merken

Deutschland & Welt

Es schneit Mikroplastik

Im Schnee der Arktis haben Forscher einer deutschen Universität unter anderem Lackteilchen nachgewiesen. Doch wie gelangt das Plastik dorthin?

Sogar im Schmelzwasser der abgelegenen Arktis konnten die Wissenschaftler Plastikteilchen nachweisen und analysieren.
Sogar im Schmelzwasser der abgelegenen Arktis konnten die Wissenschaftler Plastikteilchen nachweisen und analysieren. © Hinrich Bäsemann/dpa

Bremerhaven. Mit Schnee rieseln Mikroplastik-Teilchen aus der Luft auf die Erdoberfläche - selbst in der abgelegenen Arktis. Die winzigen Teilchen mit einer Größe unter fünf Millimetern werden in der Atmosphäre transportiert und können so über weite Strecken verteilt werden, berichtet ein Forscherteam unter Leitung des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung (AWI) in Bremerhaven. 

Demnach liegt nahe, dass die Luft erheblich mit Mikroplastik verschmutzt ist. Mögliche gesundheitliche Auswirkungen sollten künftig genau untersucht werden, schreiben die Wissenschaftler im Fachmagazin "Science Advances".

Anzeige
Studium für Pflegeprofis
Studium für Pflegeprofis

Studium & Praxis vereinen? Bis zum 1. Oktober an der ehs Dresden für die innovativen pflegerischen Bachelor- & Masterstudiengänge bewerben!

Melanie Bergmann und ihre Mitarbeiter hatten Schneeproben analysiert: aus Helgoland, Bayern, Bremen, den Schweizer Alpen und aus der Arktis, dort sowohl von der Inselgruppe Spitzbergen als auch von mehreren Eisschollen. Sie schmolzen den Schnee, filterten das Wasser und untersuchten die Rückstände per Infrarotspektroskopie. So ließen sich die Kunststoffrückstände nachweisen und analysieren.

Die Wissenschaftler fanden Mikroplastik in nahezu allen untersuchten Proben. Der Gehalt an Schnipseln war in den Schneeproben aus der Arktis geringer als in den europäischen Proben, allerdings sei er immer noch "substanziell". Im Schnitt fanden sich 1.760 Teilchen pro Liter Schmelzwasser in den arktischen Proben. Auf einer Eisscholle hatten sich 14.400 Teilchen pro Liter gesammelt. 

Zum Vergleich: Die höchstbelastete Probe - neben einer Landstraße in Bayern genommen - barg 154.000 Teilchen pro Liter. Die Größe der Teilchen lag zwischen 11 und 474 Mikrometern (Millionstel Meter), wobei die besonders kleinen Winzlinge überwogen: 80 Prozent aller Teilchen waren kleiner als 25 Mikrometer.

Bei den Partikeln handele es sich unter anderem um Lackteilchen, Nitrilkautschuk und Polyamide. Sie können aus Beschichtungen von Fahrzeugen oder Gebäuden stammen, aus Abrieb von Reifen oder auch Schuhsohlen und aus zahlreichen anderen verbreiteten Kunststoffen. Wenn sie aufgewirbelt werden und in die Atmosphäre gelangen, werden sie mit Luftströmungen transportiert, berichten die Wissenschaftler. Schnee bindet die Partikel dann und nimmt sie mit auf die Erdoberfläche. (dpa)

Mehr zum Thema Deutschland & Welt