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In Dresden läuft es automatisch

© dpa

In Übigau ist die erste automatische DHL-Sortieranlage in Sachsen in Betrieb genommen worden. Es soll nicht lange die einzige bleiben.

Sandro Rahrisch

Dresden. Schuhe, Bücher und neuerdings auch Milch: Fast jedes Produkt lässt sich heutzutage über das Internet bestellen. Wie oft die Dresdner auf „kaufen“ klicken, lässt sich in der neuen Zustellbasis der Deutschen Post in Übigau erahnen. Pakete von Amazon, Zalando oder dem Lidl-Shop wechseln sich ab auf dem Fließband. Ab und an liegt eine privat verschickte Sendung dazwischen, wie die manchmal wild zugeklebten Kartons verraten.

In der 4500 Quadratmeter großen Halle werden täglich rund 13000 Sendungen sortiert. © dpa
Dank neuer Technik sollen Sendungen schneller sortiert, verladen und ausgeliefert werden. © dpa

„Das Paketaufkommen hat durch den Onlinehandel stark zugenommen“, sagt Post-Sprecherin Tina Birke. Allein in der Dresdner Basis werden seit dieser Woche täglich 13 000 Stück für die Zustellung sortiert. Während die Stadt noch schläft, karren Laster die Pakete vom Sortierzentrum in Ottendorf-Okrilla über die Autobahn in den Sigma-Technopark an der Flutrinne. Dort werden sie auf das Förderband gehievt. Jede Sendung durchläuft eine Kammer, in der die Zieladressen gescannt werden. Anschließend verlassen die Kartons das Band automatisch über eine der 36 Rutschen. An deren Enden warten bereits die Zusteller für das richtige Gebiet. Ab halb acht Uhr morgens beladen sie ihre Fahrzeuge. Vorher gab es mehrere kleinere Standorte, an denen die Sendungen manuell sortiert werden mussten.

Es ist die erste mechanisierte Zustellbasis in Mitteldeutschland, die am Freitag in Betrieb genommen wurde. Durch die schnellere Sortierung sollen die Pakete ab sofort etwa eine Stunde früher an der Haustür ankommen. Beliefert werden Haushalte in Blasewitz, Hellerberge, Johannstadt, Kaditz, Mickten, Neustadt, Pieschen, Striesen, Trachau, Übigau sowie Cotta, Coswig, Freital, Pirna, Radeberg und Weinböhla.

Insgesamt rücken die Boten in drei Wellen aus. Die erste startet etwa um acht, die zweite eine Stunde später. Am Nachmittag werden die Pakete für die Abendzustellung sortiert. Seit 2014 können Waren so bestellt werden, dass sie zwischen 18 und 21 Uhr geliefert werden. Der Online-Händler Amazon hat dieses Angebot bereits fest in sein Bestellsystem integriert. Wer morgens kauft, kann einige Artikel zum Aufpreis noch am selben Tag erhalten.

Seit 2012 baut die Post überall in Deutschland mechanisierte Zustellbasen. Dresden ist Nummer 73. „Wir haben uns erst einmal auf die größeren Ballungsräume konzentriert“, so Birke. Allein in Berlin sind neun Stationen entstanden. Für die Weihnachtszeit, in der deutlich mehr Pakete verschickt werden, wird die neue Zustellbasis aber nicht reichen. In dieser Zeit müssen nach wie vor zusätzliche Kräfte engagiert werden, die manuell sortieren. In den vergangenen Jahren hatte der Konzern bereits die Paketzentren Ottendorf-Okrilla, Radefeld und Neumark auf eine Kapazität von 32 000 Sendungen pro Stunde hochgerüstet. Auch die Dresdner Basis kann diese Funktion im Kleinen übernehmen. Das heißt, Sendungen aus einigen Regionen Deutschlands könnten direkt nach Dresden geliefert und weiter verteilt werden, ohne zuvor ins Zentrum nach Ottendorf zu müssen. Die Offensive der Post ist auch eine Reaktion auf den Wettbewerb mit anderen Paket-Dienstleistern. Die Deutsche Post AG/DHL hatte in diesem Bereich zuletzt einen Marktanteil von etwa 44 Prozent. Das Unternehmen DPD, das zur französischen Geopost gehört, setzte 18 Prozent aller Aufträge um, UPS 17 Prozent und Hermes als Teil der Otto-Gruppe 13 Prozent.

An den Arbeitsverträgen der Zusteller soll sich durch die neue Basis nichts ändern, sagt Tina Birke. Die Arbeitszeiten blieben dieselben. Außerdem soll es durch die Automatisierung keine Kündigungen geben. Im Gegenteil: Die Post hat 30 Mitarbeiter zusätzlich eingestellt. Auch eine Ausgliederung sei nicht geplant. Die Zusteller sind erst 2015 von neu gegründeten regionalen DHL-Paketgesellschaften namens „Delivery“ übernommen worden. Hintergrund: Mit etwa 18 Euro Stundenlohn hielt sich der Konzern nicht mehr für wettbewerbsfähig. In den Subunternehmen werden im Schnitt 13 Euro bezahlt. Die Post beschäftigt gut 2 800 Menschen in Dresden.