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Erste Mieter sitzen nicht mehr fest

In zwei Häusern der Vonovia sind Fahrstühle kaputt. Doch nun soll es aufwärts gehen.

© René Meinig

Von Alexander Buchmann

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Ein Treppenmarathon in die zehnte oder gar 16. Etage ist für einen gesunden Menschen noch zu schaffen. Bei Älteren oder Gehbehinderten sieht das dagegen anders aus. Funktioniert der Fahrstuhl nicht, sind sie in ihren Wohnungen gefangen. Die Bewohner zweier Hochhäuser der Vonovia in Prohlis und Gruna haben genau damit zu kämpfen. Und während in der Postelwitzer Straße 2 zumindest noch ein Fahrstuhl funktioniert, geht in der Prohliser Allee seit mittlerweile zwölf Tagen gar nichts mehr. Dort ist nun aber ein Ende in Sicht.

„Die notwendigen Teile wurden soeben angeliefert“, teilt Vonovia-Sprecherin Bettina Benner am Donnerstag auf SZ-Nachfrage mit. Damit könne mit der Reparatur des Aufzugs noch am Donnerstag begonnen werden, sodass dieser am Freitag wieder in Betrieb geht. Für die 40 Mietparteien in dem Gebäude ist das eine gute Nachricht. Denn damit gehören dann Notlösungen wie ein Tragedienst für Einkäufe oder auch ein Personentragedienst der Vergangenheit an. Die Kosten dafür übernimmt die Vonovia, die die Bewohner für die Zeit des Ausfalls mit einer Mietminderung entschädigen will. Wie hoch diese ausfällt, lässt das Unternehmen offen.

Dass die Mieter fast zwei Wochen ohne Fahrstuhl auskommen mussten, begründet die Vonovia mit den Lieferfristen für die Ersatzteile. Diese seien von der Aufzugsfirma sofort nach der Schadensmeldung bestellt worden, sagt Benner. „Sollte es zu einer Störung kommen, reagieren wir sehr schnell, denn wir wissen, was es für Unannehmlichkeiten für unsere Mieter bedeutet, wenn ein Aufzug ausfällt.“

Mit solchen „Unannehmlichkeiten“ müssen sich die Bewohner der 130 Wohnungen in der Postelwitzer Straße 2 wohl noch länger abfinden. Dort ist schon seit November vorigen Jahres ebenfalls ein Aufzug außer Betrieb. Der Grund ist ein Getriebeschaden. Ein Zettel an der Fahrstuhltür hatte zwar den 19. Dezember als Reparaturtermin angekündigt, passiert ist aber nichts. Mutmaßlich von einem Bewohner ist dieser deshalb mit einem „Haha“ versehen worden. Dabei ist den vielen älteren Mietern alles andere als zum Lachen zumute. „Das geht nicht. Wenn es draußen schön ist, stehe ich in der 14. Etage und warte mitunter 30 bis 40 Minuten auf den Fahrstuhl“, ärgert sich Jürgen Schramm. Weil er im Rollstuhl sitzt, ist die Treppe keine Option. Wie ihm geht es auch anderen Bewohnern. „Nach drei Schlaganfällen bin ich auf den Fahrstuhl angewiesen“, sagt Rentnerin Christiane Hofmann, die in der fünften Etage wohnt. Wie viele andere ist auch sie auf eine Gehhilfe angewiesen. Und weil nur drei Leute im Rollstuhl oder mit Gehhilfe in den funktionierenden Fahrstuhl passen, kommt es davor des Öfteren zu regelrechten Staus.

„Am schlimmsten ist es, wenn die Tagespflege einen Ausflug macht oder Paketdienste den Fahrstuhl blockieren“, sagt Ivonne Reimann. Sie arbeitet als Therapeutin in der Pflegeeinrichtung, die sich in dem Haus befindet. Denn dann wollen auf einmal zehn Personen gleichzeitig den einen Fahrstuhl nutzen. Ein- und Auszüge oder Bauarbeiten sorgen ebenfalls für Wartezeiten. Zehn Mieter haben sich deshalb laut der Vonovia-Sprecherin bereits an das Wohnungsunternehmen gewendet. Darunter ist Jürgen Schramm. „Ich habe Anfang des Monats eine Eingabe wegen Mietminderung an den Hausverwalter geschickt, aber bis jetzt ist noch nichts passiert“, erzählt er.

Solchen Forderungen erteilt die Vonovia aber eine Absage. „Rechtlich gesehen, können Mietminderungen nur bei einem kompletten Ausfall aller Anlagen geltend gemacht werden“, sagt Benner. Die Lage habe man den Mietern in persönlichen Gesprächen und Telefonaten erklärt. Und auch angekündigt, die beiden Anlagen nacheinander modernisieren zu wollen. Die Ersatzteile seien auch schon bestellt. „Der genaue Bauzeitplan liegt uns derzeit leider noch nicht vor“, so die Sprecherin. Jürgen Schramm hat aber die Faxen dicke. „Die interessiert das nicht. Hauptsache die bekomme ihre volle Miete“, sagt er.