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Erste Risse in der Traumbeziehung

Ralph Hasenhüttl bei RB Leipzig – das galt bisher als Idealbesetzung. Doch nach den vergangenen Niederlagen wird es unruhig.

© dpa/Jan Woitas

Von Jörg Soldwisch

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Ralph Hasenhüttl und RB Leipzig – das schien bislang eine Traumehe zu sein. Doch es tun sich erste Risse auf, sogar eine Trennung nach der Saison ist nicht ausgeschlossen. Der Österreicher ziert sich, seinen bis Ende Juni 2019 laufenden Vertrag zu verlängern, doch ohne seine Unterschrift soll Hasenhüttl in Leipzig keine Zukunft haben. Das berichtete jüngst zumindest der Kicker.

Warum aber zögert der Trainer? Womöglich spekuliert der 50-Jährige tatsächlich auf den Trainerjob bei Bayern München, wenn sich Jupp Heynckes im Sommer endgültig in den Ruhestand verabschiedet. Die offizielle Version lautet: Hasenhüttl will erst sein Coaching in seiner ersten Europacupsaison überprüfen und bewerten. „Wir sollten abwarten“, sagte Hasenhüttl, „ob ich in der Lage bin, eine Mannschaft mit dieser Belastung erfolgreich bis zum Saisonende zu trainieren.“ Daran kamen zuletzt erste Zweifel auf. Seine letzten beiden Ligaspiele nach Europapokal-Auftritten verlor RB. Gegen den Tabellenletzten 1. FC Köln ging den Leipzigern, die sich eigentlich aggressiven Vollgasfußball als DNA vorgeschrieben haben, für alle im Stadion sichtbar die Puste aus. Erstmals in der Hasenhüttl-Ära war der Fangesang „Wir woll’n euch kämpfen seh’n!“ zu hören. „Spieler, die auf dem Zahnfleisch gehen, haben in der Regel keine Kraft mehr fürs Kämpfen“, sagte Hasenhüttl: „Es wäre wichtiger gewesen, spielerische Lösungen zu suchen.“ Doch auch die fand der Vizemeister in einer schwachen zweiten Halbzeit gegen Köln nicht.

Beim Thema Kaderentwicklung sollen er und Sportdirektor Rangnick nicht mehr zu hundert Prozent auf einer Wellenlänge liegen, genau wie beim Thema System. Während Hasenhüttl eine sanfte Transformation des Überfallfußballs in einen Ballbesitzfußball forciert, weil die Gegner nun viel tiefer stehen würden, hält Rangnick weiterhin das frühe und aggressive Pressing für das Ideal. Man habe „nicht mehr das gespielt, was unsere DNA auszeichnet“, hatte Rangnick im Winter kritisiert.

Es stellt sich die Frage, ob Trainer und Klub noch dasselbe wollen und beide an eine langfristige Zukunft glauben. Hasenhüttl will sicher auch sehen, wie der Weggang von Naby Keita, der immer öfter verletzt oder gesperrt ist, kompensiert wird und ob es Fortschritte bei den angestrebten Vertragsverlängerungen mit Timo Werner und Marcel Sabitzer gibt. Beide wirkten zuletzt genervt und lustlos, was daran liegen könnte, dass sie nicht mehr mit Vorarbeiten gefüttert werden wie in der vergangenen Saison, als Keita und Emil Forsberg groß aufspielten. Der Schwede kehrte gerade erst nach langer Verletzungspause zurück, ist noch nicht in alter Form.

Das sind keine guten Vorzeichen für die kommenden Aufgaben. Die haben es in sich. Erst empfängt RB den Tabellenzweiten Borussia Dortmund, dann Spitzenreiter Bayern München. Dazwischen geht es zum VfB Stuttgart und gegen Zenit St. Petersburg in der Europa League. RB kann in den nächsten Wochen viel verspielen – aber auch viel gewinnen. (sid/mit SZ)