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„Es ist fünf nach zwölf“

Die Not in Sachsens Klassenzimmern wird größer: Nicht alle offenen Stellen konnten zum 1. Februar besetzt werden - obwohl die Zahl der Seiteneinsteiger in den Lehrerberuf eine neue Rekordmarke erreicht.

© Robert Michael

Dresden. In sächsischen Klassenzimmern fehlen auch nach dem Ende der Winterferien viele Lehrer. Wie das Kultusministerium am Mittwoch bekanntgab, konnten zum 1. Februar lediglich 622 von 660 offenen Lehrerstellen neu besetzt werden. Gleichzeitig stieg die Zahl der neu eingestellten Seiteneintsteiger in den Lehrerberuf auf einen neuen Rekordstand. Während lediglich 237 Stellen mit ausgebildeten Lehrkräften besetzt werden konnten, wurden 385 Stellen von Seiteneinsteigern übernommen. Deren Anteil an dem zum Stichtag erfolgten Neueinstellung in den sächsischen Schuldienst steig damit auf rund 62 Prozent. Vor einem Jahr lag dieser Wert noch bei nur 30 Prozent.

Laut dem Kultusministerium hatten sich immerhin rund 2 100 Personen auf die offenen Stellen beworben. Allerdings hätten vor allem ausgebildete Lehrkräfte ihre Bewerbung später wieder zurückgezogen. Experten gehen davon aus, dass diese Entwicklung den Druck auf eine künftige Lehrerverbeamtung im Freistaat weiter erhöht. Im Gespräch ist weiterhin eine fünfjährige Testphase, in der neu eingestellten Lehrkräften auch im Bundesland Sachsen die Verbeamtung angeboten wird. Allerdings verhandeln die beiden Koalitionspartner CDU und SPD bisher ergebnislos über die Details eines solchen Konzepts. Vor allem die sächsische SPD hat weiterhin Vorbehalte gegen eine Verbeamtung von Lehrern.

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Sachsens Kultusminister Christian Piwarz (CDU) nannte das aktuelle Einstellungsergebnis „ernüchternd“. Auch er habe große Sorgen angesichts des hohen Anteils von Seiteneinsteigern. „So sehr ich die Expertise der Seiteneinsteiger schätze und dankbar bin, dass wir die neuen Kolleginnen und Kollegen an den Schulen haben, es muss aber unser Ziel sein, die freien Stellen mit denjenigen zu besetzen, die dafür ausgebildet wurden. Wir müssen Neulehrern dringend ein besseres Angebot unterbreiten und ältere Lehrkräfte mit finanziellen Anreizen und Entlastungen zusätzliche Motivation verschaffen. Es ist fünf nach zwölf.“

Ein entsprechendes Maßnahmepaket zur Bekämpfung des Lehrermangels hatte die neue sächsische Landesregierung unter Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) bereits für Ende Januar angekündigt. Seitdem gilt als offen, ob und wann es noch zu einer entsprechenden Einigung innerhalb der Dresdner Regierungskoalition kommt. (SZ/gs)

Stellenneubesetzungen im Einzelnen: Von den 660 freien Stellen konnten an sächsischen Schulen besetzt werden:

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