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Europäische Astronauten üben an Mittweidaer Wand

Die interaktive Reaktionswand T-Wall der Firma IMM aus Mittweida erobert neue Räume.

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Von Brigitte Pfüller

Die interaktive Reaktionswand T-Wall der Mittweidaer Firma IMM ist nun tatsächlich in der Hand von richtigen Astronauten. Während die drei Kosmonauten der aktuellsten ISS-Expedition die T-Wall nur als Bild mit ins All nahmen, bereiten sich seit dieser Woche die künftigen Astronauten der europäischen Raumfahrtbehörde European Space Agency (ESA) in Köln auch an der Wand aus Mittweida auf ihren ersten Weltraumeinsatz vor, der in vier bis sechs Jahren erfolgen könnte.

„Die Eingliederung unseres Produktes in das allgemeine Fitnesstraining der Astronauten ist nur der erste Schritt“, erklärte IMM-Firmenchef Detlev Müller. Weiteres Potenzial sieht er im Muskelaufbau. Nach seinen Angaben prüft die ESA derzeit, welche Trainingsprogramme an der twall für den Wiederaufbau der körperlichen Kraft nach einem Weltraumflug eingesetzt werden könnten. „Das schnelle Antippen der aufleuchtenden Felder macht natürlich viel mehr Spaß als das Training an einem einfachen Laufband.“

Das Interesse der ESA konnte die IMM durch die guten Kontakte von IMM-protstartup-Projektleiter Tasillo Römisch erringen. Römisch betreibt nicht nur das größte private Weltraummuseum in Mittweida, sondern er hat auch eine eigene Firma, die Kosmonauten und Astronauten weltweit vermittelt. So hat er auch schon verschiedene echte Weltraumfahrer nach Mittweida oder ins Kosmonautenzentrum „Sigmund Jähn“ nach Chemnitz geholt.

Das kleine Freizeit-Kosmonautenzentrum hat übrigens seit dieser Woche auch eine eigene twall. Sie wurde zuerst von IMM für drei Monate ausgeliehen. Inzwischen haben eine Chemnitzer Firma sowie der Förderkreis für das Kosmonautenzentrum die finanziellen Mittel für den Erwerb aufgebracht. Somit können alle künftigen kleinen Kosmonauten gemeinsam mit der „Stammbesatzung“ an der Wand aus Mittweida ihre Tauglichkeit als Raumfahrer testen.

Carsten Heine, der in Frankenberg zur Schule geht und der seit 2005 zur Stammbesatzung gehört, weiß aus eigener Erfahrung, dass es gar nicht so einfach ist, alle 16 Felder auf Anhieb zu beherrschen. „Man muss wirklich ziemlich üben, um richtig schnell zu sein“, gibt der 15-Jährige zu. „An der Weltmeisterschaft kann ich noch nicht teilnehmen.“

Das Kosmonautenzentrum bietet an, dass Eltern und Schüler ihre eigenen kleinen Programme für die Nutzung der Wand schreiben, um die Trainingsmöglichkeiten noch besser auszutesten.Das Kosmonautenzentrum gibt es seit 1964. Hier können sich kleine und große Raumfahrtinteressierte ausführlich informieren und einen von Kindern durchgeführten simulierten Raumflug erleben. Auch richtige Kosmonauten wie Andrijan Nikolajew und Sigmund Jähn waren hier zu Gast. Außerdem können in dem Freizeitzentrum verschiedene ständige Angebote genutzt werden und es sind Beteiligungen an Arbeitsgemeinschaften wie „Kosmo-Stammpersonal“, „Raketenmodellsport“, oder „Computerclub“ möglich.