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Erster Gottesdienst im Leipziger Kirchenneubau

Hochschule und Landeskirche sind noch uneins über die künftige Nutzung des Gebäudes.

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Leipzig. Weit mehr als 700 Menschen haben gestern den ersten Gottesdienst im noch nicht fertiggestellten Innenstadt-Campus der Leipziger Universität besucht. Die Gestaltung der etwa eineinhalbstündigen Feier übernahm die evangelische Universitätsgemeinde, die sich normalerweise sonntags in einer anderen Kirche versammelt. Für die musikalische Begleitung sorgten der Universitätschor und das Pauliner Barockensemble. Sie spielten die Kantate „Nun komm der Heiden Heiland“ von Johann Sebastian Bach.

In seiner Predigt rief dabei der zweite Universitätsprediger Peter Zimmerling zur Versöhnung im Konflikt zwischen Vertretern der Hochschule und der evangelischen Kirche um den Neubau auf, der bis Ende 2011 fertiggestellt werden soll. Dieser Streit habe viele Menschen innerhalb und außerhalb der Universität entzweit und müsse eines Tages überwunden werden.

Um den Neubau, der im Mittelstück an die 1968 auf Geheiß des SED-Regimes gesprengte Universitätskirche erinnert, gibt es seit Langem eine Auseinandersetzung zwischen der Hochschule und der sächsischen Landeskirche. Das Gebäude soll gleichermaßen als Kirche und Aula genutzt werden. Auf großen Widerstand bei Kirchenvertretern stößt eine von der Hochschulleitung geplante Glaswand, die Andachtsraum und Aula voneinander abtrennen soll. Die Wand würde auch das Aufstellen der 1968 aus der Paulinerkirche geretteten Kanzel erschweren. Die Universitätsgemeinde werde weiter dafür sorgen, dass „Altar, Lesepult und Taufstein“ im Neubau Platz finden, betonte Zimmerling. Das Gebäude müsse für die Kirche außerdem ein „Raum der Verlässlichkeit“ werden.

Bisher hat die Gemeinde der Hochschule nach Angaben des Universitätspredigers Rüdiger Lux die Zusage, an allen Sonn- und Feiertagen Gottesdienste im Neubau halten zu dürfen. Sollten sich aber Veranstaltungen der Universität damit überschneiden, müsse die Gemeinde auf dieses Recht verzichten, erklärte Lux. Die Kollekte des ersten Universitätsgottesdienstes war für die Ausgestaltung des Raums nach dem Wunsch der Kirche bestimmt.

Wegen strenger Sicherheitsauflagen wurden gestern nur 700 Gäste auf die Baustelle gelassen. Mehr als 100 weitere verfolgten den nach außen übertragenen zweistündigen Gottesdienst bei Nieselregen auf dem Augustusplatz.

Die Sprengung der Leipziger Universitätskirche spielte am Sonntagabend auch eine Rolle in einem neuen Kriminalfall der ARD-Fernsehreihe „Tatort“. In „Falsches Leben“ ging es um einen Mord, dessen Beweggründe mit den Ereignissen im Mai 1968 im Zusammenhang stehen. (epd/dpa)