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Das Buhlen um die Bahner

Bahn und Lokführergewerkschaft GDL haben sich trotz Streiks noch nicht angenähert. Die andere Gewerkschaft EVG versucht es mit einem neuen Vorschlag. Beide müssten ihre Karten offen auf den Tisch legen.

© dpa

Von Bernd Röder

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Berlin. Der Tarifkonflikt bei der Deutschen Bahn, der bereits zu fünf Lokführerstreiks geführt hat, lässt sich ohne eine Verständigung der beiden Gewerkschaften untereinander kaum lösen. Entweder einigen sich die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) und die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) auf irgendeine Form der Zusammenarbeit oder sie legen fest, wie sie sich in Tarifverhandlungen abgrenzen.

Denn die 34.000 Mitglieder starke GDL streikt vor allem dafür, dass sie künftig außer den Lokführern auch Zugbegleiter, Bistro-Mitarbeiter, Disponenten und Lokrangierführer in Tarifrunden vertreten darf. Die EVG mit 210.000 Mitgliedern lehnt das ebenso wie die Bahn ab - mit der Begründung, die GDL habe bei den genannten Berufsgruppen nicht die Mehrheit der Mitglieder.

Die EVG hat jetzt den Vorschlag gemacht, die Mitgliederzahlen offenzulegen, um die Mehrheitsverhältnisse zu klären. „Wir sind bereit, einem Notar unsere Mitglieder-Datenbank zu übergeben, wenn die GDL das auch macht“, sagte der EVG-Vorsitzende Alexander Kirchner der „Süddeutschen Zeitung“ (Mittwoch).

„Zugleich sollte die Deutsche Bahn dem Notar eine Liste ihrer Beschäftigten geben. Dann kann der Notar einen Abgleich machen: Welche Gewerkschaft hat in welchem Betrieb wie viele Mitglieder?“ Kirchner schlägt vor, dass die Gewerkschaft, die in der jeweiligen Berufsgruppe die Mehrheit stellt, in einer Kooperation federführend über die spezifischen Themen in dieser Berufsgruppe verhandelt.

Zur Offenlegung ihrer Mitgliederzahlen ist die GDL derzeit nicht bereit, schließt es aber auch nicht generell aus. „Die Frage stellt sich momentan nicht“, sagte GDL-Sprecherin Gerda Seibert am Mittwoch. Die GDL wolle Tarifpluralität, dass heißt einen GDL-Tarifvertrag etwa für ihre Zugbegleiter auch dann, wenn die EVG in dieser Gruppe mehr Mitglieder haben sollte.

Bis Sonntag sind neue Streiks ausgeschlossen

Bahn-Management und die GDL haben noch bis zum Wochenende Zeit, den Gesprächsfaden neu zu knüpfen. Bis Sonntag hat die GDL Streiks ausgeschlossen, danach könnten die Lokführer die Arbeit abermals niederlegen. Am Mittwoch trafen sich erst einmal Bahn und EVG zur zweiten Verhandlungsrunde. Auch da hat die EVG einen Vorschlag in Sachen Lokführer eingebracht, der zumindest Teil einer Lösung sein könnte.

Sie verlangt für die bei ihr organisierten Lokführer einen Tarifvertrag, den es zurzeit nicht gibt. Dieser soll aber inhaltsgleich mit dem sein, der für die GDL-Lokführer gilt. Der Vorteil: Die EVG-Lokführer hätten dann wieder eine eigene Tarifgrundlage. Die EVG hat nach eigenen Angaben etwa 5.000 Lokführer als Mitglieder, davon 2.000 Beamte.

Dass eine Kooperation der damals noch drei Bahngewerkschaften möglich ist, zeigten die Jahre bis 2002. Dann kam es zum Bruch. Anlass war ein Streit um einen neuen Tarifvertrag für die Beschäftigten der Nahverkehrstochter DB Regio. Er sollte der Bahn helfen, im Wettbewerb gegen kostengünstigere Konkurrenten zu bestehen.

Die GDL lehnte den Vertrag ab, weil er dem Fahrpersonal mehr Schichten zugemutet hätte. Scharenweise wechselten Eisenbahner von Transnet und GDBA, aus denen später die EVG entstand, zur EVG. Bemerkenswert: GDBA und GDL gehörten zum Beamtenbund, Transnet war wie heute die EVG Mitglied im Deutschen Gewerkschaftsbund.

Im Tarifkonflikt 2007/08 erstritt die GDL für die Lokführer einen eigenständigen Tarifvertrag und erwarb sich dadurch den Ruf einer schlagkräftigen Organisation. Den will GDL-Chef Claus Weselsky auch in dieser Tarifrunde bewahren und damit die Existenz der kleinen Berufsgewerkschaft sichern. (dpa)

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