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Erst vier Flüchtlinge haben einen Job

Mehr als 750 Asylsuchende müssen Arbeitsagentur und Jobcenter vermitteln. Die Bedingungen sind streng.

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© DA-Archiv/Dietmar Thomas

Von Tina Soltysiak

Döbeln. Die Integration von Flüchtlingen ist eine große Aufgabe im Landkreis Mittelsachsen. Das betont Landrat Matthias Damm (CDU). Deshalb kommt seiner Ansicht nach auf die Arbeitsagentur und das Jobcenter viel Arbeit zu. Vor welchen Herausforderungen die Mitarbeiter stehen und welche Bedingungen für die Vermittlung von Geflüchteten erfüllt sein müssen, hat der DA bei der Bundesagentur für Arbeit (BA) in Freiberg erfragt.

Wie viele Asylbewerber müssen in den Arbeitsmarkt integriert werden?

Momentan seien der Arbeitsagentur Freiberg in ganz Mittelsachsen 758 erwerbsfähige Personen gemeldet, die aus einem Asylzugangsland stammen, so Sprecherin Stefanie Ebert. Allerdings stehe die Integration aller Personengruppen auf dem Arbeitsmarkt im Fokus – unabhängig von deren Herkunftsland. Individuelle Qualifizierung und Unterstützung seien dabei der Schlüssel zum Erfolg. „So befinden sich zum Beispiel viele Asylbewerber in Sprachkursen“, ergänzt sie.

Ist es bereits gelungen, Geflüchtete zu vermitteln?

Ja. Im Februar wurde ein Asylberechtigter als Ansprechpartner/Projektassistent für geflüchtete Menschen bei einer charitativen Einrichtung im Raum Hainichen eingestellt. „Aktuell wurde am 1. Mai ein Asylbewerber als Lagerarbeiter im Raum Freiberg übernommen“, so Stefanie Ebert. Geplant seien jeweils eine weitere Einstellung im verarbeitenden Gewerbe sowie im Bäckereihandwerk.

Wollen Arbeitgeber überhaupt Asylsuchende beschäftigen?

„In persönlichen Gesprächen und zu Betriebsbesuchen signalisieren Arbeitgeber immer wieder, dass sie bereit sind, Flüchtlingen eine Chance zu geben“, sagt Stefanie Ebert. Interesse hätten vor allem Arbeitgeber im verarbeitenden Gewerbe, aber auch im Gesundheitswesen, im Dienstleistungsbereich und der Gastronomie, ergänzt sie.

Welche Voraussetzungen müssen dafür geschaffen sein?

„Wir empfehlen allen Arbeitgebern die Kontaktaufnahme zum Arbeitgeber-Service der Arbeitsagentur“, so Stefanie Ebert. Es gibt Unterstützungsmöglichkeiten, zum Beispiel in Gestalt einer bis zu sechswöchige „Maßnahme beim Arbeitgeber“. Das sei eine gute Möglichkeit, um Fähigkeiten und Qualifikationen sowie die Person an sich kennenzulernen. Passt alles, „sollte schnellstmöglich eine Arbeitserlaubnis bei der Ausländerbehörde durch den Asylbewerber beantragt werden“, so Ebert.

Wo gibt es Praktikumsplätze für Flüchtlinge?

Die Träger von Flüchtlingsunterkünften oder Ähnlichem möchten ihren Schützlingen gern Praktika vermitteln. Von besonderem Interesse seien Tätigkeitsfelder im Handel, im Bereich Transport, Lager und Logistik, Berufe im Hotel- und Gaststättengewerbe, im Haushalt, rund um den Bereich Sauberkeit und Hygiene, Berufe in der Versorgung und Installation, im Gesundheits- und Sozialwesen, der Pädagogik sowie Berufe mit Farben, Lacken oder Holz, so Stefanie Ebert. Auch vor Beginn eines Praktikums müssen die Ausländerbehörde und die Arbeitsagentur ihre Zustimmung erteilen. „Die Zustimmung der BA fällt weg, wenn es sich um ein Praktikum zur Berufsorientierung oder zur Studienaufnahme handelt“, erklärt sie.

Wann können Flüchtlinge überhaupt eine Arbeit aufnehmen?

Anerkannte Flüchtlinge mit einer Aufenthaltserlaubnis dürfen jede Beschäftigung aufnehmen. „Bei Asylbewerbern und Geduldeten kann die Ausländerbehörde grundsätzlich nach drei Monaten Aufenthalt in Deutschland eine Arbeitserlaubnis erteilen. Jeder Fall wird einzeln geprüft“, so Stefanie Ebert. Einen Ausbildungsplatz im Betrieb können Asylbewerber ab dem vierten Monat in Deutschland aufnehmen. Dafür muss eine Beschäftigungserlaubnis bei der Ausländerbehörde beantragt werden. Besonderheiten gebe es bei Hochschulabsolventen oder Fachkräften mit anerkannter Ausbildung in einem Engpassberuf, zum Beispiel in den Bereichen Softwareentwicklung oder Sanitär- und Klimatechnik. „Hier ist der Zugang in Beschäftigung ohne Vorrangprüfung nach drei Monaten Aufenthalt möglich“, erklärt sie.

Wie sieht es mit der Anerkennung der Abschlüsse der Flüchtlinge aus?

Die Agentur für Arbeit sowie das Jobcenter Mittelsachsen beraten zur Anerkennung der Abschlüsse und zur Gleichwertigkeitsprüfung bei akademischen Abschlüssen. Weitere Ansprechpartner sind die Handwerkskammer oder IHK sowie Berufsverbände. „Diese entscheiden allein ob der Abschluss in Deutschland anerkannt wird“, erklärt Stefanie Ebert.

Ist das Beherrschen der deutschen Sprache wirklich so wichtig?

Ja, denn für die Einstellungsbereitschaft von Arbeitgebern ist eine gute Verständigung relevant. „Betrieben ist es wichtig, dass Sprachkenntnisse vorhanden sind und man sich gut verständigen kann. Dabei geht es nicht nur um das Erklären von Tätigkeiten, sondern zum Beispiel auch um Sicherheitsaspekte“, erzählt die BA-Sprecherin. Sicherheit und Arbeitsschutz würden schließlich in allen Berufsgruppen eine große Rolle spielen.

Sind die Aufgaben für die BA mit dem vorhandenen Personal zu bewältigen?

In der Agentur gibt es spezielle Ansprechpartner für Flüchtlinge und Asylsuchende, die in jeder Geschäftsstelle im Landkreis vertreten sind. Ebenso gibt es sowohl in der Agentur als auch im Jobcenter eine Fachexpertin Asyl und Flüchtlinge. „Durch die Bündelung der Kompetenzen sind die Aufgaben gut zu leisten. Gute Netzwerke helfen ebenso dabei“, so Stefanie Ebert.

Wo können Geflüchtete selbstständig nach freien Stellen suchen?

Neben Internet-Angeboten, wie beispielsweise das Portal www.planet-beruf.de, spiele die App „Ankommen“ eine große Rolle. „Gut drei Monate nach ihrem Start hat sie bereits fast 135 000 Downloads“, so Stefanie Ebert. Das Angebot umfasst Informationen und praktische Hilfe für Geflüchtete zu den Themen „Asyl“, „Ausbildung“, „Arbeit“ und „Leben in Deutschland“. Außerdem beinhaltet sie einen Selbstlern-Sprachkurs. „Die Informationen stehen auf Deutsch, Englisch, Französisch, Arabisch und Farsi/Persisch zur Verfügung“, erklärt sie.