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Erst der Sturm, nun der Borkenkäfer

Zwei Orkane beschädigen etwa eine Million Bäume. Sachsens Wäldern drohen jetzt gleich mehrere Gefahren.

© Egbert Kamprath

Stephan Schön

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Dresden. Entwurzelte Bäume, abgebrochene Äste, zersplitterte Stämme. Nach Herwart im Herbst wütete Friederike vor wenigen Tagen mitten im Vorfrühling. So viel Schäden in den sächsischen Wäldern habe es zuletzt vor zehn Jahren bei Kyrill gegeben, sagt Sven Martens vom Sachsenforst.

Schätzungen gehen nun davon aus, dass an die zwei Millionen Kubikmeter Holz in den sächsischen Wäldern liegen. Etwa eine Million Bäume sind betroffen. Nach den beiden Orkanen, Herwart und Friederike, gibt es jetzt mehr Bruchholz, als sonst im ganzen Jahr in den sächsischen Wäldern geschlagen wird. Beide Orkane konnten auch deshalb so viele Bäume in Sachsen umstürzen, weil die Voraussetzungen dafür passten, sagt Martens. „Die Böden waren durchfeuchtet.“ Da hätten die Wurzeln weniger Halt. Pilze an den Wurzeln würden außerdem die oftmals schon sehr alten Bäume schwächen. Erst falle ein großer Baum, dann entstehe eine kleine Freifläche und nun beim zweiten Orkan seien die Flächen richtig groß geworden.

Dieser Waldschaden stellt Sachsens Forstwirtschaft gleich vor mehrere ernsthafte Probleme, sagt Sven Martens. Nicht nur, dass dieses Holz Wege versperre und eine Gefahr für Touristen sei, die Gefahr drohe nun auch aus einer ganz anderen Ecke: „Nach dem Sturm ist vor dem Borkenkäfer.“ Bruchholz und warmes Wetter wie derzeit verschärften die Situation. „Da schaukelt sich jetzt etwas hoch“, warnt Martens. Mit Blick auf den unberührten Bereich im Nationalpark Sächsische Schweiz sieht der Forstwissenschaftler eine Extremsituation kommen. „Wir stellen im Nationalpark eine explosionsartige Vermehrung der Borkenkäfer fest.“ Es seien schon jetzt mehr als doppelt so viele wie in den bisherigen Spitzenjahren. „Wir sind am Beginn einer galoppierenden Eigendynamik. Fatale Zustände könnten folgen“ wie einst im Bayerischen Wald und Harz.

Da der Borkenkäfer nun mal fliegt und zudem mit dem Wind treibt, kann er bis 70 Kilometer von den Stammorten weitergetragen werden. Borkenkäfer überwintern meist unter den Rinden und das vor allem, aber nicht nur im Altholz. Sie schwächen weiter den Wald und bieten damit künftigen Stürmen noch bessere Angriffsflächen. Auch deshalb würden die Wälder nahe des Nationalparks besonders intensiv beobachtet, sagt Martens. Borkenkäfer-Brutstätten sollen jetzt auch verstärkt mit Luftbildern und Drohnen aufgespürt werden. Befallene Bäume müssen dann aus dem Wald geschafft werden. Die Rinde, manchmal auch die Krone würden vernichtet. Mühsam und aufwendig. Aber ohnedem würde die Situation außer Kontrolle geraten. „Wir müssen mit dem Käfer schritthalten.“