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Ex-Bürgermeister verabschiedet

Frank Thiele musste zwei Mal wegen Eingemeindungen als Gemeindechef aufhören. Doch erfolgreich war er trotzdem.

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© Anne Hübschmann

Von Kathrin Krüger-Mlaouhia

Zabeltitz. Wenn einer in Sachen Gemeindefusion aus dem Nähkästchen plaudern kann, dann ist es Frank Thiele. Der Lauterbacher war von 1994 bis 1999 dort ehrenamtlicher Gemeindechef. Dann kam per Gesetz die Eingemeindung nach Ebersbach. 2008 stellte er sich – neben vier einheimischen Mitbewerbern, unter anderem Werner Raddatz für die CDU – als Kandidat für den Bürgermeisterposten im damals selbstständigen Zabeltitz und gewann im zweiten Wahlgang. Zwei Jahre später kam auch hier die Eingemeindung – diesmal freiwillig nach Großenhain.

Im August waren nun seine sieben Jahre Amtszeit herum, auch wenn Frank Thiele nur noch als einfacher Mitarbeiter im Bürgerbüro bzw. der Zabeltitz-Information tätig war. Doch nun ist zum Jahresende endgültig Schluss. Gestern wurde der Ex-Gemeindechef offiziell von Großenhains Bürgermeister Tilo Hönicke und Landrat Arndt Steinbach im Palais verabschiedet.

Es war ein Achtungserfolg, als Thiele als Ortsfremder 2008 die Bürgermeisterwahl in Zabeltitz für sich entschied. Vorher wurde die Gemeinde von Amtsverweserin Kerstin Tröger regiert. Der Parteilose mit dem FDP-Mandat war angetreten, um neben der Weiterentwicklung der Infrastruktur die teilweise zerstrittenen Zabeltitzer zu einen. Da gab es das Lager um den einstigen Gemeindechef Ramon Kubach, der nicht mehr kandidieren durfte, aber die Alternative Liste im Gemeinderat anführte. Und es gab die CDU und weitere Kuhbach-Gegner.

Die Zabeltitzer wieder geeint

Mit Frank Thiele ist es im Ort ruhiger geworden. Der Chef des Bürgerbüros damals: „Sicher gibt es nach wie vor einige schwer überbrückbare Differenzen, die aus der Vergangenheit herrühren. Aber die spielen längst nicht mehr eine so vordergründige Rolle wie vor der Eingemeindung.“ In die kurze Amtszeit des Diplomingenieurs für Maschinenbau fiel gleich die absehbare territoriale Neuorientierung. Röderaue oder die Stadt Großenhain, das war damals die große Frage.

„Mich interessiert, was wird“

Die Zabeltitzer entschieden sich für Großenhain, und Thieles Perspektive war absehbar. Der verwitwete Vater dreier Söhne trug´s gelassen und machte seine Arbeit mit Ruhe: so wie beim Aufbauwerk Riesa-Meißen-Großenhain, wo man ihn auf dem Großenhainer Flugplatz brauchte, nachdem sein Job in Ebersbach weggefallen war. Dann hatte man ihn aufgefordert, nach Zabeltitz zu kommen, „weil nur ein Außenstehender den Streit der letzten Jahre beenden könne“, hieß es damals. Darauf hatte sich Thiele einlassen. „Mich interessiert nicht, was war, sondern was wird“, sagte er. Dazu gehörte auch, die Beziehung zum Verwaltungsnachbarn Wildenhain schnell wieder in Ordnung zu bringen.

Nun ist Frank Thiele bald 64 Jahre alt und hat eine Lebensgefährtin in Dippoldiswalde. Wochenendarbeit in Zabeltitz fiel ihm schon schwer. „Ich werde meine Freizeit gut nutzen“, sagte Thiele gestern. Der Abschied von der Stadtverwaltung fällt ihm leicht. Aber der Natur – wie hier im Barockpark – will er doch treu bleiben.