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Es läuft rund

Vor zehn Jahren übernahm Marco Bretschneider in Eibau ein Fahrrad-Traditionsgeschäft. Seitdem hat sich viel verändert.

© Rafael Sampedro

Von Romy Altmann-Kühr

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Eibau. Das Gerüst ist endlich weg. „Pünktlich zum Zehnjährigen“, freut sich Marco Bretschneider. Anfang des Monats hat er das Jubiläum seines Ladens Radsport Oberlausitz in Eibau begangen. Und zu diesem Anlass ist die Sanierung des denkmalgeschützten Gebäudes an der Hauptstraße von außen fertig geworden. In dem großen Fachwerkhaus direkt neben dem Faktorenhof ist aber schon viel länger ein Fahrradladen. Vor über 30 Jahren wurde von Bretschneiders Vorgänger in Eibau „Radsport Rößler“ gegründet, 1995 zog das Geschäft an den Faktorenhof – ein bekannter Name in Eibau und Umgebung. Der gelernte Bautischler Bretschneider fing 2001 bei seinem Vorgänger als Angestellter an – und machte damit sein Hobby zum Beruf. „Ich war früher aktiver Radsportler“, erzählt der 45-jährige Eibauer. Selbst an Fahrrädern geschraubt habe er deshalb schon immer. Nun konnte er das auch beruflich. Die Option, das Geschäft zu übernehmen, bestand schon damals. Mit der Übernahme 2008 machte er sich auch daran, das Fachwerkhaus zu sanieren. Von außen ist es nun schick. Auch innen geht es voran. Im Frühjahr will er mit Ehefrau und Sohn im Obergeschoss einziehen.

In dieser Zeit hat er auch das denkmalgeschützte Fachwerkhaus saniert.
In dieser Zeit hat er auch das denkmalgeschützte Fachwerkhaus saniert. © Rafael Sampedro

Seit dem Start in die Selbstständigkeit haben Bretschneiders – Ehefrau Jacqueline arbeitet im Geschäft mit – spannende Entwicklungen mitgemacht. Eine richtige Hauptsaison gibt es im Fahrradhandel mittlerweile nicht mehr, so Jacqueline Bretschneider. Das Geschäft sei sehr wetterabhängig. Früher sei es so gewesen, dass der Hauptansturm auf die Fahrradläden tatsächlich im Frühjahr stattfand. „Aber wenn die Winter so sind wie dieser, fahren die Leute auch durchgängig mit dem Rad.“ Liegt hingegen lange Schnee, sieht es für die Fahrradhändler düster aus. Verändert haben sich auch die Ansprüche der Radfahrer, stellen Bretschneiders fest. Der klassische Radbereich – also ganz „normale“ Fahrräder seien immer weniger gefragt. „Auch die Älteren sind heute viel sportlicher, bewegen sich mehr als früher, fahren zum Beispiel Mountainbike“, erzählt Marco Bretschneider. Die Nachfrage nach E-Bikes sei enorm gestiegen, umreißt der Eibauer die Entwicklung. Zehn Jahre sind in Zeiten, in denen der Online-Handel immer stärker wird, für ein Fachgeschäft eine lange Zeit, findet Marco Bretschneider. Denn das Internet, das gibt er offen zu, ist sein größter Konkurrent. „Dabei verstehe ich die Leute teilweise sogar“, sagt er. Sie arbeiten viel, kommen spät nach Hause und haben dann keine Möglichkeit mehr, in einen Laden zu gehen, sondern shoppen bequem vom Sofa aus. „Genau das macht aber die kleinen Läden kaputt. Und dann beklagen sich die Leute, dass es auf den Dörfern nichts mehr gibt“, beschreibt er den Kreislauf. Eine positive Entwicklung sieht Bretschneider darin, dass sich der Fachhandel gegen Billiganbieter durchgesetzt hat. Eine Zeit lang habe es Fahrräder auch in Baumärkten und Discountern gegeben. „Das ist wieder zurückgegangen“, stellt er fest.

Er freut sich umso mehr, dass er viele Stammkunden hat. Die kommen sogar aus dem Raum Görlitz und Niesky. Dafür steht er aber auch an vielen Wochenenden auf Messen und Veranstaltungen. „Nicht, um etwas zu verkaufen, sondern, um uns zu präsentieren.“ Die O-See-Challenge ist so ein Event, bei dem Bretschneiders nicht mehr fehlen. Radsport Oberlausitz ist offizieller Servicepartner. Bretschneider repariert, wenn im Wettkampf etwas kaputt geht. Und der Fachmann überprüft die Fahrräder der Teilnehmer vor dem Wettkampf. Die Sportgeräte müssen bestimmte Kriterien einhalten. Auch beim Familientag im Querxenland oder beim Haus’n-Kegeln in Ruppersdorf sind Bretschneiders immer präsent. Das nächste Event ist die Messe „Sport frei“ im Mai in Löbau.

Eine große Fete zum Jubiläum gibt es jetzt erst einmal nicht. Auch Geschenke erwarten Bretschneiders nicht – obwohl der eine oder andere Stammkunde schon mit einem Blumenstrauß vorbeikam. Der Fahrradhändler und seine Frau freuen sich viel mehr, wenn Kunden und Geschäftspartner statt eines Geschenks Geld spenden – und zwar an den Verein Sonnenstrahl in Dresden. Der Verein kümmert sich um krebskranke Kinder und deren Familien. Auch Bretschneiders unterstützen Sonnenstrahl, da sie selbst schon mit ihrem Sohn die Hilfe in Anspruch nehmen mussten. „Wir haben etliche Partner dazu bewogen, zum Beispiel zu Weihnachten das Geld für Präsente zu sparen und stattdessen an den Verein zu spenden“, erzählt Frau Bretschneider. „Das freut uns sehr.“ Im Laden steht außerdem eine Spendenbox für Sonnenstrahl. „Es ist mitunter sehr ergreifend, wie viel unsere Kunden dort reinstecken. Auch diejenigen, die selbst nicht so viel haben.“