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Leben und Stil

EU stoppt gefährliches Insektizid

Chlorpyrifos wurde auf importierten Früchten nachgewiesen. Es schädigt die Gehirnentwicklung von Kindern. Gebannt ist die Gefahr aber noch nicht.

Rückstände von Chlorpyrifos wurden auch bei nach  Deutschland importierten Zitrusfrüchten nachgewiesen.
Rückstände von Chlorpyrifos wurden auch bei nach Deutschland importierten Zitrusfrüchten nachgewiesen. © Tobias Hase/dpa

Brüssel. Trotz eines Verbotes in Deutschland sind hierzulande Mandarinen, Grapefruit, Orangen und andere Zitrusfrüchte in den Regalen aufgetaucht, die Rückstände des hochgefährlichen Insektizids Chlorpyrifos aufwiesen. Damit soll nun Schluss sein. Am Freitag beschloss der zuständige Ausschuss der EU, die Zulassung für die beiden Stoffe Chlorpyrifos und Chlorpyrifos-Methyl nicht zu verlängert. Die beiden Wirkstoffe dürfen nach dem 31. Januar 2020 nicht mehr in der Landwirtschaft genutzt werden. Bisher war das Versprühen des Insektizids in 20 Mitgliedstaaten erlaubt, darunter südliche Anbauländer wie Spanien, Griechenland, Italien und Portugal.

Chlorpyrifos wurde 2005 in der EU zugelassen. 2011 gab es erste Warnungen von US-Wissenschaftlern, In Untersuchungen wurde nachgewiesen, dass das Präparat schon in geringen Dosen die Gehirnentwicklung von Kindern schädigt. Mediziner brachten Chlorpyrifos auch mit einem erhöhten Risiko für Autismus, Gedächtnisstörungen oder niedrigem Intelligenzquotienten in Verbindung. 

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Zudem gebe es Hinweise darauf, hieß es in Studien, dass der Stoff das Hormonsystem von Mensch und Tier schädigen könnte. Zusammenhänge mit Krebs, Unfruchtbarkeit und Stoffwechsel-Erkrankungen wurden beobachtet. Der Wirkstoff ist auch für Bienen und Fische gefährlich. „Das Verbot ist eine gute Nachricht für die Umwelt und den Gesundheitsschutz“, so Grünen-Politiker Sven Giegold.

Agrarlobby läuft Sturm

Die Gefahr ist allerdings noch nicht völlig gebannt. Im nächsten Schritt muss die Europäische Kommission den beschlossenen Anwendungsstopp auch durchsetzen. Giegold warnte bereits davor, „nicht wie zum Beispiel bei der Zulassung von Neonikotinoiden weitgehende Ausnahmeregelung der Mitgliedsländer zu akzeptieren“. Außerdem forderten Vertreter des Europäischen Parlaments am Freitag geeignete Maßnahmen, um sicherzustellen, dass belasteten Früchte aus Nicht-EU-Staaten nicht mehr auf den Markt kommen.

Hersteller dagegen laufen Sturm gegen die Entscheidung. Die Agrarlobby bittet darum, Chlorpyrifos verwenden zu dürfen, bis eine adäquate Alternative gefunden sei. Andernfalls sei mit erheblichen Einbußen bei der Ernte zu rechnen.