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Es geht wieder los

Sachsens größte Hochschule startet heute ins Sommersemester, und Dresden poliert seinen Ruf auf: als Studentenstadt.

Von Rafael Barth

Ein Glück für die Stadt, dass sie mehr hat als Barock und Hochkultur. Ob auf dem Campus im Süden oder in den Kneipen der Neustadt: Studenten gehören zum Dresdner Stammpersonal. Sie sind jung, vielseitig und vor allem sind sie viele: Etwa 45.000 künftige Akademiker beleben die Stadt. Das sind rund acht Prozent der Bewohner – mehr als in anderen deutschen Großstädten. Die meisten von ihnen starten heute ins Sommersemester: Gut 37.000 TU-Studenten schlendern und eilen wieder über das Gelände von Sachsens größter Hochschule. Reichlich 600 Leute starten ihr Studium. Und deshalb glänzt die Kulturmetropole an der Elbe zu Recht mit einem weiteren Titel: dem der Studentenstadt. Sechs Gründe, woran man das merkt.

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In Bussen und Bahnen wird der Platz knapp.

Irgendwie muss der Student aus der Wohnung in die Südvorstadt kommen, ob zum Campus der Hochschule für Technik und Wirtschaft oder der TU. Wer nicht Rad fährt, nimmt meist Bus und Straßenbahn. Von den gut 150 Millionen Fahrgästen pro Jahr sind laut den Dresdner Verkehrsbetrieben (DVB) etwa 15 Prozent Studenten. Besonders knapp wird der Platz in den Bahnen der Linie 3 und den Bussen der 61 zwischen Löbtau und Strehlen. Auf diesen Strecken schicken die DVB während der Vorlesungszeit mehr Wagen in die Spur, sogar zwei alte Tatra-Straßenbahnen rattern zum Campus. Seit Anfang März fahren zudem auf der sogenannten Studentenlinie 61 sowie auf der 62 sechs neue Busse. Die sind einen Meter länger als die alten, haben fünf statt vier Türen und einen lichtdurchlässigen Faltenbalg. Die Vorteile: Es geht schneller rein und raus, und mit 180 Fahrgästen passen etwa zwanzig Leute mehr hinein. Und drinnen ist es heller.

In die Bibliotheken kommt mehr Leben.

Sie müssen für Vorträge recherchieren, für Prüfungen lernen und Hausarbeiten schreiben. Deshalb kommen in den nächsten Wochen immer mehr Studenten zu den sechs Standorten der Sächsischen Landes-, Staats- und Universitätsbibliothek Dresden (Slub). Zählt das Haupthaus am Zelleschen Weg im Moment 3.500 Besucher am Tag, sind es zu Prüfungszeiten auch mal mehr als 8.000.

Allerdings entspannt sich die Lage im Vergleich zum Winter: Wenn das Wetter mitspielt, verlagern manche Studenten die Kopfarbeit auf die Wiese hinter der Slub. Haben sich im Oktober gut 5.000 Leser neu angemeldet, waren es zu Beginn des letzten Sommersemesters knapp 1.000. Den Neuen erklären Bibliotheksmitarbeiter in speziellen Schulungen, wie sie die richtigen Bücher, elektronische Zeitschriften und Datenbanken finden.

Für viele Jobs gibt es mehr Arbeitskräfte.

Sie bespaßen Kinder anderer Leute, schleppen fremde Umzugskartons und reichen den Kneipengängern das Bier: Studenten sind als günstige Arbeitskräfte beliebt. In Dresden beginnt der Stundenlohn bei etwa sieben Euro für Botengänge und Büroputz. Andererseits zahlen Computerfirmen Programmierern vom Campus bis zu 30 Euro, erzählt Christian Gottschild von der Studentischen Arbeitsvermittlung (Stav). Der Verein sammelt Arbeitsofferten von Unternehmen und Privatleuten und vermittelt gebührenfrei jeden Monat etwa hundert Jobs an Studenten.

Ob Vorlesungszeit ist oder nicht, merkt Gottschild kaum bei Angebot und Nachfrage. „Dem Arbeitgeber ist es egal, ob der Student Ferien hat oder nicht – die Arbeit ist da.“ Dass der Campus wieder wimmelt vor Leuten, merken hingegen die zehn Vermittler der Stav. Sie müssen mehr Fragen beantworten zu Minijob-Regeln, Lohnsteuerkarten und Krankenkassenbürokratie.

www.stav-dresden.de

Die Mensen kochen doppelt so viele Portionen.

So flott und preiswert bekommt der Student sonst kaum etwas zu essen: Die elf Dresdner Mensen verkaufen vom Blattsalat bis zur Schweinshaxe fast alles. Und das in großen Mengen: Etwa 17.500 Portionen gehen pro Tag über die Theken; in der Semesterpause sind es halb so viele. In den vergangenen Wochen gab es zum Beispiel in der Neuen Mensa ein Essen weniger, und die obere Etage in der Mensa Reichenbachstraße blieb komplett dicht.

Die Köche rühren und braten nicht bloß für Studenten und Forscher: In die Mensa kann jeder kommen, wenn der Magen knurrt. Für Schnitzel mit Pommes zahlen Studenten in der Neuen Mensa zwei Euro, Gäste von außerhalb fünf Euro.

Die Parkplätze und Radbügel sind voll besetzt.

Wer in der Südvorstadt wohnt und das Auto abstellen will, sucht nun wieder länger nach einem freien Fleck. Besonders in der Hauptvorlesungszeit zwischen 9 und 15 Uhr ist das Gerangel um die Stellplätze groß. Deutschlandweit fährt rund ein Drittel der Studenten ein eigenes Auto, besagt die Statistik des Studentenwerks. Anders als etwa in der Neustadt sind die Straßen zwischen Hauptbahnhof und Nürnberger Platz nicht für Anwohner reserviert.

Aber auch Radfahrer müssen manchmal suchen, bevor sie ihr Gefährt abstellen können. Besonders am Hörsaalzentrum und der Uni-Bibliothek Slub werden die Radbügel rar.

Die Partymaschine heult auf.

Manche nennen das Studium die schönste Zeit des Lebens und denken dabei kaum an überfüllte Hörsäle und fiese Prüfungen. Nun lassen die gestrafften Studiengänge auch nicht mehr viel Zeit zum Abhängen. Und doch wären ohne Studenten manche Dresdner Biergärten, Kneipen und Klubs nur halb voll. Viele davon locken den Nachwuchs mit Schnäppchen und begrüßen das neue Semester mit einer Party, zum Beispiel am Donnerstag der Club Mensa an der Reichenbachstraße. Ein Gin Tonic kostet dort 2,40 Euro.

Bis zu den großen Events dauert es noch eine Weile. Während der Studententage im Mai rockt der Band-Wettstreit Uni Air zum zehnten Mal den Campus. Die sogenannte Nachtwanderung führt Tausende Studis durch Klubs und Kneipen. Und die Campusparty, die in den vergangenen Jahren mit famosen Künstlern wie Mia oder Wir sind Helden auftrumpfte, steigt am 4. Juni. Welche Bands diesmal spielen, wird bald verraten.