenommen worden ist und sich ein Kollege das vor Ort angeschaut habe. Der Versicherer der Stadt Ebersbach-Neugersdorf lehnt die Schadensregulierung jedoch ab, da in dem Fall kein Haftpflichtanspruch an die Stadt vorhanden sei. Der Sturm sei höhere Gewalt und ein Naturereignis, das die Stadt nicht zu verantworten habe, begründet die Versicherung ihr Urteil. Annegret Wünsche bedauert, dass Horst Schöne nun auf dem Schaden sitzenbleibt, aber so sei die Rechtslage. Ein Klageweg stehe dem Ebersbacher natürlich offen, bestätigt sie.