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„Es waren acht wunderbare Jahre“

Der Freiberger Superintendent Christoph Noth wird Ruheständler. Langweilig wird es ihm nicht. Er möchte das Erzgebirge erkunden.

© Egbert Kamprath

Von Maik Brückner

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Freital/Dippoldiswalde. In den letzten acht Jahren ist der Freiberger Superintendent Christoph Noth viel im Kirchenbezirk herumgekommen. Dieser erstreckt sich zwischen Geising, Pesterwitz, Sayda und Reichenbach. Hier leben rund 40 000 evangelisch-lutherische Christen, die zu 40 Kirchgemeinden und Kirchspielen gehören. Ein Superintendent begleitet, berät und überprüft die Arbeit in den Kirchgemeinden seines Bezirks. Christoph Noth war auch Seelsorger der Seelsorger und Repräsentant des Kirchenbezirkes. Ende April geht er in den Ruhestand. Die SZ hatte die Gelegenheit, den 65-Jährigen zu den weiteren Plänen zu befragen.

Herr Noth, Sie gehen Ende April in den Ruhestand. Müssen Sie oder wollen Sie?

Eigentlich wollte ich mit meinem 65. Geburtstag aufhören. Das wäre ein guter Abschluss geworden. Doch die rechtlichen Vorgaben sind so, dass ich noch ein paar Monate weiterarbeiten muss.

Warum wäre das ein guter Abschluss gewesen?

Ich habe am 31. Oktober, dem Reformationstag, Geburtstag. Und der wurde im letzten Jahr wegen des Reformationsjubiläums ganz groß gefeiert. Das wäre doch ein schöner Abschluss gewesen. Immerhin bin ich seit 40 Jahren im Pfarrdienst tätig.

Bis Ende April ist noch etwas Zeit. Was werden Sie bis dahin tun?

Ich erfülle meine Aufgaben. Es ist nichts Ungewöhnliches geplant. Deshalb wird es auch keinen Paukenschlag geben.

Und wie geht es danach weiter?

Sie kennen den Spruch „Ich bin dann mal weg“. Und das werde ich auch tun. Ich werde wandern und auf dem Kammweg im Erzgebirge unterwegs sein. Das ist eine wunderbare, eine sehr schöne Landschaft. Ich werde stetig, aber nicht zu schnell unterwegs sein – immer nach Lust, Laune und Wetter. Ich werde erst nach dem Frühstück starten. Beginnen möchte ich in Geising. Ich weiß aber noch nicht, ob ich es bis nach Blankenstein schaffen werde.

Viele nutzen die Zeit im Ruhestand, um den berühmten Pilgerweg, den Jakobsweg, abzulaufen. Reizt Sie das nicht?

Überhaupt nicht. Ich möchte wandern und nicht pilgern. Zunächst dachte ich an einen Wanderweg in Bayern. Doch mir wurde abgeraten. Anfang Mai könnte es dort noch Schnee geben, für einen Wanderer sind das keine guten Bedingungen. Deshalb habe ich mich fürs Erzgebirge entschieden.

Sie waren fast acht Jahre Superintendent im Kirchenbezirk Freiberg. Wie fällt Ihre Bilanz aus?

Es waren acht wunderbare Jahre. Ich bin mit meinem dienstlichen Lebensweg von Anfang bis Ende zufrieden. In meiner Funktion als Superintendent habe ich mich immer mehr als Pfarrer gefühlt, obwohl ich rein rechtlich gesehen deren Vorgesetzter war. Ein Höhepunkt während der Zeit war sicher der Kirchentag 2011 in Dresden. Einige Besucher hatten ihr Quartier in Freiberg. Dort habe ich mich eine Nacht lang um die Besucher gekümmert. Ich hatte interessante Begegnungen. Andere Höhepunkte waren die Gottesdienste in den Gemeinden, sei es im traumhaft schönen Freiberger Dom oder in einer unserer hübschen Dorfkirchen. Das hat mir immer große Freude gemacht.

Es gab auch Dinge, die Ihnen zugesetzt haben? Ich erinnere an die Schmierereien an der Dorfhainer Kirche. Unbekannte hatten antisemitische Parolen an die Kirche geschmiert ...

