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Es knattert in Neusalz

© Matthias Weber

Gerd Bierbaum lädt zum ersten Oldtimertreffen ins Oberland ein – mit Benzingesprächen und mehr.

Von Gabriela Lachnit

Neusalza-Spremberg. Eigentlich schließt Gerd Bierbaum sein Geschäft sonnabends nicht auf. Am 21. Juli macht er aber eine Ausnahme. Der Inhaber des Motorrad-Oldtimer-Service in Neusalza-Spremberg lädt von 9 bis 16 Uhr zum Oldtimertreffen ein. Dabei sind sowohl alte Fahrzeuge auf zwei als auch auf vier Rädern willkommen. Der Parkplatz vor dem Geschäft in der Bahnhofstraße ist groß genug für viele Oldtimer. „Hier können sich die Fans von alten Fahrzeugen treffen, gucken, was andere machen, und natürlich Kontakte knüpfen, sogenannte Benzingespräche führen“, sagt Bierbaum. Damit so richtig Atmosphäre aufkommt, gibt es etwas Gegrilltes und Brause frisch vom Fass. Das Geschäft ist geöffnet.

„Wer sich auf den Weg ins Oberland macht, hat viel davon“, meint Bierbaum, der selbst gern mit einem Oldtimer unterwegs ist. Es sei ein unbeschreibliches Gefühl, mit einem selbst restaurierten Oldtimer durch die schöne Heimat zu fahren, schwärmt er. Wie er, seine Frau und Sohn Markus fahren immer mehr Leute auf die alten Maschinen ab. In so mancher Scheune werde noch immer ein altes Gefährt entdeckt, das einen Liebhaber findet, der es restaurieren will. Da die Nachfrage nach Ersatzteilen von Motorrädern der Marke MZ immer größer wird, bietet Bierbaum auch diese an. Das steckt noch in den Kinderschuhen, aber der Anfang ist gemacht. Ansonsten beschäftigen sich die drei fest angestellten Mitarbeiter und eine Stundenkraft mit dem Verkauf von Ersatzteilen für Motorräder ab Baujahr 1945 der Marken AWO, EMW, BK, RT, IWL und andere.

Vor zehn Jahren hat sich der gelernte Werkzeugmacher Gerd Bierbaum selbstständig gemacht. Die Faszination an der Technik ließ ihn dieses Wagnis eingehen. Sohn Markus hat er damit bald angesteckt. Er arbeitet in der Firma mit. Gerd Bierbaum erzählt: „Motorräder waren in der Nachkriegszeit ein wichtiges und beliebtes Fortbewegungsmittel. Die heute in die Jahre gekommenen Oldtimer gehören jetzt zum schützenswerten Kulturgut der ehemaligen DDR und somit zur Bewahrung deutscher Geschichte.“ Das und sein zehnjähriges Firmenjubiläum brachten ihn jetzt auf die Idee, ein Oldtimertreffen in Neusalza-Spremberg zu veranstalten.

Seit einem knappen Jahr befindet sich der Firmensitz in der Bahnhofstraße in Neusalza-Spremberg. Der Oldtimer-Experte hat die ehemalige Penny-Kaufhalle von der Stadt Neusalza-Spremberg erworben und für seine Zwecke umgebaut. Die große Halle ließ sich gut gestalten, sagt er. Nur wenig erinnert in dem Gebäude heute noch an dessen Vergangenheit als Penny-Markt. „Es war in sehr gutem Zustand“, sagt Bierbaum. Dennoch gab es einige Veränderungen, darunter eine neue Heizung, neue Sanitäranlagen, neuen Fußboden im Büro, alles wurde frisch gemalert, und das Gebäude hat jetzt ein paar Fenster mehr als vorher. Vor allem aber hat der Firmenchef in Sicherheit investiert. Angesichts der täglichen Polizeiberichte über Einbrüche und Diebstähle im Oberland sei das äußerst wichtig. Gitter vor den Fenstern, Überwachungskameras und noch etliches mehr hat der Chef einbauen lassen.

Mittlerweile hat sich das Team am neuen Arbeitsort gut eingelebt. Die Arbeitsbedingungen sind sehr gut, die Kunden nehmen den Laden an. Aber nicht jeder Kunde erfüllt seine Wünsche nach Teilen für Motorrad-Oldtimer tatsächlich direkt im Laden. Bierbaum vertreibt die Ersatzteile auch über das Internet. So ist es kein Wunder, dass er Kunden in aller Welt hat. Darunter in Thailand, Russland, Belgien, Österreich und sogar in Brasilien. „Man muss staunen, dass zum Beispiel in Brasilien jemand eine MZ fährt“, erzählt der Motorrad-Fan. Ein Kanadier habe für eine AWO etwas bestellt, obwohl die Fahrzeuge Bierbaums Kenntnis nach dorthin gar nicht exportiert worden sind.

Mit dem Internethandel weckt Bierbaum auch das Interesse für Neusalza-Spremberg und das Oberland. So mancher Kunde im fernen Ausland habe bereits wissen wollen, in welcher Region er eigentlich bestellt. „Aber als Tourist aus der weiten Welt, der wegen uns auf die Region aufmerksam geworden ist, hat sich hier noch niemand geoutet“, sagt Bierbaum. Allerdings käme es öfter vor, dass Oldtimer-Freunde Ersatzteile in Neusalza-Spremberg abholen und das mit ein paar Tagen Kurzurlaub im Zittauer Gebirge verbinden.