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Eva-Lottas Gespür für die Kunden

Die neue Karstadt-Chefin Eva-Lotta Sjöstedt kommt von Ikea – und hat in vielen Filialen schon hinter der Kasse gestanden.

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© Stephan Pick

Von Erich Reimann

Es ist der wahrscheinlich schwierigste Job, der zurzeit im deutschen Einzelhandel zu vergeben ist: Heute übernimmt Eva-Lotta Sjöstedt offiziell die Leitung der Warenhauskette Karstadt. Es ist eine Art fliegender Start für die 47-jährige Schwedin. Denn schon in den vergangenen Wochen hat sich die frühere Ikea-Managerin zahlreiche der 83 Karstadt-Warenhäuser angeschaut, hat an den Kassen gestanden und mitverkauft – sich also aus erster Hand einen Einblick in das Unternehmen verschafft.

„Ich kann nicht nur im Büro sitzen und darüber nachdenken, was jetzt zu tun ist. Hier auf der Fläche erfahre ich jeden Tag etwas Neues, das uns helfen kann“, begründete sie in einem Interview ihre ausführliche Tour durch die Filialen.

Mehr Einarbeitungszeit bleibt der Managerin allerdings wohl auch nicht. Der Aufsichtsratschef der Karstadt Warenhaus GmbH, Stephan Fanderl, drängte schon Ende Januar aufs Tempo. Alle 83 Warenhäuser müssten auf den Prüfstand gestellt werden, forderte er und schloss auch Filialschließungen nicht aus. „Wir haben wenig Zeit. In zwei bis drei Monaten sollte der Plan stehen“, schrieb er der neuen Chefin ins Auftragsbuch. Denn nach wie vor steckt Karstadt in den roten Zahlen. Die bisherigen Sanierungsbemühungen scheinen beim Essener Handelsriesen wenig gefruchtet zu haben. „Die Häuser, die wir saniert haben, funktionieren nicht besser als die Häuser, die wir nicht saniert haben“, klagte kürzlich der Eigentümer der Warenhauskette, der Investor Nicolas Berggruen.

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Ob die Schwedin, die bisher mit Billy-Regalen und Klippan-Sofas befasst war, die Richtige ist, Karstadt zu retten, ist durchaus umstritten. Sie hat zwar für den schwedischen Konzern schon in Japan und den Niederlanden gearbeitet. Erfahrung mit dem hart umkämpften deutschen Markt, auf dem sich Karstadt nicht nur gegen den Rivalen Kaufhof, sondern auch gegen Otto und H&M oder Internet-Anbieter wie Zalando behaupten muss, hat sie aber nicht.

Allerdings bringt sie von Ikea etwas mit, was den Karstadt-Warenhäusern zuletzt fehlte: Den unbedingten Willen, sich an den Wünschen der Kunden zu orientieren. Ikea gilt als Meister in dieser Disziplin. Frau Sjöstedts Gespür für den Kunden könnte am Ende mit darüber entscheiden, ob Karstadt eine Zukunft hat.

Zurück zum Warenhaus

Schon nach einigen Tagen in den Filialen setzte die Managerin jedenfalls ein Fragezeichen hinter die Strategie ihres Vorgängers Andrew Jennings, der vor allem auf Mode setzte und die Karstadt-Kunden mit einer Vielzahl neuer britischer, amerikanischer und skandinavischer Modelabels verwirrte. „Es geht bei Karstadt nicht nur um Mode. Die Menschen erwarten, bei uns auch Dinge des täglichen Bedarfs zu finden. Das macht ein Warenhaus aus“, sagte sie dem Fachblatt Textilwirtschaft.

Wertvoll für Karstadt könnten auch die Erfahrungen der Managerin im sogenannten Multi-Channel-Geschäft werden – der immer wichtiger werdenden Verbindung von stationärem Handel und Internet-Handel. Dass ihr nicht viel Zeit bleibt, den angeschlagenen Warenhausriesen wieder auf stabile Beine zu stellen, weiß sie genau.

Die schwierige Geschäftslage ist dabei allerdings nur ein Unsicherheitsfaktor. Ein weiterer heißt Nicolas Berggruen. Zwar beteuerte der Karstadt-Eigentümer in der Vergangenheit immer wieder, er kämpfe für Karstadt. Doch hinderte ihn dies nicht daran, bereits im vergangenen Jahr die Mehrheit an den lukrativen Premium- und Sporthäusern an den österreichischen Immobilieninvestor Rene Benko abzugeben. Berggruens Unberechenbarkeit ist ein Risiko, mit dem Sjöstedt jetzt leben muss.

Die Managerin will in ihrem neuen Amt auch den „Einheitsbrei im Einzelhandel“ deutscher Innenstädte aufbrechen. Karstadt wolle sich stärker auf die einzelnen Standorte und deren Besonderheiten einstellen, sagte Sjöstedt. „Wir müssen uns jeweils vor Ort relevanter machen. Näher an den Kunden, dem Viertel, der Stadt.“

Bei ihrer Tour durchs Land habe sie festgestellt, „wie viele tolle Mitarbeiter wir in den Filialen und im Service Center haben“. Zu ihrem neuen Job gehört indes auch, sich mit dem hiesigen Arbeitsrecht und dem Gewerkschaftsriesen Verdi bekannt zu machen. Mit Verdi diskutiert Karstadt über Standort- und Beschäftigungsgarantien, zudem wollen die Arbeitnehmer perspektivisch die Rückkehr in die Flächentarifverträge durchsetzen. Das könnte den Konzern einiges kosten – und macht Sjöstedts fliegenden Start im neuen Job noch ein Stück schwieriger. (dpa/SZ)