merken

Es hagelt Einwände zur Meißner Straße

Wenige Monate vor dem Baubeginn wird heiß diskutiert. Die Behörde sagt, warum was wie gebaut werden soll.

© Norbert Millauer

Von Nina Schirmer

Radebeul. Rund 16 000 Fahrzeuge rollen werktags über die Meißner Straße in Radebeul-Mitte. Diese Zahl ist alt, 2012 wurde sie gemessen. Es dürften heute mehr sein und noch mehr werden. Davon geht die Landesdirektion Sachsen aus, die alles genehmigen muss, was im nächsten Jahr starten soll. Zwischen Dr.-Külz- und Rennerbergstraße schleicht die Straßenbahn, holpern die Autos. Der Abschnitt wurde x-mal geflickt, ebenso die Bahngleise. Ende August hat die Behörde Baurecht erteilt. Jetzt ist der Planfeststellungsbeschluss auch öffentlich einsehbar. Auf 80 Seiten erläutert die Landesdirektion, wie der Straßenabschnitt saniert werden soll, was nicht jedem gefällt.

Anzeige
Sachsen entdecken und erleben
Sachsen entdecken und erleben

Lernen Sie unbekannte Orte der Region kennen - wir geben Ihnen Insidertipps um die Schönheit und Einzigartigkeit Sachsens neu zu entdecken.

Vier Fahrbahnstreifen: Anwohner kritisieren Verbreiterung der Straße

Unnötig und nachteilig bezeichnet ein Anwohner den vierspurigen Ausbau und steht mit dieser Meinung nicht alleine da. Zur Verbreiterung der Straße gibt es mehrere Einwände. Vor allem deshalb, weil manche Anwohner dafür Teile ihrer Grundstücke hergeben müssen. Die Landesdirektion weist die Einsprüche zurück. Die geplante Straßenbreite sei nötig, damit auf jeder Seite eine vollwertige Fahrbahn neben den Gleisen entstehen kann und Kfz und Straßenbahnen sich nicht gegenseitig ausbremsen, so die Behörde. Wer jetzt hier die Bahn überholen will, riskiert eine Kollision. Künftig soll das möglich sein, weil die Autospur dann breiter ist. Auch sollen die Pkws die Gleisspur mit nutzen. Doch Anwohner glauben nicht an eine Verbesserung, weil die Straße vor und hinter dem 860 Meter langen Abschnitt schmaler ist.

Verschiebung der Haltestelle: Weg zum Ärzte- und Krankenhaus wird länger

Mit der geplanten Verlegung der Haltestelle Zillerstraße um rund hundert Meter nach Osten sind auch manche nicht einverstanden. Sie kritisieren, dass der Weg zum Kranken- und zum Ärztehaus dann noch weiter wird. Die Landesdirektion erklärt dazu, durch die Verschiebung der Haltestelle könne der notwendige Grunderwerb geringer gehalten werden. In Zukunft liege die Haltestelle Dr.-Külz-Straße mit 600 Metern Entfernung am nächsten am Krankenhauseingang. Beide Haltestellen würden für Behinderte und eingeschränkte Personen verbessert, etwa durch barrierefreie Zustiege und Ampelübergänge.

Radfahrer und Fußgänger: Sorge um Sicherheit der Nicht-Motorisierten

Zu den Einwendern gehört auch die Radebeuler Ortsgruppe des BUND. Sie fordert, separate hochgelegte Radverkehrsstreifen, weil ein Radstreifen auf der Fahrbahn nicht sicher genug sei. Die Landesdirektion lehnt diesen Vorschlag jedoch ab mit der Begründung, dass ein Radschutzstreifen ein anerkanntes Mittel sei und bei allen anderen Varianten die Straße noch breiter werden müsste, was wiederum noch größere Eingriffe in die Grundstücke mit sich brächte. Auch die Einwände des ADFC Sachsen werden zurückgewiesen. Der Fahrradclub hatte unter anderem Inseln in der Mitte der Fahrbahn gefordert, die Fußgängern das Überqueren erleichtern. Der Straßenquerschnitt würde sich dadurch um mindestens drei Meter verbreitern, begründet die Landesdirektion ihre Ablehnung.

Verlust: Hausbesitzer fürchten, dass Wert ihrer Gebäude sinkt

Mehr Lärm und höhere Luftverschmutzung – damit rechnen viele Anwohner, wenn die Straße näher an ihre Häuser heranrückt. Besitzer befürchten sogar, dass der Wert ihres Gebäudes dadurch sinkt. Die Landesdirektion geht jedoch davon aus, dass sich die Lärmimmission durch glatten Asphalt und neue Gleise verbessert. Auch Erschütterungen in den Häusern seien dann weniger zu spüren. Die zulässigen Grenzwerte für Feinstaub würden auch nach dem Ausbau noch weit unterschritten, heißt es. Insgesamt rechnet die Landesdirektion damit, dass sich die Wohnqualität an der Straße sogar verbessert.

Denkmalschutz: Historische Mauern und Zäune müssen versetzt werden

Weil die Straße breiter wird, müssen auch Mauern weichen, die zum Teil unter Denkmalschutz stehen. Einige Einwohner wollen das nicht hinnehmen und fordern, auf eine Verbreiterung der Straße zu verzichten. Die Landesdirektion geht darauf jedoch nicht ein. Einfriedungen, die versetzt werden müssen, will sie denkmalgerecht mit dem vorhandenen Material wieder aufbauen lassen. Das betrifft zum Beispiel den schmiedeeisernen Zaun der Kita Rasselbande, der originalgetreu wieder aufgestellt werden soll.