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Euphorischer Träumer

RB Leipzig rückt immer näher an die Bayern heran – dank Emil Forsberg. Dabei hatte der zu Saisonbeginn ein Problem.

© SvenSimon

Von Ullrich Kroemer

Dass dieser Emil Forsberg aus Skandinavien stammt, war am Montagmittag auf den ersten Blick zu erkennen. Nach dem Regenerationstraining kam der Offensivspieler von RB Leipzig mit einer Skimütze auf dem Kopf aus dem Leistungszentrum des Bundesligisten geschlendert. Er trug die blaue Mütze dabei so lässig auf dem blonden Schopf wie ein Skilangläufer in den 1970er-Jahren – cooles Understatement mit Retroschick.

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Noch treffender als seine Kopfbedeckung beschreibt Forsbergs klingender Name sein Naturell. Fors heißt im Schwedischen so viel wie Stromschnelle; und berg hat die gleiche Bedeutung wie hierzulande. Das bringt den Charakter des Kreativspielers ganz gut auf den Punkt: Auf dem Spielfeld agiert er bisweilen so mitreißend und lebhaft wie ein fors, während er außerhalb des Platzes – typisch Nordschwede – eher ein Fels in der Brandung ist.

Dem ersten Teil seines Nachnamens hat Forsberg am Sonntagabend in Wolfsburg wieder mal alle Ehre gemacht. Beim 1:0-Auswärtssieg der Leipziger stand der 24-Jährige in beiden Spielhälften im Mittelpunkt. Erst schoss der 21-fache Nationalspieler einen Elfmeter so weit neben das Tor, dass er sich auch am Tag danach noch dafür schämte. „Entschuldigung für die direkte Sprache. Aber das war ein Scheiß-Elfmeter“, sagt Forsberg. „Ich weiß nicht, was ich da gemacht habe.“ Danach leisteten Trainer und Mitspieler in der Kabine aber so gute Aufbauarbeit, dass er den Fauxpas verdrängte und per Traumtor aus 18 Metern den Treffer des Abends erzielte und seinen Klub auf Rang drei der Bundesliga-Tabelle schoss – zwei Punkte hinter dem FC Bayern München.

Nach seinem herrlichen Schlenzer fielen sich Forsberg und Trainer Ralph Hasenhüttl, der auf das Feld gestürmt war, in die Arme. „Ich war so überglücklich über das Tor“, sagt Forsberg, „ein wundervolles Gefühl. Ich habe so viel Unterstützung in der Halbzeit bekommen und wollte Danke sagen.“ Vom Loser zum Matchwinner innerhalb weniger Minuten – dieses Wechselbad der Emotionen hatte Forsberg nach eigenem Bekunden noch nie erlebt.

Derart euphorisiert hatte der Matchwinner direkt nach der Partie in die Sky-Kamera gesagt: „Mein Traum ist die Champions League.“ Am Tag später relativierte er das Zitat. „Die Euphorie ist spätestens am Dienstag abgeklungen. Ich fokussiere mich aktuell nicht auf die Champions League, sondern auf das nächste Spiel gegen Bremen. Alles andere ist ein Traum, aber nichts, was jetzt zählt“, betont Forsberg. Er weiß ebenso gut wie seine Kollegen, dass keine markigen Sprüche, sondern nur harte Arbeit einen Stammplatz im qualitativ stark und breit besetzten Kader verspricht.

Bockige Reaktion nach drei Spielen

So musste er zu Beginn der Saison mit der Enttäuschung zurechtkommen, auf der Bank zu sitzen. „Gegen den Ball hat er mir am Anfang noch nicht so gefallen, weil ihm noch etwas Fitness und Frische gefehlt haben“, erklärt Hasenhüttl.

Forsberg reagierte beinahe bockig, sagte nach seiner späten Einwechslung im dritten Erstligaspiel gegen Mönchengladbach trotzig: „Warum andere spielen, weiß ich nicht. Ich will jedes Spiel spielen, aber der Trainer entscheidet. Ich bin gut drauf und will immer der Mannschaft helfen, das kann ich auf der Bank nicht.“

Inzwischen sieht Forsberg ein, dass er nach der EM-Teilnahme nicht im Vollbesitz seiner Kräfte war. Beim Pokal-Aus gegen Dynamo Dresden etwa absolvierte er eine seiner schwächsten Partien im RB-Trikot. Mittlerweile kommt Hasenhüttl auf der Position im linken offensiven Mittelfeld an dem Schweden nicht mehr vorbei. So dürfte Leipzigs bester Scorer auch weiterhin in der Fußball-Bundesliga für Furore sorgen.

Bereits in der zweiten Liga hatte der im Januar 2015 zu RB gewechselte Leistungsträger das Interesse englischer Klubs hervorgerufen. In diesem Winter wurde Forsberg, dessen Vater und Großvater ebenfalls Fußballprofis waren, mit seinem Lieblingsklub Liverpool in Verbindung gebracht. Eine offizielle Offerte gab es allerdings nicht.

Ohnehin fühlt sich Forsberg so wohl, dass er im Februar einen Vertrag bis 2021 unterschrieb und als unverkäuflich gilt. „Er hat immer eine Lösung parat, wird im Umschaltspiel immer gefährlicher“, schwärmt sein Trainer. Forsberg selbst sieht den Zenit seiner Leistungsfähigkeit längst nicht erreicht. „Ich fühle mich wirklich gut, habe ein super Selbstvertrauen“, sagt er, meint aber: „Ich kann noch besser spielen.“