merken

Freital

Erstes Rockkonzert am Porphyrfächer

Das geologische Denkmal ist eine einmalige Kulisse für eine besondere Band: The Flood vertont Texte von James Joyce.

Die Folkrock-Band The Flood aus Merseburg gastiert am Sonnabend am Porphyrfächer in Grund bei Mohorn.
Die Folkrock-Band The Flood aus Merseburg gastiert am Sonnabend am Porphyrfächer in Grund bei Mohorn. © PR/Michael Kops

Unter dem Namen „Fis“ gründeten vier junge Männer 1981 im feuchten Trockenraum eines Merseburger Plattenbaus eine Band, die im Osten Deutschlands, insbesondere in Studentenclubs, alsbald für Furore sorgte. 

Anzeige
Spannende Idee: Die mobile Fußballschule

Fußballprofi - ein Traum, der immer mit auf den Rasen läuft, wenn die Jüngsten zum Training oder Punktspiel antreten. Aber genügt dafür allein Talent? 

Nicht, weil sie sich mit Covern aktueller Hits dem Disco-Zeitgeist andienten. Fis spielte eigenen Folkrock in britischer Tradition, geschult an Jethro Tull oder Fairport Convention, mit Texten in deutscher und englischer Sprache, die vollkommen aus der Zeit gefallen schienen.

Das Quartett um den Gitarristen und Sänger Michael Kops, besetzt mit Flöten, Saxofon, Klavier, Orgel und Bass, vertonte Texte des irischen Nationaldichters James Joyce. Nicht den „Ulysses“ oder den „Dubliner“, sondern frühe Gedichte, die 1907 unter dem Titel „Chamber Music“, Kammermusik, erschienen waren. Da war Joyce noch sanfter und romantischer, er schrieb Verse „für junge Männer“, wie er sie bezeichnete, die er gern vertont gehört hätte, „von jemanden, der alte englische Musik kennt, so wie ich sie mag.“

Tatsächlich gibt es viele musikalische Adaptionen, selbst berühmte Rockmusiker wie Syd Barrett von Pink Floyd oder Steve Shelley von Sonic Youth ließen sich von der Joyceschen Lyrik inspirieren. In der DDR aber dürfte das Projekt von Fis einmalig gewesen sein. Dann kam die Wende. „Die Musiker brauchten 27 Jahre, um sich davon zu erholen“, sagt Michael Kops. Dann, sagt er, sei es Zeit für eine komplette Neubearbeitung der „Chamber Music“ gewesen.

Mit Gitarre, Gesang, Flöte, Saxofon, Klavier, Bass, Perkussion und Rezitation setzt die zum Sextett erweiterte Band, die sich jetzt „The Flood“ nennt, nach einem Gedicht von James Joyce, dem großen Dichter ein klingendes Denkmal. Nicht nur auf den Bühnen des Landes, sondern auch auf einem feinen Album, das es als Download oder als CD im Internet zu kaufen gibt.

Am Sonnabend gastiert The Flood am Porphyrfächer im Wilsdruffer Stadtteil Grund. Eingeladen vom Wilsdruffer Verein rock & more, erfährt das geologische Denkmal im Tharandter Wald so seine Weihe als Rockbühne, das für die Nachwelt in einem Film festgehalten werden soll. „Wir können uns nicht erinnern, das dort jemals ein Rockkonzert stattgefunden hat“, sagt Mitorganisator Andreas Däßler vom Verein.

An die Band kann er sich sehr wohl erinnern. Dreimal spielte The Flood bei der Rocknacht „am Nackschen Arsch“, wie das Gelände am einstigen Wilsdruffer Luftbad volkstümlich genannt wird. Die „Chamber Music“ war dort allerdings nur in Auszügen zu hören, dafür anderer Folkrock, „aber immer eigene Songs“, wie Michael Kops betont. Der 57-Jährige, der auch als Zeichner von Cartoons bekannt ist, gehört zur Urbesetzung, wie auch die Geschwister Thomas und Matthias Stolp, die noch immer dabei sind. Das wäre vielleicht auch der Bassist Mario Jacob, der 1998 bei einem Unfall starb. Mit Heiko Hendrich ist für ihn jetzt ein ehemaliger Thomaner dabei, Ruprecht Langer (Perkussion) und Thomas Müller (Rezitation) komplettieren die Band.

The Flood ist ein Freizeitprojekt, für das die sechs Männer jahrelang in einer alten Möbelfabrik in Schkeuditz probten, bis diese 2015 bei einem Brand zerstört wurde. Seitdem sind sie wieder Merseburger. Und vielleicht lag es an diesem Ortswechsel, dass sich die Band auf ihre Ursprünge besann, auf James Joyce, dessen Gedichte einst Michael Kops in Magdeburg in einer Buchhandlung kaufte, davon begeistert war und so den Stein ins Rollen brachte.

24.8., 19.30 Uhr, Porphyrfächer Grund, Eintritt 10 Euro.