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„Erst jetzt träume ich von Electra“

Bernd Aust über die Karriere nach der Karriere, Fats Domino und die Kunst, loszulassen.

© privat

Herr Aust, sind Sie noch gut bei Puste?

Ich habe gerade die Flöte aus der Hand gelegt. Jeweils eine halbe Stunde täglich für Flöte und Saxofon muss es schon sein. So halte ich mich warm, muss die Muskeln trainieren, um mein Niveau zu halten. Mit 72 werden die Möglichkeiten, sich musikalisch auszutoben, eben langsam geringer.

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Vor drei Jahren haben Sie Ihre Band Electra in die Rente geschickt. Lebt der Musiker in Ihnen weiter?

Eigentlich wollte ich meine Karriere beenden, aber dann haben mich Freunde so lange bekniet, bis ich noch einmal Ja gesagt habe. Ich möchte spielen, solange ich den Eindruck habe, dass ich das, was ich ausdrücken will, auch rüberbringen kann. Die Musik, die ich jetzt mache, ist einfacher zu spielen, aber genial.

Gemeinsam mit Thomas Stelzer und Freunden haben Sie gerade eine CD zu Ehren Fats Dominos aufgenommen. Ganz schön schnell für einen Nachruf.

Das Album war auch ehrlich gesagt nicht in memoriam geplant, sondern sollte zu Ehren seines 90. Geburtstags erscheinen. Sein Tod im vergangenen Oktober hat uns alle völlig überrascht. Aber dann haben wir uns angeschaut und gesagt: Na klar machen wir weiter. Jetzt erst recht.

Wie sind Sie denn überhaupt zu dem Projekt gekommen?

Ich hatte schon einige Male mit meinem Freund Thomas zusammengearbeitet. Als er mir von der Idee mit Fats Domino erzählte und fragte, ob ich einen Saxofonpart übernehmen wolle, war ich sofort dabei. Bei der Jazzpolizei wurde Fats ja oft belächelt, aber er war einfach unheimlich populär. Es gibt so viele Hits, dass wir unsere Titel zu Medleys zusammengefasst haben.

Ist das Programm auch live zu erleben?

Ja, das war mir bei diesem Projekt besonders wichtig, dass wir regelmäßig auftreten. Unter anderem werden wir am 18. Mai beim Dixieland am Flughafen, am 17. und 24. Mai im Theaterkahn und am 1. Juni im Gasthof Weißig spielen. Auch Pirna, Bautzen sind Stationen. Es gibt sogar schon Anfragen aus dem Ausland.

Aber nicht aus New Orleans, oder?

Nein, das fehlt noch.

Was ist heute anders als mit Electra?

Als Bandleader war ich verantwortlich für alles, von den Verträgen bis zur Songauswahl. Heute komme mit meinem Notenständer und dem Saxofon und los geht’s. Das ist auch mal schön.

Sind Sie denn auch in Ihrer Konzertagentur noch aktiv?

Aus dem Tagesgeschäft habe ich mich vollkommen zurückgezogen. Die Organisation der Konzerte liegt seit geraumer Zeit in den Händen meines Sohnes Rodney und seines Teams. Ich bin allerdings weiterhin Berater und koordiniere für den Semperopernball immer noch alles, was außerhalb der Oper passiert. Langweilig wird es also nicht, zumal meine Frau Ilona und mich ja auch noch unsere vier Enkel auf Trab halten.

Bereuen Sie manchmal die Auflösung von Electra?

Ich war selbst überrascht, wie wenig Probleme ich damit hatte. Erst jetzt träume ich manchmal von Electra. Aber es sind leider keine schönen Träume. Einmal habe ich mein Saxofon liegen gelassen, ein anderes Mal kam der Schlagzeuger nicht. Eine schönere Erinnerung ist mein eigener Weißwein „electra Solaris“ , der auf meiner kleinen Weinanlage prächtig gedeiht.

Das Gespräch führte Henry Berndt.