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Erzgebirgshäusel zum Verlieben

Das Bergbaumuseum Altenberg zeigt ein ganzes Spielzeugdorf. Wer Lust hat, kann sich am Dienstag sein Lieblingshäusel selber bauen.

© Egbert Kamprath

Altenberg. Mal der Dorfkirche in Hermsdorf im Erzgebirge auf die Turmspitze schauen? Oder die Turmuhr der Sankt Katharinenkirche in Annaberg-Buchholz ganz nah in Augenschein nehmen? Wer glaubt, das ist nicht so einfach möglich, dem sei ein Besuch im Bergbaumuseum in Altenberg zu empfehlen. Dort ist quasi ein ganzes erzgebirgisches Dorf eingezogen – im Mini-Format.

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Das Bergbaumuseum zeigt noch bis zum 4. März in einer Sonderausstellung Exponate aus der Sammlung und Produktion von Roman Naumann aus Rechenberg-Bienenmühle. Diese sehen wie Spielzeughäuser aus, sind aber so detailgenau und im typisch erzgebirgischen Baustil gearbeitet, dass viele Besucher die Region sofort wiedererkennen. Und vielleicht entdecken sie sogar die Kirche aus ihrem Dorf oder den Dreiseithof vom Nachbarn wieder. Denn die Häuselmacher haben teilweise sogar die Originale maßstabgerecht nachgebaut. Und am Dienstag, dem 13. Februar, kommt Roman Naumann persönlich ins Bergbaumuseum. Er stellt nicht nur seine selten gewordene Handwerkskunst vor, sondern es besteht für Besucher die Möglichkeit, mit ihm selbst zu basteln. Er bringt einige Holzteile mit, aus denen sich Interessierte an diesem Tag ihr eigenes Häusel bauen können, verrät Museumsleiter Christoph Schröder.

Dabei war dieses Handwerk schon so gut wie von der Bildfläche verschwunden. „Seit in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts der letzte Häuselmacher im Erzgebirge sein Handwerk aufgab und 1972 der Beruf des Häuselmachers aus der Handwerkerrolle gestrichen wurde, ruhte eine alte erzgebirgische Tradition“, weiß Schröder. Dabei standen diese Produkte einst hoch im Kurs. „Aus Holz oder Pappe wurden früher erzgebirgstypische Häuschen hergestellt, die bemalt oder bedruckt und als Spielzeug verkauft wurden“, berichtet der Museumsleiter. Die Kinder konnten sich dann ihr eigenes Spielzeugdorf zusammenstellen und mit gedrechselten Figuren und Tieren aus der Reifendreherei komplettieren. Doch diese Tradition wurde überlagert von neuen Trends und neuen Produkten. Roman Naumann und sein Vater Reinmar aus Rechenberg-Bienenmühle sahen dann aber nach der Wende wieder die Zeit reif dafür und griffen die Tradition 1996 auf. Sie machten daraus eine Geschäftsidee und begannen mit der Fertigung von Holzhäuschen nach erzgebirgischem Vorbild, so Schröder. „Sie suchten ihre Vorlagen in markanten und typischen Hausformen des Erzgebirges, gestalten die Häuser aber mitunter auch in freier Fantasie.“ Dabei legten sie aber immer Wert darauf, die typische erzgebirgische Architektur darzustellen. Zunehmend fertigen sie auch Sondermodelle direkt nach Wünschen der Kunden.

Schon mehrfach waren die Häuselmacher zu Gast im Osterzgebirge und stellten ihre Arbeiten der Öffentlichkeit vor. Zuletzt waren sie im Bergbaumuseum vor gut vier Jahren. Nun kehrte Roman Naumann nach Altenberg zurück und zeigt Ausschnitte seiner in den letzten Jahren stark gewachsenen Sammlung an historischen Häusermodellen. Außerdem wird ein Querschnitt aus dem Schaffen der Firma Naumann Volkskunst aus Rechenberg-Bienenmühle mit der heutigen Vielfalt in der Häuselproduktion präsentiert. In Kooperation mit anderen erzgebirgischen Handwerksbetrieben entstehen darüber hinaus liebevoll gestaltete Pyramiden, Schwibbogen und Weihnachtsberge. (SZ/ks)