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„Es locken die Preise, nicht der Preis“

Bei den Kochsternstunden gibt es nicht nur spezielle Menüs. Initiator Clemens Lutz erklärt die Aktion der Gastronomen.

© Sven Ellger

Von Nadja Laske

365 Tage für Patienten da

Die Dresdner City-Apotheken bieten mehr, als nur Medikamente zu verkaufen. Das hat auch mit besonderen Erfahrungen zu tun. Was, wenn Sonntagmorgen plötzlich der Kopf dröhnt oder die Jüngste Läuse mit nach Hause gebracht hat?

Kreischa/Pirna. Die Sternstunde kam vorm Kochen. Damals als Clemens Lutz und Marlen Buder sich kennenlernten. Die beiden wurden ein Paar und sahen auch in ihren Jobs die Chance, Wege gemeinsam zu gehen – sie als Marketingexpertin, er als gastronomischer Quereinsteiger mit eigenem Restaurant. Das hat der diplomierte Architekt inzwischen nicht mehr. Dafür sind der
47-Jährige und seine Frau als die Macher der Kochsternstunden bekannt, die auch in Pirna und Kreischa halt machen. Die Aktion gibt es seit zehn Jahren. Aus diesem Anlass spricht Clemens Lutz über die Idee von einst, den aktuellen Boom und darüber, was die Kochsternstunden nie sein sollen.

Was sind die Kochsternstunden denn überhaupt, Herr Lutz?

Vor allem ein Angebot an die Gastronomen. Wir beleben mit den Kochsternstunden die umsatzschwächste Zeit im Jahr. Jüngst hörte ich den Satz: Neben Weihnachten sind die Kochsternstunden die beste Saison des Jahres. Wenn das ein Gastronom sagt, haben wir doch viel erreicht.

Wie funktioniert Ihr Angebot?

Gastronomen kreieren ein Extra-Menü und bieten es während der Dauer der Kochsternstunden in ihren Restaurants an. Gäste, die sich dafür entscheiden, bewerten es danach und haben damit die Chance, Preise von insgesamt 20 000 Euro zu gewinnen.

Was lockt die Gäste am meisten – das Essen, die Gewinnaussicht oder der Preis des Menüs?

Wir sind kein Gutscheinbuch und bieten keine Rabattaktion à la nimm zwei, zahl eins. Im Gegenteil, wir achten darauf, dass es keine Dumpingpreise gibt. Die Menüpreise dürfen attraktiv sein, aber nicht unter dem Wert des Produktes liegen.

Aber wer gern und gut essen geht, kann das doch jederzeit auch ohne eine besondere Aktion tun.

Trotzdem haben die Kochsternstunden eine ganz eigene Dynamik entwickelt. Die Gäste besuchen die Restaurants, bestellen das Kochsternstundenmenü und posten Fotos wie aus dem Urlaub. Es gibt Gastronomen, die sind schon ausgebucht, bevor es überhaupt losgeht. Die meisten Interessenten studieren alle Menüs und entscheiden sich nach dem, was sie gern essen möchten. So lassen sie sich in Restaurants führen, die sie noch nicht kannten und freuen sich über eine neue Erfahrung.

Wie viele Restaurants nehmen teil?

Insgesamt sind 35 Restaurants dabei, gestartet sind wir vor zehn Jahren mit 18. Doch schon im ersten Jahr haben wir 2 000 Menüs verkauft. Inzwischen konsumieren unsere Gäste in fünf Wochen 6400 Menüs. Allerdings werden nicht alle bewertet.

Warum nicht?

Häufig bestellen Touristen das Menü, wenn sie zufällig in einem Kochsternstundenrestaurant essen. Doch sie fühlen sich mit der Aktion nicht verbunden. Das betrifft rund 20 Prozent. Dafür gehen viele Gäste fünfmal und mehr essen. Von den rund 5 120 bewerteten Menüs betrifft das etwa 1 500. Das heißt, 300 Gäste besuchen mindestens fünfmal ein Kochsternstunden-Restaurant.

Wie funktioniert die Bewertung?

Online, über unsere Seite und eine Art Pin, die ähnlich wie beim Online-Banking nur einmal verwendet werden kann. Die Auswertung erfolgt über einen professionellen Anbieter.

Kommen die Gastronomen von ganz allein zu Ihnen?

Viele, die schon dabei waren, kommen wieder. Neue müssen wir für unsere Idee erst gewinnen, wobei die Zahl der Teilnehmer auf 35 limitiert ist. Ich möchte nicht, dass die Kochsternstunden noch größer werden, dann würde die Qualität leiden. Es soll keine Massenveranstaltung werden.

Was bringen die Gastronomen mit?

Die Teilnahme kostet 1500 Euro. Die Restaurants kreieren ihr Menü und stellen uns für das Magazin alle Informationen zur Verfügung, die der Gast braucht.

Und was bekommen sie?

Möglichst viele Gäste und Werbung für sich. Aber gemessen an den Preisen, die die Gäste gewinnen können, erhalten die Restaurants relativ wenig. Der Sieger aber darf das Motiv der Titelseite des folgenden Kochsternstundenmagazins mit seiner Kreation gestalten.

Und Sie selbst, was bekommen Sie?

Ich lebe nicht von den Kochsternstunden. Sie tragen sich wirtschaftlich nicht hundertprozentig allein. Das ist für mich ein Herzensprojekt, eine große Leidenschaft.

Wenn nicht damit, womit verdienen Sie dann Ihren Lebensunterhalt?

Ich betreibe ein Catering- und Veranstaltungsunternehmen. Zum Beispiel bietet meine Firma Convea Veranstaltungen im Kasematten- & Kanonenhof-Eventgewölbe an. Dort richten wir unter anderem Firmenfeiern aus.

Wie kamen Sie als Architekt zur Gastronomie?

Von Anfang an hat mich das Einrichten von Gastronomiebetrieben interessiert. Schon während meines Studiums in Dresden war mir klar, dass ich so etwas einmal beruflich machen möchte. Um mich zu informieren, bin ich viel im Ausland unterwegs gewesen. Doch dann bekam ich das Angebot, ein Restaurant zu übernehmen und habe es vier Jahre lang betrieben.

Kochen Sie selbst?

Ich habe es nie gelernt, aber ich probiere viel aus und bekomme es auch hin. In nächster Zeit wird dafür allerdings keine Gelegenheit sein.

Weil sie alle Kochsternstundenmenüs probieren?

Bis auf eine Woche Ski-Urlaub und zwei Geburtstagsfeiern gehe ich tatsächlich wochenlang jeden Tag essen.

Und wie sieht es denn mit den Pfunden aus?

Zusammen mit unserer Vizsla-Hündin jogge ich täglich mindestens sechs Kilometer.

Das Gespräch führte Nadja Laske.