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Es muffelt wieder

Nahe Löbau haben sich wieder horngewaltige Wildschafe angesiedelt. Andernorts fielen sie den Wölfen zum Opfer.

© Sonja Haase

Von Marcus Scholz

Friedlich grast das Mufflonrudel auf einer Lichtung bei Lauba nahe Löbau und lässt sich saftiges Gras schmecken. Das gehört zu den Lieblingsspeisen der wilden Schafe. Da stört es auch nicht, wenn neugierige Wanderer ihre Fotoapparate zücken und sich langsam dem Rudel nähern. Nur kurz heben sie ihre mit mächtigen Hörnern bewachsenen Köpfe und schauen für einen kleinen Moment in Richtung des Objektivs, um sich schnell wieder dem viel wichtigeren Gras zu widmen.

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Seit mittlerweile drei Jahren ist das Mufflonrudel in den Wäldern rund um Lauba und dem Cunewalder Tal zu Hause. „Ursprünglich stammen die Wildschafe aber aus der Region am Czorneboh“, erzählt der Cunewalder Jäger Manfred Ressel. Der Rentner muss es wissen, er hat schon seit DDR-Zeiten einen engen Draht zu den Tieren. Bereits in den 1970er-Jahren habe man um die hundert Mufflons auf dem Czorneboh angesiedelt, mittlerweile gibt es dort sogar fast 160 Exemplare, sagt Ressel. Doch warum ist vor drei Jahren das kleine Rudel nach Lauba gekommen? Eigentlich verlässt das Muffelwild nie seine angestammten Territorien. Manfred Ressel hat eine Antwort auf die Frage: „Treibjagden oder wilde Hunde haben den Tieren Angst gemacht. Das hat in ihnen einen Fluchtreflex ausgelöst“, sagt der Jäger.

Zwei Schafe und ein Widder zählte der Bestand zu Beginn in Lauba und Cunewalde. Mittlerweile gehören elf bis zwölf Tiere der kleinen Gruppe an. Dass die Mufflons sich gerade in den Wäldern um Cunewalde wohlfühlen, gefällt nicht jedem Dorfbewohner. In so manch hübsch gestalteten Gärten trieben die tagaktiven und wenig scheuen Tiere bereits ihr Unwesen, haben im Frühjahr Triebe und Knospen abgefressen. Manfred Ressel musste sich deshalb schon oft Beschwerden anhören. „Viele Betroffene schimpfen auf uns Jäger und fordern, dass wir die Tiere einfach abschießen sollen“, sagt er. Dabei achten Ressel und seine Jägerkollegen aus den umliegenden Orten schon sehr genau auf die Populationsstärke der Mufflons. „Wir überwachen gezielt die Verbreitung der Tiere. Die Zahl des Bestandes soll schließlich nicht ausufern“, sagt Ressel. Deswegen wurden bereits im vergangenen Jahr zwei Exemplare geschossen. Für dieses Jahr stehen noch drei weitere auf der Liste.

Dämmt nicht der Mensch die Verbreitung der Mufflons ein, dann tut es ein anderer Jäger – der Wolf. Außer ihm haben die Tiere keine natürlichen Feinde. Für Wölfe sind Mufflons leichte Beute. Anstatt zu flüchten, stellen sich Mufflons der Gefahr und erleiden dabei meist ein trauriges Ende. Das führte andernorts zu einem drastischen Rückgang des Muffelwilds. Der Bestand in den Königshainer Bergen wurde um etwa drei Viertel dezimiert. In den Wäldern rund um Rietschen und Königswartha habe der Wolf die Mufflons gänzlich verschwinden lassen, sagt Ressel. Etwas dagegen tun könne man nicht, denn Wölfe stehen laut Gesetz unter strengem Artenschutz. Manfred Ressel hat dazu eine klare Meinung: „Der Wolf wird auf Kosten unserer Wildtiere geschützt“, sagt der Rentner.

Das Mufflonrudel im Cunewalder Tal blieb bis jetzt von hungrigen Wölfen verschont. Manfred Ressel konnte auch noch keinen Wolf in der Region ausmachen. Wann das irgendwann mal so sein wird, könne man aber ganz leicht erkennen: Nämlich dann, wenn aus der großen Schafherde auf den Wiesen in Lehn, zwischen Löbau und Hochkirch gelegen, die ersten Tiere zum Wolfsopfer werden: „Wölfe legen Distanzen bis zu dreißig Kilometern am Stück zurück. Irgendwann finden sie dann auch den Weg bis nach Lauba“, glaubt Ressel.