merken

Erst die Menschen, dann das Haus!

Der Landkreis hat den Feuerwehreinsatz in Arnsdorf genau untersucht – wegen schwerer Vorwürfe des Hausbesitzers.

© Thorsten Eckert

Von Nadine Steinmann

Anzeige
Symbolbild Anzeige

Kochen ohne Reue in der perfekten Küche

Küchen Schulze zeigt, wie sich beim Kauf sparen lässt.

Arnsdorf. Das „Danke“, das sich die Einsatzkräfte vermutlich vom Hauseigentümer gewünscht hätten, kommt nun mit viel Nachdruck aus dem Landratsamt Bautzen. Und zwar von Stefan Hentschke, Sachgebietsleiter für Brand- und Katastrophenschutz. Der stellvertretende Kreisbrandmeister sowie Ordnungsamtsleiter René Burk danken dabei den 72 Kameraden aus Radeberg, Arnsdorf, Fischbach, Kleinwolmsdorf, Wallroda, Bischofswerda und Großröhrsdorf. Sie sind am Abend des 23. Februars auf die Arnsdorfer Hufelandstraße ausgerückt, um hier gegen die Flammen zu kämpfen, die den Dachstuhl eines Mehrfamilienhauses fest im Griff hatten. „Es geht allerdings nicht darum, diesen Brand besonders hervorzuheben. Schließlich sind im gesamten Landkreis die Feuerwehren täglich im Einsatz“, so Stefan Hentschke.

Er bedankt sich vor allem bei den Einsatzkräften, weil es der Hauseigentümer Arvid Samtleben bisher eben nicht getan hat. Das hätten die freiwilligen Feuerwehrleute vielleicht noch verschmerzen können. Doch die Lawine der Vorwürfe, die Arvid Samtleben auf seiner Facebook-Seite statt des einfachen „Dankeschöns“ losgetreten hat (SZ berichtete), sorgen bei den Kameraden für Ärger, Wut und Unverständnis. In ihrer kleinen Gemeinde ernten sie nun schiefe Blicke und müssen sich rechtfertigen.

Sachlich nicht belegbar

Auch Arnsdorfs Bürgermeisterin Martina Angermann kennt die Vorwürfe. Deshalb hat sie den Landkreis als untere Brandschutzbehörde gebeten, den Einsatz zu untersuchen und auszuwerten. Am Montag lagen nun alle Fakten auf den Tisch. Und Stefan Hentschke kann ruhigen Gewissens sagen: In Arnsdorf wurden keine Fehler gemacht! „Sämtliche Vorwürfe sind sachlich nicht belegbar“, so der stellvertretende Kreisbrandmeister.

Ein Vorwurf, der die Wehren sicherlich am meisten belastet hat, ist die Aussage, dass die freiwilligen Kameraden erst nach einer Stunde begonnen hätten das Feuer zu bekämpfen. Stattdessen habe Arvid Samtleben viele Kameraden beim Rauchen und Kaffeetrinken beobachtet. „Die Wallrodaer Kameraden waren neun Minuten nach der Alarmierung vor Ort“, so Stefan Hentschke. Der Notruf sei 17.52 Uhr eingegangen. Im allerersten Schritt haben die Feuerwehrleute – statt sich eine Zigarette anzuzünden – die Menschenleben im Blick gehabt. Sprich, ist noch jemand im Haus oder sind alle in Sicherheit? „Diese Frage hat Priorität. Unser Schutzziel sind immer erst die Menschen, dann Sachgegenstände“, betont der stellvertretende Kreisbrandmeister. Nachdem sicher war, dass alle Mieter in Sicherheit sind, haben die Arnsdorfer und Wallrodaer Kameraden mit den Kollegen aus Radeberg die Einsatzleitung besprochen. „Die Radeberger haben eine sehr große Einsatzerfahrung und vor allem die technischen Ressourcen“, erklärt Stefan Hentschke die getroffene Entscheidung. Damit spielt er auf die Drehleiter der Radeberger an, die dann zwischen 18.15 Uhr und 18.20 Uhr das erste Mal mit ausreichend Wasser die Flammen bekämpfte.

Die Gemeinschaft hat funktioniert

Ausreichend Wassermassen sind dabei das richtige Stichwort. Denn Arvid Samtleben bemängelte nach dem Einsatz unter anderem defekte Leitungen sowie den Fakt, dass die Kameraden einen nahe liegenden Teich nicht beachtet hätten. Doch auch diese Aussagen kann Stefan Hentschke wiederlegen: „Zuallererst haben die Feuerwehrleute einen Unterflurhydranten genutzt“. Also die Arnsdorfer Leitungen unterhalb der Hufelandstraße, die somit problemlos funktioniert haben. Parallel dazu fuhren mehrere Tanklöschfahrzeuge zum Gewerbegebiet, um weiteres Wasser zu holen. „Solange, bis die Leitungen zum Karswaldbad gelegen haben“, so der stellvertretende Kreisbrandmeister. Denn das Schwimmbecken sei glücklicherweise noch voll gewesen. In einer allerletzten Maßnahme haben die Kameraden dann noch den von Samtleben nahe gelegenen Teich am Tiergehege zum Löschen genutzt. „Das ist allerdings kein Löschwasser-Teich und seine Brauchbarkeit war generell zunächst infrage gestellt. Deshalb hat man sich in der ersten Phase auf die Löschwasserversorgungsentnahmestellen gestützt, die zuverlässig sind.“

Und noch einen weiteren Vorwurf möchte Stefan Hentschke entschärfen. Denn Arvid Samtleben bemängelte die Tatsache, dass der Kreisbrandmeister vor Ort nicht daran gedacht habe, den Gashahn abzustellen. „Die Prioritäten lagen auch bei diesem Thema woanders. Es brannte der Dachstuhl, und die technischen Anlagen für die Gasheizungen liegen im Keller“, so Stefan Hentschke. Kurzum: Alle Kameraden haben eine gute Arbeit geleistet.

Gesamte Gemeinde hat angepackt

Doch nicht nur die Kameraden haben Einsatz gezeigt. Auch die gesamte Gemeinde hat wieder einmal angepackt. So haben Mitarbeiter der Arnsdorfer Kita Thermoskannen mit warmen Getränken organisiert und das Deutsche Rote Kreuz aus Wilthen organisierte für die Einsatzkräfte ein Aufwärmzelt, in dem die Kameraden sich bei einer Außentemperatur von minus zehn Grad kurz ausruhen und dabei auch mal eine Zigarette rauchen konnten.