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Es könnte losgehen

Die Bürgerstiftung legt einen Traumstart hin. Doch zum Aufbau der Jahnhalle muss sie noch eine Hürde nehmen.

© Claudia Hübschmann

Von Peter Anderson

Meißen. Plan übererfüllt ist noch untertrieben. Das Kapital der Meißner Bürgerstiftung beläuft sich derzeit auf 20 320 Euro. 30 Stifter haben es zusammengetragen. „Ursprünglich hatten wir schon gebangt, ob wir es schaffen, die 10 000 Euro zu erreichen“, sagt Ina Hess vom Stiftungsrat. Zur Gründung Ende Oktober seien rund eine Handvoll Meißner überraschend zu den bereits bekannten Namen hinzugestoßen. Ein Glücksfall, vor allem wohl aber ein Zeichen für die große Resonanz, welche die Stiftung aus dem Stand für ihr erstes großen Vorhaben erfahren hat.

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Das Ziel der Stifter, die Stadt in Bewegung zu setzen, gegen den Stillstand auf einigen Gebieten anzukämpfen, soll ganz praktisch mit dem Wiederaufbau der Jahnhalle angegangen werden. Seit Jahren verfällt das Denkmal auf dem Jüdenberg. Zusammen mit dem Hamburger Hof ist es eines der letzten unsanierten Großbauwerke in der Stadt. Die Meißner Bürgerstiftung möchte das traditionsreiche Gebäude gern für die Meißner herrichten, es als Freiraum für alle Bürger öffnen, die sich sowohl körperlich als auch geistig gern bewegen.

Damit stehen die Stifter von heute in vollem Einklang mit den Gründern von einst. In ganz Meißen dürfte sich kaum ein besseres Beispiel für bürgerschaftliches Engagement finden lassen. Der Hallenbau erwuchs aus einem schmerzlich empfundenen Mangel. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts trainierten die Meißner entweder auf dem Boden der Franziskaner-Klosterkirche oder in Gasthaussälen. 1895 gelang es mithilfe vieler Bürger, ein großes Grundstück auf dem Jüdenberg zu erwerben. In nur sechs Monaten entstand mit der Jahnhalle eine neue, eigene Sportstätte für den Turnverein „Frisch Auf“.

„Unsere Bewerbung für das Areal haben wir eingereicht“, sagt Stiftungsrat und Malermeister Bill Quaas. Es gebe wohl noch mindestens einen weiteren Interessenten. Die Stiftung setze weiterhin darauf, die gesamte Immobilie zusammen mit Bau-Unternehmer Uwe Riße aus Klipphausen zu entwickeln. Kommerzielle Nutzung und ideelle Projekte sollen Hand in Hand gehen. Ein Ansatz, der deutlich erfolgversprechender klingt als die wenig plausible und gescheiterte Idee, die Halle in eine Trainingsstätte für den Dynamo-Fußballclub Meißen umzuwandeln. Von den Stadträten, mit denen man Kontakt pflege, gebe es jedenfalls ein positives Feedback, heißt es aus dem Bürgerstiftungsrat.

Das Rathaus selbst hält sich bedeckt und verweist auf das laufende Verfahren. „Deshalb kann ich Ihnen zum jetzigen Zeitpunkt keine weitergehenden Informationen zur Anzahl der Bewerber und der Bewerber selbst geben“, schreibt Sprecher Philipp Maurer. Gegenwärtig werde die Frage über den Verkauf des Areals für die Beratungsfolge im Frühjahr 2017 vorbereitet. Nach dem Kenntnisstand der Stadt sei die Halle winterfest. Witterungsbedingte Schäden wären nicht zu erwarten.

Die Stiftung will die nächsten Wochen und Monate bis zu einem Beschluss des Stadtrats nicht ungenutzt verstreichen werden. „Wir sind mit sehr viel Energie dabei, den Stiftungsgedanken mit Leben zu erfüllen“, sagt Ina Hess. Ein einheitliches Design für Werbeaktionen, Flugblätter und Internetseite werde erarbeitet. Für den 8. April ist ein Bewegungsfest geplant, das vom Markt ausgehend die Bürger ermuntern soll, gemeinsam die Muskeln spielen zu lassen, den Gleichgewichtssinn zu trainieren und neue Formen des Vorwärtskommens auszuprobieren. Eigenen Angaben zufolge kann die Stiftung dazu auf rund 120 Unterstützer in einem weit gespannten Freundeskreis zurückgreifen. Arbeitsgemeinschaften bereiten weitere Aktionen vor, Kontakte zu ähnlichen Projekten in Basel und Frankfurt sind geknüpft.