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Erster Podestplatz für Biathletinnen

So schwache Ergebnisse haben die deutschen Frauen noch nie abgeliefert. In Oberhof gelingt Denise Herrmann endlich der Befreiungsschlag.

Ist sich beim Anschießen offenbar noch unsicher gewesen: Biathletin Denise Herrmann.
Ist sich beim Anschießen offenbar noch unsicher gewesen: Biathletin Denise Herrmann. © dpa/Hendrik Schmidt

Oberhof. Diesmal machte Denise Herrmann fast alles richtig. Statt in alte Muster und Hektik zu verfallen, hielt die 31-Jährige vor dem letzten Schuss lange inne und setzte ihn dann ins Schwarze: Am Ende sprang in der Nebelsuppe von Oberhof mit Platz zwei im Sprint nicht nur ihr bestes Saisonergebnis heraus. Hermann beendete auch die historische Misere der deutschen Biathletinnen, die bei den ersten drei Weltcups ganz ohne Podestplatz geblieben waren.

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"Ich habe zwar leicht gezittert und konnte nicht ganz im Rhythmus bleiben. Aber ich wusste, ich muss nicht durch die Schießzeit glänzen. Und da bin ich ein bisschen entspannter und konnte das zum Glück rüberbringen", sagte die frühere Langläuferin, die nach einer Strafrunde am Donnerstag 33,1 Sekunden Rückstand auf die fehlerfreie Siegerin Marte Olsbu Röiseland aus Norwegen hatte. "Das Rennen war für mich ganz wichtig, denn ich war schon verunsichert." Dritte wurde die Französin Julia Simon.

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Die deutschen Skijägerinnen gingen nach dem schlechten Saisonstart hoch motiviert in den ersten Heim-Weltcup, auch wenn mit Franziska Preuß eine der Besten fehlte. Motiviert ist Herrmann eigentlich immer, manchmal aber zu viel. Ihr Kopf ist oft das Problem, denn die Verfolgungs-Weltmeisterin von Östersund möchte mehr als sie bisher abgeliefert hat. "Denise will mit aller Gewalt zeigen, was sie kann. Aber dann geht der Schuss nach hinten los", hatte Frauen-Trainer Florian Steirer vor dem Rennen gesagt - so geschehen beim Weltcup in Hochfilzen, als Herrmann in der Staffel drei Strafrunden schoss und der historisch schlechte Platz zwölf zu Buche stand.

"Mir hat stellenweise die Lockerheit gefehlt", bekannte Herrmann. "Ich möchte immer aufs Podest, und das macht auch innerlich Druck an die eigenen Erwartungen." Läuferisch ist sie ohnehin Weltklasse und lieferte im Thüringer Wald über die 7,5 Kilometer die Laufbestzeit ab. Herrmann will auch bei der WM in Antholz Mitte Februar wieder in den Medaillenkampf eingreifen.

Doch die Oberwiesenthalerin konnte in dieser Saison ihre Schießleistungen noch nicht stabilisieren. Sie ließ sich im Sommer einen neuen Gewehrschaft bauen, der besser an ihren Körper angepasst ist. Doch noch zahlte sich das nicht aus. Die Schießeffektivität sank von 78 auf 75 Prozent. Vor allem stehend fanden bisher nur 70 Prozent der Schüsse ihr Ziel.

Für ein Quartett verläuft das Rennen erneut enttäuschend

Die Sächsin trainierte über Weihnachten in mittlerer Höhe im schweizerischen Davos und konnte in Ruhpolding gute Einheiten absolvieren. Dort feilte sie konsequent an technischen Details. Die Schießzeit, bei der sie mit den arrivierten Skijägerinnen nicht mithalten kann, ließ sie etwas außen vor. "Das hat mir viel gebracht", sagte Herrmann. So soll es auch am Samstag in der Staffel und am Sonntag im Massenstart weitergehen.

Vanessa Hinz knackte als 15. nach Herrmann und Preuß die WM-Norm. Enttäuschend verlief das Rennen derweil für die anderen vier Starterinnen: Janina Hettich wurde 39., Maren Hammerschmidt 48., Franziska Hildebrand 61. und Marion Deigentesch 68.

Vor allem für die routinierte Hildebrand wird es wohl immer schwieriger, ihren Weltcup-Startplatz zu verteidigen. Die 31-Jährige ist weit weg von der WM-Norm. "Wir setzen uns jetzt sicherlich zusammen und schauen dann, wie es weitergeht", sagte sie.

Am Freitag starten die Männer mit dem Sprint (14.30 Uhr/ARD und Eurosport) in den Heim-Weltcup. Die Schützlinge von Bundestrainer Mark Kirchner hoffen auf den zweiten Podestplatz der Saison nach dem Frankreich-Sprintsieg von Benedikt Doll.  (dpa)