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Es fehlen schon die Grundlagen

Irgendwann soll jeder Schüler mit einem Tabletcomputer lernen. Der Weg dorthin ist weit und kostspielig.

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© Symbolfoto/dpa

Von Jens Hoyer

Döbeln. Für fünf Milliarden Euro will Bildungsministerin Johanna Wanka bis 2021 die Schulen digital aufrüsten. Das klingt nach viel Geld, aber ist es das auch? Fünf Milliarden Euro für 40 000 Schulen in Deutschland – das sind rein rechnerisch gerade mal 125 000 Euro pro Schule. Das ist allenfalls ein Anfang, meinen Michael Höhme, Leiter des Lessing-Gymnasiums, und Fachleiterin Ursula Kührig. Sie ist zuzusagen die Expertin für digitales Lernen und arbeitet in einer landesweiten Gruppe „Lernen und lehren mit Tablets“ mit. „Wir arbeiten im dritten Jahr und gehen in die Schulen und schauen uns dort die Bedingungen an“, sagte sie. Und genau bei den Bedingungen klemmt es bei vielen.

Das Lessing-Gymnasium steht vergleichsweise gut da. Seit der Sanierung des Haupthauses ist die „Zentrale“ an der Straße des Friedens fast durchgängig mit isogenannten interaktiven Tafeln ausgestattet, es gibt am Hauptstandort drei Computerkabinette und zwei am Körnerplatz. Die Schule hat einen Klassensatz Tabletcomputer und schafft gerade mit eigenem Geld weitere an. Die Bedingungen vor allem am Hauptstandort sind nicht schlecht. An anderen Schulen fehlt es schon an der Grundausstattung. Etwa einem leistungsfähigen WLAN, um den kabellosen Zugang ins Internet zu ermöglichen. „Das Geld reicht wahrscheinlich gerade, um überhaupt eine Basis zu schaffen. Es wird schnell weg sein“, meint Höhme.

Die Schwierigkeiten fangen schon vor der Türe an. Das Internet ist schlichtweg zu lahm, um eine komplette Schule mit Computerkabinetten, Rechnern der Lehrer und Verwaltung und vielleicht noch Tablet-Computern zu bedienen. Die 16  000er Leitung am Hauptstandort – schnell für Döbelner Verhältnisse – ist zu langsam. „Wir könnten das WLAN für die Schüler mit ihren Smartphones gar nicht freigeben und auch keinen Zugang für Gäste einrichten. Wenn sich alle gleichzeitig einloggen, würde es in Sekundenschnelle zusammenbrechen“, sagte Höhme. An der Körnerplatzschule ist die Datenrate noch geringer. Dort musste eine schnellere Datenfunkverbindung eingerichtet werden. Zumindest in Döbeln wird die Telekom den Ausbau des Datennetzes in den kommenden Wochen aber abschließen. Dann stehen bis zu 100 000 kBit/s zur Verfügung. Andere Orte können davon nur träumen.

„Wir müssen die Schüler auf Berufsleben vorbereiten. In jedem Büro steht heute ein Computer oder Tablet“, sagte Ursula Kührig. Sie lebt den Schülern das digitale Lehren und Lernen vor. Einen Papierkalender führt sie nicht mehr, und auch für schriftliche Notizen ist ihr Tablet gut. Langfristiges Ziel sei, dass jeder Schüler über einen Tabletcomputer verfügt, sagte Höhme. 16 hat die Schule schon, weitere sechs mit Zubehör werden gekauft. Die Schule nutzt dafür einen Gewinn aus einem Wettbewerb der Firma Samsung, bei dem es um die Anwendung der kleinen Rechner ging. Die Tablets werden an Lehrer herausgegeben, die an einer Fortbildung teilgenommen haben, sagte Ursula Kührig. Und das ist eine weitere Aufgabe der „Bildungsoffensive“, nämlich auch die Lehrer mitzunehmen in die digitale Wissenswelt.

Deren Zugang zu den digitalen Medien ist sehr unterschiedlich. Einige nutzen die interaktiven Tafeln mit ihren vielfältigen Möglichkeiten. Andere Lehrer schreiben nach wie vor auf das sogenannte „Whiteboard“, wie der Nachfolger der traditionellen Tafel heißt, erzählte Höhme. Die Lehrer mitzunehmen in die „digitale Wissensgesellschaft“, das wird auch eine Aufgabe der nächsten Jahre sein. „Wir wollen die Lehrer überzeugen, dass das nicht nur mehr Arbeit ist, sondern einen echten Mehrwert hat“, sagte Ursula Kührig. Wichtig sei die richtige Mischung aus traditionellem und modernem Unterricht. „Es ist für uns schwer zu akzeptieren, dass der Film das Buch überholt hat. Wir sind mit Büchern groß geworden“, sagte Höhme. Die Schulbuchverlage seien auf den Wandel vorbereitet. „Die warten nur darauf, dass die technische Infrastruktur entsteht.“