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Essel drückt auf die Tube

Das deutsch-indische Unternehmen investiert weitere drei Millionen Euro und feiert einen 175. Geburtstag.

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© Sven Ellger

Von Bettina Klemm

Zahnpasta, Kosmetik, Schuhcreme, Lebensmittel – wir drücken dabei ganz selbstverständlich auf die Tube. Doch nur wenige wissen, dass mehr als eine Million dieser Laminatprodukte täglich in Dresden produziert wird.

Seit 1999 gibt es am Manfred-von-Ardenne-Ring im Norden der Stadt die Essel Deutschland GmbH, ein deutsch-indisches Joint Venture. 2000 begann dort die Produktion. „Mit Investitionen von mehr als 30 Millionen Euro in Tubenanlagen und besonders in hochwertige Drucktechnologie hat sich das Werk mit über 160 Mitarbeitern zum Marktführer in Europa entwickelt“, sagt Matthias Lütkemeier. Seit 2004 ist er Geschäftsführer im Essel-Werk.

Rund 7 000 verschiedene Tuben wurden in Dresden schon produziert. Meist wurden sie mit den Kunden wie großen Kosmetikherstellern oder der Drogeriekette „dm“ entwickelt. Lütkemeier zeigt Tuben, die wie aus Metall wirken. 2012 und 2013 hat Essel dafür den Titel „Tube des Jahres“ erhalten. Vielleicht wird diese Ehre auch der neusten Entwicklung zuteil? Green Maple Leaf heißt eine Tube, die sich vollständig recyceln lässt.

„Tuben sind ein krisensicheres Geschäft.“ Aber nur, wenn die sächsischen Tubenmacher, wie Lütkemeier seine Mitarbeiter gern nennt, stetig neue Tuben und hochwertige Druckverfahren entwickeln, meist gemeinsam mit den Kunden.

Zum Jahresende werden sie eine neue Produktionslinie in Betrieb nehmen können. Essel investiert dafür weitere drei Millionen Euro. Das teilte Lütkemeier am Mittwoch bei einem Rundgang durch sein Unternehmen mit. Damit erinnerte er zugleich an die Geschichte der Tube, die vor 175 Jahren ihren Siegeszug begann.

Eigentlich wurde diese aus Frust entwickelt. Der amerikanische Maler John Goffe Rand (1801 bis 1873) soll sich über die ständig eingetrocknete Ölfarbe auf seiner Palette geärgert haben. So erfand er eine Farbenverpackung aus Blei: Das Metall wird unter eine Handpresse gelegt, gewickelt und mit einem Gewinde und Schraubdeckel versehen. Fertig ist die Tube, sein erstes Farbrohr. Zum Ensemble, für das er am 11. September 1841 in den USA und ein paar Monate später auch in England ein Patent anmeldete. Diese Erfindung begeisterte den Farbenhersteller Windsor & Newton und präsentierte 1851 auf der Londoner Weltausstellung die Farbtube. Das hat besonders die Impressionisten und Freilichtmaler begeistert. So schwärmte Pierre-Auguste Renoir: „Die Farbtuben haben es uns ermöglicht, in freier Natur zu malen. Ohne sie hätte es weder einen Cézanne noch einen Manet gegeben, auch nicht den Impressionismus.“

Die Tube machte auch in Dresden Geschichte. Der Apotheker Dr. Ottomar Heinsius von Mayenburg tüftelte im Dachgeschoss der Löwen-Apotheke am Dresdner Altmarkt an der Entwicklung einer Zahncreme. Seine Marke Chlorodont, natürlich in der Tube, brachten den Dresdner Leo-Werken weltweiten Erfolg.

Nach dem Krieg wird in Dresden neben der Zahncreme auch die Tube weiterentwickelt. Gemeinsam mit Forschern der Technischen Hochschule Dresden und dem volkseigenen Betrieb Elbe-Chemie entstanden die ersten Kunststoff- und Laminattuben. Aus Elbe-Chemie wurde nach der Reprivatisierung Dental-Kosmetik. Weil die Produktionsstätte in der Dresdner Neustadt jedoch zu klein wurde, entstand die Tubenproduktion im Norden der Stadt.