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Mysteriöse Kraft im All beobachtet

Ein kosmischer Crash ganz in der Nähe, nur 153 Lichtjahre entfernt, liefert nun ein möglicherweise ziemlich anderes Bild vom Universum.

Das europäische Weltraumteleskop Gaia liefert spektakuläre Daten zu den Vorgängen im Universum.
Das europäische Weltraumteleskop Gaia liefert spektakuläre Daten zu den Vorgängen im Universum. © ESA/ATG medialab; ESO/S. Brunier

Paris. Der unserer Sonne nächstgelegene Sternenhaufen wird offenbar zerstört. Ihn zerreißt der massive Einfluss einer unsichtbaren Struktur im All. Das teilte die europäische Weltraumagentur Esa am Mittwoch mit. Ursache dafür könnte Dunkle Materie sein, unsichtbar für uns und noch nicht verstanden in ihrer Wirkung.

Das europäische Weltraumteleskop Gaia hat die entsprechenden Daten geliefert. Es kann derzeit das Universum um uns herum am genauesten abbilden und hat eine Himmelskarte mit mehr als einer Milliarde Sternen erstellt. Auch deren Bewegungsdaten sendet Gaia zur Erde.

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Tereza Jerabkova und ihre Kollegen von der Esa und der europäischen Südsternwarte entdeckten in diesen Daten nun, dass der Hyaden-Sternhaufen vor dem Sternenhintergrund verschwindet. Sie rechneten das Geschehen mehrere Hundert Millionen Jahre zurück und fanden so Tausende vermisste Sterne an neuen Positionen wieder. Sie sind in einer Art Doppelschweif weit entfernt.

Doch sehr viele Sterne fehlen einfach immer noch. Das deute auf etwas viel Gewaltigeres hin, was den „Sternenhaufen nicht einfach sanft auflöst“, sagt Jerabkova. Sie berechnete, dass die Hyaden durch eine gigantische Kraft einfach zertrümmert worden seien.

Möglich wäre dies durch eine Materiewolke mit zehn Millionen Sonnenmassen. Dazu seien die theoretisch vorausgesagten Subhalos aus Dunkler Materie imstande. Die Wissenschaft nimmt an, dies seien große Klumpen einer die Galaxie durchdringenden und uns noch unbekannten Materieform.

Dies könnte also ein Beweis für die vermutete Ansammlung von „Subhalos der Dunklen Materie“ sein, heißt es dazu bei der Esa. Man nimmt an, dass diese unsichtbaren Teilchenwolken Relikte aus der Entstehungszeit unserer Milchstraße sind. Sie könnten nun über die gesamte Galaxie verteilt sein und eine unsichtbare Substruktur bilden, die einen spürbaren Gravitationseinfluss auf alles ausüben würde, was ihnen zu nahe kommt.

Der Sternhaufen Hyaden

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Die Hyaden wurden von den Wissenschaftlern ausgewählt, da dies der nächstgelegene Sternhaufen zur Sonne ist. Er befindet sich in einer Entfernung von etwas mehr als 153 Lichtjahren von der Erde und ist für Himmelsbeobachter in der nördlichen und südlichen Hemisphäre leicht in einer auffälligen „V“-Formation aus hellen Sternen zu erkennen. Diese stellen den Kopf des Stiers im Sternbild Taurus dar. Neben den leicht sichtbaren hellen Sternen lassen sich mit Teleskopen auch etwa hundert lichtschwächere Sterne entdecken, die in einer kugelförmigen Zone im Weltraum mit einem Abstand von etwa 60 Lichtjahren beieinander liegen.

Diese Zusammenstellung der Gaia-Daten zeigt die berechnete Bewegung von 40.000 Sternen in unserer Nähe in den nächsten 400.000 Jahren.
Diese Zusammenstellung der Gaia-Daten zeigt die berechnete Bewegung von 40.000 Sternen in unserer Nähe in den nächsten 400.000 Jahren. © ESA/Gaia/DPAC; CC BY-SA 3.0 IGO. A. Brown, S. Jor

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