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Es fährt wieder ein Zug nach Kötzschenbroda

Der Bahnhof Radebeul-West hat seinen alten Namen zurück. Und damit ein Stück Identität.

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Von Birgit und Frank Andert

Der Akt an sich war wenig spektakulär. Ein paar Männer und Frauen in warmen Jacken hatten sich am Sonntag zu bester Mittagszeit auf dem Bahnhof in Radebeul-West versammelt und zogen gemeinsam ein gelbes Tuch vom Bahnsteig-Schild. Darunter kommt „Radebeul-Kötzschenbroda“ in weißen Buchstaben auf dunkelblauem Grund zum Vorschein. Und das ist dann doch so ziemlich historisch. Denn mit dem neuen alten Namen erhält der Bahnhof die Bezeichnung zurück, unter der er 1872 eingeweiht wurde.

„Ich finde es genial, dass der Bahnhof jetzt Radebeul-Kötzschenbroda heißt“, sagte Radebeuls OB Bert Wendsche (parteilos) am Sonntag zur offiziellen Enthüllung des Schildes. „Der Name des einst größten Radebeuler Stadtteils ist ja auch weit über die Stadtgrenzen hinweg bekannt und ist für seine Bürger ein Stück Identität.“ In der Tat hatte der „Kötzschenbroda-Express“ von Bully Buhlan nach dem Zweiten Weltkrieg dafür gesorgt, dass der Bahnhof Kötzschenbroda in ganz Deutschland bekannt wurde. „Verzeih’n Sie, mein Herr, fährt dieser Zug nach Kötzschenbroda?“ sang Bully Buhlan – und spielte damit wohl vor allem darauf an, dass von Mai 1945 bis April 1946 Züge aus Berlin nicht wie zuvor über die Niederwarthaer Brücke fahren konnten, da diese gesprengt war, sondern über Kötzschenbroda nach Dresden geleitet wurden.

Dabei hieß der Kötzschenbrodaer Bahnhof 1945/46 schon gar nicht mehr so. Der nach der Vereinigung von Kötzschenbroda mit Radebeul 1935 als „Bahnhof Radebeul-Kötzschenbroda“ geführte Bahnhof wurde schon 1941 umbenannt in „Bahnhof Radebeul-West“ und hieß dann für die nächsten 72 Jahre so. Im Zuge des S-Bahn-Ausbaus entstand im Rathaus der Wunsch, dem neuen Halt seinen alten Namen wiederzugeben. „Wir waren überrascht, wie einfach das ging“, sagte Wendsche. Die Anträge der Stadt bei Bahn und Verkehrsverbund Oberelbe fanden gleich offene Ohren. „Diese Umbenennung erleichtert nun Gästen und Besuchern die Orientierung“, unterstrich Burkhard Ehlen, Geschäftsführer des Verkehrsverbundes Oberelbe. „Für die Besucher von Altkötzschenbroda hat der nächstgelegene Haltepunkt jetzt den passenden Namen.“

Als eine der Ersten kam Annegret Reich mit ihrer Familie in den Genuss dieses Vorteils. Die Weinböhlaerin hatte mit Mann und Kind den Weihnachtsmarkt in Altkötzschenbroda besucht und findet den neuen Namen nicht schlecht. „Ost und West, das gibt es überall“, sagte sie, „aber Kötzschenbroda – da weiß man gleich, was man damit verbinden kann.“ Und auch die britische Touristin Rachel Gimson, die gerade auf ihren Zug wartete, findet den Namen „cool“. Obwohl er ja gerade für ausländische Zungen nicht ganz so leicht auszusprechen ist.

Während der neue alte Name ab sofort nicht nur auf dem Bahnsteig, sondern auch in allen Fahrplänen und in den Zügen der S-Bahn Dresden zu finden sein wird, prangt über dem Eingang zum Bahnhofsgebäude weiter in alten Lettern „Radebeul West“. „Wir befinden uns noch in den Kaufvertragsverhandlungen mit dem Eigentümer“, begründet Radebeuls Baubürgermeister Jörg Müller, warum die Stadt hier noch keinen Handlungsspielraum hat. „In diesem Jahr werden wir den Kaufvertrag nicht mehr unterschreiben“, so Müller. „Und wenn wir so weit sind, entscheidet der Stadtrat, wie es weitergeht.“