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Es werde Licht

Viele Kommunen im Bischofswerdaer Land schalten nachts die Laternen aus – zum Ärger von Nachtschwärmern und Schichtarbeitern. Doch es gibt Alternativen.

© Steffen Unger

Von Nicole Preuss und Ingolf Reinsch

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Bischofswerda. Die Kamenzer Straße in Bischofswerda ist ein leuchtendes Beispiel. Stromsparende LED-Lampen sorgen entlang der wichtigen Verbindungsstraße dafür, dass Fußgänger und Radfahrer auch im Dunkeln genügend Licht haben. Das ist aber bei Weitem nicht überall so. In vielen Gemeinden rund um Bischofswerda wird nachts das Straßenlicht ausgeschaltet. Das sorgt für Unmut bei berufsbedingten Frühaufstehern und Menschen, die spät nach Hause kommen. „Es ist stockduster und die Taschenlampe reicht kaum aus“, heißt es.

Rammenau erleuchtet seine Straßen besonders spät am Morgen. Halb 6 Uhr geht in der Woche das Straßenlicht an, am Wochenende werden die Straßen sogar erst 6  Uhr hell. Ab 23.30 Uhr lässt die Gemeinde die Lampen ausgeknipst. „Wir müssen die Kosten im Auge behalten“, sagt der neue Bürgermeister Andreas Langhammer. Anderen Gemeinden geht es ähnlich. Nach einer SZ-Umfrage geht in den meisten Gemeinden in der Woche 23 Uhr bzw. 23.30 Uhr das Straßenlicht aus. Freitags und sonnabends leuchtet es bis Mitternacht, vereinzelt auch bis 1 Uhr. Neukirch und Demitz sind die Ersten, die früh das Licht wieder anschalten – 4 Uhr in der Woche. Es folgen Burkau (4.30 Uhr) und Schmölln-Putzkau (5 Uhr).

Eine Verbesserung könnten LED-Leuchten bringen. „Dann würden wir die Straßenbeleuchtung die ganze Nacht anlassen“, sagt Andreas Langhammer. Die Gemeinde will deshalb noch in diesem Jahr alle Straßenleuchten mit der Enso aufnehmen und Varianten untersuchen, wie sich das Ziel erreichen lässt. Dann soll der Gemeinderat darüber entscheiden.

Auch Schmölln-Putzkau plant Veränderungen. Die Pläne werden im Ausschuss des Gemeinderates diskutiert. Bürgermeister Achim Wünsche: „Bei entsprechender Umrüstung sind längere Zeitschalten oder auch Dimmung bzw. Dauerbetrieb denkbar.“ Wann und wie umgestellt wird, ist noch nicht entschieden. Möglich sei zum Beispiel, dass die Gemeinde nach Ortsteilen oder Straßenzügen vorgeht. Weitere Gemeinden planen Veränderungen, allerdings nicht pauschal. Bei einem grundhaften Straßenausbau oder bei teilweiser Umstellung infolge von Defekten würde man in Demitz-Thumitz die Straßenbeleuchtung erneuern bzw. auf LED umrüsten, sagt Bürgermeisterin Gisela Pallas. Neukirch geht ähnlich vor. „Im Zuge von Neuinstallationen bzw. Ersatzbauten kommen bei technischer Voraussetzung ausschließlich LEDs zum Einsatz“, teilte die Gemeindeverwaltung mit. Derzeit sei es aber nicht geplant, den Ein- und Abschaltsteuerungsrhythmus zu verändern.

Vertrag mit der Enso

Wie die Straßenbeleuchtung in allen vier Ortsteilen in Betrieb bleiben und die Gemeinde zugleich sparen kann, zeigt Großharthau seit mehreren Jahren. Dort werden sämtliche Laternen nachts auf eine niedrigere Intensität gedimmt. „Wir haben dabei vor allem die Sicherheit unserer Einwohner im Blick, denn es sind doch viele darunter, die in Schichten arbeiten“, sagt Bürgermeister Jens Krauße. Darüber hinaus konnte die Gemeinde die Stromkosten beim Straßenlicht um 15 bis 20 Prozent senken. Ganz ohne Probleme geht es aber auch in Großharthau nicht. In den Ortsteilen Bühlau und Schmiedefeld, wo die Straßenbeleuchtung noch nicht auf modernem Stand ist, wirkt manche gedimmte Laterne eher wie eine schwache Funzel. Anderenorts beschweren sich Anwohner mitunter über das zu grelle Licht, wo bereits LED-Leuchten installiert worden sind.

Auch in Frankenthal werden nachts keine Laternen mehr abgeschaltet. Auf der Hauptstraße wurden während deren Sanierung die Voraussetzungen geschaffen, um das Licht wie in Großharthau zu dimmen. Die Nebenstraßen werden durch LEDs beleuchtet. Die Enso hat mit der Gemeinde dafür einen Betriebsführungsvertrag geschlossen. „Die Gemeinde zahlt jetzt nicht mehr für die Straßenbeleuchtung als bisher“, sagt Bürgermeisterin Janine Bansner. Und das geht so: Der Stromversorger tauscht verschlissene Leuchten oder Lampen mit Quecksilber-Dampfmitteln nach und nach aus und ersetzt sie durch LED-Leuchten. Der Umbau wird finanziert über die Energieeinsparung. Das heißt, die Gemeinde zahlt weiter den gleichen Betrag wie bisher für die Straßenbeleuchtung, aber durch die Stromeinsparung bleiben dem Stromversorger noch Mittel fürs Umrüsten. Die LED-Leuchten sind dimmbar und lassen sich besser steuern. Zudem verbrauchen sie deutlich weniger Energie.

Es gibt aber auch Beispiele, die ohne den Stromversorger Enso auskommen. Bischofswerda setzt zwar im Bereich Kamenzer und August-König-Straße auf die Hilfe des Stromlieferanten. Die Stadt schaltet aber auch im anderen Stadtbereich das Licht an den Straßen nicht komplett aus. Als sogenannte Orientierungsbeleuchtung bleiben einige wenige Laternen in Betrieb. Bischofswerda will daher nichts ändern an der bisherigen Regelung. Auch nicht in den Ortsteilen, die von 23.30 Uhr bis 4.45 Uhr duster bleiben. „In Bezug auf die Leuchtzeiten der Straßenbeleuchtung gibt es derzeit keine Überlegungen zu Änderungen“, sagt Oberbürgermeister Holm Große. Die Umrüstung auf LEDs wird allerdings immer wieder vorgenommen, wenn es sich bei Sanierungen anbietet.