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Evin, der kleine Kämpfer

Der Fünfjähriger hat einen großen Tumor im Unterleib – die größte, aber nicht die einzige Sorge seiner Eltern.

Von Jana Ulbrich

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Fürs Familienfoto am Krankenbett ringen sie sich alle drei ein Lächeln ab – Anne und Robert Busch aus Seifhennersdorf und der kleine Evin. Dabei ist ihnen überhaupt nicht nach Lachen zumute: Seit vier Wochen liegt Evin auf der Kinderkrebsstation in der Dresdener Uniklinik. Zwei Chemotherapie-Serien hat der Fünfjährige jetzt hinter sich. Am Donnerstag soll er operiert werden.

Die Stimme seiner Mutter zittert, als sie von jenem Tag erzählt, an dem sie sieht, dass Evin Blut im Urin hat. Es ist der 2. Oktober. Sofort fahren die Eltern mit dem Jungen ins Krankenhaus. Evin bleibt über Nacht auf der Kinderstation. Am nächsten Tag sagen die Ärzte, der Junge müsse sofort in die Uniklinik. Der Tumor, den sie an Evins rechter Niere feststellen, hat einen Durchmesser von zwölf Zentimetern.

Anne und Robert Busch sind verzweifelt. Sie haben Angst. Aber vor Evin müssen sie stark sein. „Wir müssen ihm doch Mut machen“, sagt seine Mutter. Und Anne Busch tut das mit allem, was sie kann. Wer sie ansieht, der sieht ein schönes Tuch, das sie sich um ihren kahlgeschorenen Kopf geschlungen hat. Die 24-Jährige lächelt: „Evin hatte solche Angst, die Haare zu verlieren“, sagt Anne Busch. „Da wollte ich ihm zeigen, dass das überhaupt nicht schlimm ist.“

Es ist ohnehin schwer für den Fünfjährigen, zu verstehen, was da gerade mit ihm passiert. „Wir haben ihm erklärt, dass er schwer krank ist“, sagt Anne Busch, „dass er etwas im Bauch hat, das da nicht hingehört, und dass die Ärzte im Krankenhaus ihn wieder gesund machen werden.“ Evin hat genickt und versucht, die Tränen zu unterdrücken. „Er ist ganz tapfer“, sagt Robert Busch, „ein richtiger kleiner Kämpfer.“

Was man auf dem Familien-Selfie nicht sieht: Anne Busch ist hochschwanger. Und auch die Schwangerschaft ist von großen Ängsten und Sorgen überschattet. Bei dem ungeborenen Kind wurden Auffälligkeiten festgestellt. Wenn das Mädchen zur Welt kommt, muss es sofort operiert werden – ebenfalls in der Uniklinik, nur ein paar Häuser weiter. Der Termin für den geplanten Kaiserschnitt ist ebenfalls auf nächste Woche festgelegt. Und zu Hause in Seifhennersdorf wartet auch noch Eleanor, Evins dreijährige Schwester. Alles ein bisschen viel auf einmal für die junge Familie. Aber Anne und Robert Busch wollen nicht verzweifeln, obwohl sie der Verzweiflung oft nahe sind: „Hauptsache, die Kinder werden gesund, das ist unser größter Wunsch.“

Die ganze Familie wechselt sich ab, um Evin in Dresden zu besuchen, Omas, Opas und auch Evins leiblicher Vater. Die Familie ist in dieser Situation sehr eng zusammengewachsen, sagt Anne Busch. Sie ist erst 19 und gerade in der Ausbildung zur Ergotherapeutin, als Evin zur Welt kommt. Die Ausbildung muss sie abbrechen. Seitdem bekommt sie Hartz IV. Auch ihr Mann, der Einzelhandelskaufmann ist, ist seit kurzem arbeitslos. Erst in diesem Sommer ist die junge Familie nach Seifhennersdorf gezogen. „Weil wir hier einen Kindergartenplatz für Eleanor bekommen haben“, erklärt Robert Busch. Aber die gerade bezogene Wohnung ist für die bald fünfköpfige Familie schon wieder zu klein. „Wir suchen jetzt in Seifhennersdorf dringend eine Fünf-Raum-Wohnung“, sagt Robert Busch. „Aber bisher hatten wir da noch kein Glück.“

Evin hat auf der Kinderstation jetzt Musiktherapie. Das Trommeln und die Gitarre haben ihm am besten gefallen. Ob er sich zu Weihnachten ein Instrument wünschen kann? Kann er! Die Stiftung Lichtblick wird seinen Eltern helfen, dem kleinen Kämpfer einen Weihnachtswunsch zu erfüllen.

Alle Infos zur Aktion auf Seite 3