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Erstaufnahmen in Sachsen schließen

Immer weniger Flüchtlinge kommen in Sachsen an. Daher will der Freistaat seine Kapazitäten für die Erstaufnahme zurückfahren. Asylsuchende sollen künftig zuerst in drei Orten untergebracht werden.

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© Archiv/privat

Dresden. Sachsen reduziert wegen stark rückläufiger Flüchtlingszahlen seine Kapazitäten für die Erstaufnahme. Bis Juni werden 14 von aktuell 35 Einrichtungen geschlossen, kündigte Innenminister Markus Ulbig (CDU) am Donnerstag an. Im Kern geht es um eine Konzentration der Standorte in Chemnitz, Dresden und Leipzig.

Im Studentenwohnheim der Fachhochschule der sächsischen Verwaltung in Meißen-Bohnitzsch sollten bis zum 720 Asylbewerber wohnen. Zum 30. Juni wird die Erstaufnahmeeinrichtung geschlossen.
Im Studentenwohnheim der Fachhochschule der sächsischen Verwaltung in Meißen-Bohnitzsch sollten bis zum 720 Asylbewerber wohnen. Zum 30. Juni wird die Erstaufnahmeeinrichtung geschlossen. © Archiv/Claudia Hübschmann
In der Unterkunft am Kynastweg in Meißen wurde Platz für rund 160 Asylbewerber geschaffen. Die Unterkunft wird nun geschlossen.
In der Unterkunft am Kynastweg in Meißen wurde Platz für rund 160 Asylbewerber geschaffen. Die Unterkunft wird nun geschlossen. © Archiv/Claudia Hübschmann

Von den Stilllegungen sind vor allem Einrichtungen im ländlichen Raum betroffen. Dazu zählen auch die Heime in Meißen und Niederau. Das Studentenwohnheim der Fachhochschule der sächsischen Verwaltung in Meißen-Bohnitzsch (720 Plätze), die alte Staatsanwaltschaft im Meißner Kynastweg (160 Plätze) sowie der Real-Markt in Niederau (800 Plätze) sollen demnach bis zum 30. Juni geschlossen werden. Außerdem schließen Heime in Döbeln, Görlitz, Heidenau, Plauen und Frankenberg.

Die Unterbringung der Asylsuchenden soll sich in Zukunft auf die großen Städte Leipzig, Dresden und Chemnitz konzentrieren. „Die Auslastung der Unterbringungskapazitäten in Sachsen liegt derzeit bei rund 15 Prozent. Sachsen passt die Unterbringungskonzeption den aktuellen Asylbewerberzugängen an. Wir fokussieren uns weiter auf das Drei-Standorte-Konzept und profitieren in den Städten von den drei Außenstellen des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge. Mit der Anpassung setzen wir weiter auf schnelle Entscheidungen, wer bleiben darf und wer nicht“, so Innenminister Markus Ulbig. „Damit ist die Struktur unserer künftigen staatlichen Erstaufnahmeeinrichtungen wirtschaftlich, regional und betriebstechnisch ausgewogen. Wir haben berücksichtigt, dass die Entwicklung der weiteren Zugangszahlen mit großen Unsicherheiten verbunden ist. Aus diesem Grund fahren wir weiterhin ‚auf Sicht‘.“

Das Innenministerium rechnet aktuell mit einem Bedarf an rund 9 600 Unterbringungsplätzen. Weitere rund 4 700 Plätze sollen als kurzfristig aktivierbare Reserve vorgehalten werden. Zum Jahresende soll das Unterbringungskonzept spätestens noch einmal überprüft und möglicherweise angepasst werden.

In Dresden sind folgende Kapazitäten als langfristig dauerhafte geplant: 700 Plätze am Hammerweg (Inbetriebnahme voraussichtlich Anfang 2017) und 1 600 Plätze an der Hamburger Straße (Einrichtung bleibt in Betrieb. Zudem gibt es Pläne für mittelfristig-variable Plätze, von denen 450 in Dresden-Gittersee angeboten werden sollen; der Ausbau der Einrichtung dort soll laut Ministerium bis Ende 2016 erfolgen. (SZ/dpa)

  • Folgende Einrichtungen in Sachsen schließen bis 30. Juni 2016
  • insgesamt 6 607 Plätze
  • Bischofswerda: 700 Plätze
  • Chemnitz, Wohnhotel Kappel: 350 Plätze
  • Döbeln: 640 Plätze (mögliche Nutzung als Lager)
  • Görlitz: 228 Plätze
  • Heidenau: 650 Plätze (Nutzung als Lager)
  • Leipzig, Soccer-Halle: 439 Plätze
  • Meißen, Studentenwohnheim: 720 Plätze
  • Meißen, Kynastweg: 160 Plätze
  • Niederau: 800 Plätze
  • Plauen: 600 Plätze (Nutzung als Lager)
  • Dresden, Gutzkowstraße: 600 Plätze
  • Frankenberg, Kaserne: 300 Plätze
  • Leipzig, Studienakademie 420 Plätze (bereits Ende April 2016 geschlossen)