merken

„Es müssen mehr auf die Straße“

Kaum ist der Spuk des Neonazi-Aufmarschs in Dresden vorbei, steht der nächste bevor. Am kommenden Dienstag ruft die NPD zur Kundgebung auf - vor dem Haus der Presse.

© dpa

Kaum ist der Spuk des Neonazi-Aufmarschs in Dresden vorbei, steht der nächste bevor. Am kommenden Dienstag ruft die NPD zur Kundgebung auf. Vor dem Haus der Presse, den Redaktionen der Sächsischen Zeitung und der Dresdner Morgenpost, wollen sie eine Kundgebung gegen „Medienwillkür“, wie sie es nennen, abhalten. „Wir mobilisieren gegen diese Diffamierungsversuche und für die Pressefreiheit“, erklärt Josef Sternfeld vom „Forum gegen Rechts“.

Die Protestdemos in Dresden

Bei ihrer Rede auf dem Schlesischen Platz vor dem Bahnhof Neustadt erklärte Oberbürgermeisterin Helma Oriosz „Wir wollen uns unser Dresden nicht verschmutzen durch menschenverachtende Ideologien“ und „Heute soll ein Zeichen gegen Rechts gesetzt werden“.
Bei ihrer Rede auf dem Schlesischen Platz vor dem Bahnhof Neustadt erklärte Oberbürgermeisterin Helma Oriosz „Wir wollen uns unser Dresden nicht verschmutzen durch menschenverachtende Ideologien“ und „Heute soll ein Zeichen gegen Rechts gesetzt werden“.
Orosz sprach vor Medienvertretern und etwa 50 Menschen. Dabei bekräftigte sie  indirekt das Recht auf Asyl in Deutschland.
Orosz sprach vor Medienvertretern und etwa 50 Menschen. Dabei bekräftigte sie indirekt das Recht auf Asyl in Deutschland.
Nahezu menschenleer: Die Barbarastraße am Sonnabend um 11:21 Uhr.
Nahezu menschenleer: Die Barbarastraße am Sonnabend um 11:21 Uhr.
Am Trachenberger Platz sammeln sich die Gegendemonstranten.
Am Trachenberger Platz sammeln sich die Gegendemonstranten.
Die Stimmung war sehr friedlich.
Die Stimmung war sehr friedlich.
Etwa 250 Menschen sitzen auf den Bürgersteigen im Schatten von Ahornbäumen.
Etwa 250 Menschen sitzen auf den Bürgersteigen im Schatten von Ahornbäumen.
Auf der Straße stehen eine Handvoll Leute, die Transparente den Autofahrern entgegen halten, die in Richtung Trachenberger Platz fahren.
Auf der Straße stehen eine Handvoll Leute, die Transparente den Autofahrern entgegen halten, die in Richtung Trachenberger Platz fahren.
Musik läuft, es riecht nach Sonnencreme.
Musik läuft, es riecht nach Sonnencreme.
Kurz vor 13 Uhr begann auf der Barbarastraße die Kundgebung der Neonazis.
Kurz vor 13 Uhr begann auf der Barbarastraße die Kundgebung der Neonazis.
Gegendemonstranten erwarten am Trachenberger Platz den Zug der Nazis.
Gegendemonstranten erwarten am Trachenberger Platz den Zug der Nazis.
Kurz nach Beginn des Aufmarsches der Nazis in der Barbarastraße trafen sie nach etwa 200 Metern schon auf Gegenwehr. Am Trachenberger Platz versammelten sich mindestens 300 Gegendemonstranten.
Kurz nach Beginn des Aufmarsches der Nazis in der Barbarastraße trafen sie nach etwa 200 Metern schon auf Gegenwehr. Am Trachenberger Platz versammelten sich mindestens 300 Gegendemonstranten.
Auch der frühere Sprecher der Staatsanwaltschaft Dresden, Christian Avenarius (2.v.r. am Banner), ging zusammen mit Gegendemonstrandten vomSchlesischen in Richtung Trachenberger Platz.
Auch der frühere Sprecher der Staatsanwaltschaft Dresden, Christian Avenarius (2.v.r. am Banner), ging zusammen mit Gegendemonstrandten vomSchlesischen in Richtung Trachenberger Platz.
Insgesamt waren etwa 2.000 Polizisten im Einsatz ...
Insgesamt waren etwa 2.000 Polizisten im Einsatz ...
... um den Zug der Neonazos abzusichern.
... um den Zug der Neonazos abzusichern.
Beklebt mit dem Banner gegen den angeblichen "Tag der deutschen Zukunft" stand der Lautsprecherwagen von Dresden Nazifrei in der Mittagszeit auf dem Puschkinplatz.
Beklebt mit dem Banner gegen den angeblichen "Tag der deutschen Zukunft" stand der Lautsprecherwagen von Dresden Nazifrei in der Mittagszeit auf dem Puschkinplatz.
Von wegen Innenstadt: Die Neonazis hielten ihre Abschlusskundgebung auf der Industriestraße im Dresdner Nordwesten.
Von wegen Innenstadt: Die Neonazis hielten ihre Abschlusskundgebung auf der Industriestraße im Dresdner Nordwesten.
Gut 70 bunte Gegendemonstranten begleiten die Abschlusskundegbung der meist schwarzgekleideten Neonazis lautstark.
Gut 70 bunte Gegendemonstranten begleiten die Abschlusskundegbung der meist schwarzgekleideten Neonazis lautstark.
Doch abgesehen davon bleibt die Lage bislang ruhig - die Polizei muss nicht eingreifen.
Doch abgesehen davon bleibt die Lage bislang ruhig - die Polizei muss nicht eingreifen.
Nachdem die Neonazis in Richtung Bus und Bahn aufgebrochen sind, verlassen auch die Einsatzkräfte der Polizei das Areal vor dem Mokka-Eck.
Nachdem die Neonazis in Richtung Bus und Bahn aufgebrochen sind, verlassen auch die Einsatzkräfte der Polizei das Areal vor dem Mokka-Eck.
Dem ist nichts hinzuzufügen.
Dem ist nichts hinzuzufügen.

