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Es striezelt mehr denn je

Das Budendorf steht bereits. Auch die Veranstaltungen sind festgezurrt. Dabei wird einiges Neue ausprobiert.

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© Sven Ellger

Von Lars Kühl

Dieser Geruch, so vertraut. Man hat ihn zwar nicht vermisst, aber es ist trotzdem schön, dass er wieder da ist: Bratfettduft. Welch deutlicher Vorbote. Die anderen Zeichen sind ebenso eindeutig – das Budendorf auf dem Altmarkt ist bereits komplett aufgebaut. In zwei Wochen öffnet der Striezelmarkt, zum 582. Mal.

© Grafik:SZ

Das Programm: Es gibt so viele Veranstaltungen wie noch nie.

Es wird ein Weihnachtsspektakel der Rekorde, erklärt Robert Franke, Leiter des Amtes für Wirtschaftsförderung. Ab 24. November können die Besucher täglich von 10 bis 21 Uhr (zur Eröffnung ab 16 Uhr, bei den „Sternstunden“ am 9. Dezember bis 23 Uhr und Heiligabend bis 14 Uhr) 195 Programmpunkte erleben, gestaltet von rund 2 300 Mitwirkenden. Jeder der fünf Freitage, Samstage und vier Sonntage bis zum 24. Dezember steht unter einem anderen Motto, mit dem Höhepunkt „Stollenfest“ am 3. Dezember. Allein zu dem Spektakel mit Riesenstriezel und Festumzug werden wieder rund 100 000 Gäste erwartet. Neu sind neben den Themenfreitagen das Adventskalenderfest am 26. November auch die Spielemontage, an denen nach dem Mensch-ärgere-dich-nicht-Prinzip Schulklassen oder Großfamilien als lebendige Figuren gegeneinander antreten.

Die Händler: Über 20 Prozent bieten

traditionelle Handwerkskunst.

In den nächsten Wochen werden sie präpariert und mit mal mehr, mal weniger leckeren oder nützlichen Sachen befüllt: die 233 Markstände und Fahrgeschäfte. Der Anteil traditioneller Handwerkskünstler ist dabei mit 50 ziemlich hoch, findet Franke. Einer der ältesten deutschen Weihnachtsmärkte ist im digitalen Zeitalter angekommen – auf einer interaktiven Karte ist am Computer oder auf dem Smartphone zu sehen, wo sich welche Bude befindet.

Damit die Besucher auf dem Striezelmarkt in Stimmung kommen, ist wieder einiges aufgebaut. Von der weltweit größten erzgebirgischen Stufenpyramide, dem Schwibbogen als Tor über ein Riesenrad, ein Etagenkarussell, Schauwerkstätten bis hin zur Weihnachtskrippe und zur Geschichtsbühne. Damit alles heimelig beleuchtet ist, kommen neben den anderen knapp 800 Lichtquellen, wie zum Beispiel Herrnhuter Sternen, auch 32 Kandelaber zum Einsatz. Die werden als historisch anmutende Blickfänge an Masten angebracht. Modern ist ihr Leuchtmittel. LEDs haben die alten Glühbirnen abgelöst.

Der Verkehr: Straßen werden gesperrt, um den Andrang zu bewältigen.

Der Striezelmarkt wird wieder Massen anziehen, besonders, wenn der Winter so kalt wird wie vorausgesagt. Damit der Ansturm bewältigt werden kann, appellieren die Veranstalter an die Besucher, mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zu kommen. Der südliche Bereich der Wilsdruffer Straße wird wieder samstags von 14 bis 22 Uhr gesperrt, zum Stollenfest sogar schon vier Stunden eher, erklärt Straßenchef Reinhard Koettnitz. Die nördliche Fahrbahn werde aber offen bleiben. Da sich in der Weihnachtszeit viel Autoverkehr verlagert, wird besonders der Dippoldiswalder Platz zur Staufalle. Von dort wird deshalb in diesem Jahr die Abbiegespur in das Parkhaus zur Centrum Galerie gesperrt. Stattdessen wird eine andere Zufahrt eingerichtet. Mit der Schließung soll vor allem das Durchkommen für die Busse der Linie 92 erleichtert werden, die zusätzlich vorübergehend einen knapp 100 Meter langen, eigenen Streifen auf der Budapester Straße erhalten. Bewährt hat sich die Möglichkeit, dass Reisebusse auswärtige Touristen an der Kreuzstraße aussteigen lassen, bevor sie an der Pieschener Allee parken. Die Verkehrsanordnungen gehören zum Sicherheitskonzept, sagt Franke. Darüber hinaus setzt man auf die Erfahrungen der vergangenen Jahre. Die Gefährdungslage werde ständig geprüft. „Im Moment sind keine Einschränkungen zu erwarten.“

Markttypisches: Tassen, Striezeltaler und Sondermarke werden angeboten.

Wichtigstes Utensil für die meisten Gäste sind die Striezelmarkttassen. Im vergangenen Jahr „verschwanden“ 63 000 Stück. „Das zeigt, wie beliebt sie als Souvenir sind“, sagt Franke. Neben 45 000 neutralen Trinkbehältern werden auch 50 000 neue Jahrestassen im Umlauf sein. Preußisch-blau, beschreibt sie Franke ganz ohne Sachsen-Pathos, dafür mit neuem Motiv und Notenschlüssel-Henkel. Die Produktion in der Region habe sich bewährt.

Etablieren soll sich auch der Striezeltaler als Zahlungsmittel. Für zehn Euro gibt es elf zurück, mit denen bei allen Händlern gezahlt werden kann. Weil die Kreuzkirche in diesem Jahr ihr 800-Jähriges feiert, ziert sie eine Seite, auf der anderen sind das Marktlogo und 2016 zu sehen.

Erstmals wird das Weihnachtspostamt nicht von der Deutschen Post, sondern von Postmodern betreut. Wer will, kann dort seine Weihnachtsgrüße oder Pakete abschicken, und zwar weltweit, wie Alexander Hesse, der Marketingleiter des regionalen Unternehmens der DDV-Mediengruppe, betont. Neben normalen Briefmarken und Ersttagsumschlägen wird es auch eine Sondermarke geben: Zum Wert von 60 Cent ist die riesige Erzgebirgspyramide des Striezelmarktes auf dem Hochkantformat abgebildet. „Am 15. November wird sie veröffentlicht“, sagt Hesse.

www.dresden.de/striezelmarkt