Das war schlimm, ein Stück Kulturbarbarei. Unangenehm waren mir auch einige Personalentscheidungen. Wir mussten uns von einigen Pfarrern, Kantoren und Gemeindepädagogen trennen, weil unsere Gemeinden immer kleiner geworden sind. Ich bin froh, dass ich das nicht mehr tun muss ...

Ist das Thema abgehakt?

Nein. Unsere Gemeinden schrumpfen weiter. Und das bedeutet auch, dass sich unsere Kirche weniger Personal leisten kann. Deshalb wird auch mein Nachfolger oder meine Nachfolgerin ebenfalls unangenehme Entscheidungen treffen. Doch das haben die Bewerber vorher gewusst.

2017 wurde 500 Jahre Reformation gefeiert. Hat das den evangelischen Kirchen einen neuen Schub gegeben?

Das lässt sich heute noch nicht sagen. Ich habe aber gespürt, dass dieses Jubiläum vielen klargemacht hat, welche Bedeutung die Reformation für die Gesellschaft vor allem auf den Gebieten Kultur und Bildung hatte. Fragen muss man sich, ob das Fest nicht zu groß geplant wurde und manche Veranstaltung ihr Ziel verfehlte. Im Nachgang ist es immer leichter, über so etwas zu urteilen. Was mir persönlich gefallen hat, ist, wie sich die katholische Kirche eingebracht hat. Bei allen Unterschieden, die es zwischen den beiden Konfessionen gibt, wurden bei diesem Jubiläum viel stärker als bei den vorhergehenden Reformationsfesten die Gemeinsamkeiten betont. Es gab ein gutes Miteinander. So weit es mir bekannt ist, hat es das vor 100 Jahren und auch vor 50 Jahren bei den großen Reformationsfesten nicht gegeben.

Herr Noth, lassen Sie uns in die Zukunft schauen. Wissen Sie schon, wer Ihnen im Amt des Superintendenten folgen wird?

Ich bin kein Prophet. Deshalb kann ich das nicht sagen. Ich weiß nur so viel, dass es drei Bewerber gab, die sich Anfang März den zuständigen Gremien vorgestellt haben. Diese entscheiden, wer sich weiter um das Amt bewerben darf. Die Entscheidung, wer mein Nachfolger beziehungsweise meine Nachfolgerin wird, trifft das Kirchparlament, das zu einer Sondersynode zusammentreten wird. Ich gehe davon aus, dass es im Herbst oder spätestens im Winter einen neuen Superintendenten beziehungsweise eine neue Superintendentin geben wird. Bis dahin wird mein Stellvertreter Hans-Günter Pötzsch die Amtsgeschäfte im Kirchenbezirk führen.

Sie haben in den vergangenen Jahren in Freiberg gewohnt. Jetzt sind Sie nach Dresden und nicht aufs Land gezogen. Warum?

Ich gebe zu, dass ich ein Asphaltkind bin. Ich lebe gern in der Stadt, mit „Ackerbau und Viehzucht“ kann ich nicht viel anfangen. Deshalb habe ich die letzten Jahre in Freiberg und nicht auf dem Dorf gewohnt. Dass ich inzwischen nach Dresden gezogen bin, hat mehrere Gründe. Zum einen ist es besser, wenn man nach der Erfüllung einer Aufgabe den Ort wechselt. Das ist auch für meinen Nachfolger leichter. Denn man läuft Gefahr, sich in Dinge einzumischen, für die man nicht mehr zuständig ist. Zum anderen sorgt ein Ortswechsel dafür, dass man abschließen kann. Wäre ich in Freiberg geblieben, würde ich auch weiterhin gebeten, bestimmte Dienste wie Taufen oder Beerdigungen vorzunehmen. Dass wir uns für Dresden entschieden haben, liegt aber auch daran, dass sowohl meine Frau als auch ich aus Dresden stammen. Hier wohnen auch unsere vier Kinder mit ihren Familien.

Das Gespräch führte Maik Brückner.

Der Abschiedsgottesdienst von Superintendent Christoph Noth ist am Sonntag, 29. April, um 14 Uhr im Dom zu Freiberg.