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EU will die Macht der Wirtschaftsprüfer brechen

Brüssel. Die EU-Kommission will die Dominanz der vier großen Wirtschaftsprüfungsunternehmen in Europa brechen. Die Marktführer Deloitte, Ernst&Young, KPMG und Pricewaterhouse-Coopers sollen künftig keine Unternehmensberatung mehr anbieten dürfen.

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Brüssel. Die EU-Kommission will die Dominanz der vier großen Wirtschaftsprüfungsunternehmen in Europa brechen. Die Marktführer Deloitte, Ernst&Young, KPMG und Pricewaterhouse-Coopers sollen künftig keine Unternehmensberatung mehr anbieten dürfen. Das sieht ein Entwurf vor, den die EU-Behörde gestern in Brüssel präsentierte. Weltweite Konzerne müssten sich in Prüfgesellschaften und Beratungsfirmen aufspalten. Auf diese Weise will Brüssel Bilanzskandale verhindern.

„Wir müssen das Vertrauen in die Abschlüsse von Unternehmen wiederherstellen“, sagte EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier. Die Finanzkrise habe gezeigt, dass das Modell nicht funktioniere. Wirtschaftsprüfer, die parallel oft auch als Unternehmensberater tätig sind, hätten aus Interessenkonflikten nicht rechtzeitig vor Problemen von Unternehmen gewarnt. Zudem sei die Konzentration auf nur vier Gesellschaften riskant, weil der Ausfall einer Gesellschaft das System bedrohen könnte.

Allein in Deutschland beschäftigen die großen vier rund 28000 Mitarbeiter und kommen auf einen Jahresumsatz von mehr als 4,2 Milliarden Euro. In Europa beherrschen sie nach EU-Angaben 85 Prozent des Marktes. Die Spezialisten prüfen Unternehmensbilanzen und bestätigen mit ihrer Unterschrift, dass ein Konzern seine Bücher richtig geführt hat. In Deutschland kontrollieren die vier Marktführer die Bilanzen fast aller wichtigen Aktiengesellschaften.

Zudem will die EU-Behörde die übliche Praxis abschaffen, dass ein Unternehmen seine Geschäftsberichte über Jahrzehnte von immer derselben Gesellschaft prüfen lässt. Konzerne sollen verpflichtet werden, ihren Wirtschaftsprüfer nach sechs Jahren zu wechseln. (dpa)