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Es grünt so Grün

Auf einer Kreuzung prallen ein Auto und ein Motorrad zusammen. Beide Fahrer wollen Grün gehabt haben.

© Claudia Hübschmann

Von Jürgen Müller

Grün ist die Farbe der Hoffnung, und diese Hoffnung hat auch ein heute 25 Jahre alter Mann aus Nossen. Der wurde bei einem Verkehrsunfall in Meißen als Motorradfahrer schwer verletzt, hat bleibende Schäden erlitten, kann seinen Beruf nicht mehr ausüben. Die Versicherung des Unfallgegners hat bisher nur einen Bruchteil der Schäden ersetzt. Denn man streitet seit Jahren erbittert vor Gericht. Sowohl der Autofahrer als auch der Motorradfahrer wollen Grün gehabt haben, als sie am 12. Mai 2012 die Ampelkreuzung in Korbitz befahren. Der heute 79 Jahre alte Autofahrer will nach links abbiegen, der Motorradfahrer kommt aus Richtung Görna und will geradeaus fahren. „Ich hatte Grün, war ja fast schon rum, als es hinten plötzlich krachte“, sagt der Autofahrer, der wegen Körperverletzung vor Gericht sitzt. Einen Motorradfahrer habe er nicht gesehen. Es sei sehr sonnig gewesen an jenem Tag, die Sonne sei aber für ihn von hinten gekommen. Der Motorradfahrer sei wohl geblendet worden, behauptet der Meißner. „Ich fühle mich nicht schuldig“, sagt er mehrfach.

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Das sagt auch der Motorradfahrer. Als er in Höhe der Schallschutzwände gewesen sei, habe die Ampel Rot gezeigt. Daraufhin habe er leicht abgebremst. Als die Ampel auf Grün umschaltete, habe er dann wieder Gas gegeben und auf die dort erlaubten 70 Kilometer pro Stunde beschleunigt. „Ich habe das Auto gesehen, es stand an der Haltelinie, fuhr plötzlich los. Ich habe noch gebremst, aber da war es schon zu spät“, schildert er den Unfallhergang aus seiner Sicht. Die Fahrweise des Angeklagten beschreibt er als langsam und unsicher.

Der Unfall hat für den Motorradfahrer schlimme Folgen. Sein Zweirad ist Schrott, doch viel schlimmer sind die gesundheitlichen Schäden. Die werden in der Notaufnahme der Meißner Elblandklinik zunächst nicht erkannt. Dort wird nur eine Platzwunde genäht. „Obwohl ich nicht laufen konnte, wurde ich nach Hause geschickt“, sagt der Nossener. Erst viel später stellt sich heraus, dass er einen Kreuzband-riss erlitt. Er wird operiert, ist lange krank, hat heute noch Probleme, kann in seinem Beruf nicht mehr arbeiten.

Den Wert seines Motorrads beziffert er auf 3 000 bis 5 000 Euro. Zudem hat er gegen den Angeklagten Schadensersatz- und Schmerzensgeldansprüche in Höhe von 30 000 Euro gestellt. Gezahlt hat dessen Versicherung bisher gerade mal 2 000 Euro. Ein technischer Sachverständiger stellt in seinem Gutachten fest, dass die Ampelregelung in Ordnung war. Dass beide zur gleichen Zeit Grün gehabt haben, kann der Gutachter ausschließen. Selbst wenn es so gewesen wäre, wäre der Angeklagte als Linksabbieger wartepflichtig gewesen. Die Schilderungen des Motorradfahrers seien schlüssig, passten mit der Ampelreglung überein.

Ein Freispruch, wie ihn sich die Verteidigerin vorstellte, ist damit hinfällig, aber auch eine Einstellung des Verfahrens wegen „geringer Schuld“ scheidet wegen der schwerwiegenden Folgen für den Motorradfahrer aus. Richter Michael Falk verurteilt den Angeklagten zu einer moderaten Geldstrafe von 600 Euro. Doch auf die Höhe kommt es in diesem Fall gar nicht an, wichtig ist, dass er überhaupt verurteilt wurde. So kommt der Motorradfahrer nach drei Jahren vielleicht doch an sein Geld. Seine Gesundheit ist damit aber nicht zu ersetzen.