Das Forum hat auch den Widerstand gegen den „Tag der deutschen Zukunft“ der Neonazis am vergangenen Sonnabend organisiert. Überwiegend positiv ist das Fazit: Die Rechtsextremen konnten nicht die von ihnen gewünschte Route laufen, und es kamen deutlich weniger Teilnehmer als erwartet. „Es waren etwa 470 Neonazis da“, so Danilo Starosta vom Kulturbüro Sachsen: „Zwar konnten einzelne Akteure bundesweit mobilisiert werden, aber keine ganzen Strukturen.“ Seine Erkenntnis lautet, dass es in der rechten Szene derzeit niemanden gibt, der übergreifend Kameradschaften und andere Organisationen an einen Ort bekommt. Zu zerstritten seien die Rechtsextremen untereinander. „Die Landtagswahl im August wird zeigen, ob die NPD hier weiter Bestand hat“, so Starosta.

Anzeige
Volleyball-Supercup 2020 in Dresden
Volleyball-Supercup 2020 in Dresden

Das gab es noch nie: Der Supercup kommt nach Dresden in die Margon Arena und Ihr könnt live dabei sein! Sichert Euch jetzt online Tickets und unterstützt das Team.

Weiterführende Artikel

Rechtsextremisten versammeln sich erneut in Dresden

Rechtsextremisten versammeln sich erneut in Dresden

Der zweite Aufzug binnen weniger Tage ist nach Meinung von Experten Ausdruck der Zerstrittenheit der Szene.

Kein goldener Tag für Neonazis

Kein goldener Tag für Neonazis

Hunderte Menschen in Dresden haben sich am Sonnabend Neonazis in den Weg gestellt und damit einen Marsch ins Stadtzentrum verhindert.

Da der 17. Juni ein etablierter Termin der Neonazis sei, rechnet das Forum mit 300 bis 500 Teilnehmern. „Beim Protest ist die Zivilgesellschaft gefragt“, so Sternfeld. Zwar sei die Akzeptanz des antifaschistischen Widerstands vor allem rund um den 13. Februar gestiegen, aber es gehen noch nicht genügend auf die Straße. Dazu müsse auch die Stadtspitze aufrufen. (SZ/awe)