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Jan Mücke ist jetzt Tabak-Lobbyist

© Deutscher Zigarettenverband

Der Liberale aus Radebeul will künftig als die Stimme der deutschen Tabakwirtschaft erster Dialogpartner für Politik, Medien und Gesellschaft sein.

Von Peter Heimann, Berlin

Ein Gelegenheitsraucher von der FDP aus Sachsen ist jetzt oberster Tabak-Lobbyist in Berlin: Jan Mücke hat den Job als Geschäftsführer des Deutschen Zigarettenverbandes (DZV) übernommen.Wie der Verband erst gestern mitteilte, trat der ehemalige FDP-Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium sein „Amt“ bereits am 1. Juli dieses Jahres an. Warum der Berufswechsel erst Wochen später, unmittelbar nach der sächsischen Landeswahl bekannt gegeben wurde, wurde nicht erklärt.

Mücke hatte bei der Wahl im Herbst 2013 – wie alle anderen FDP-Kandidaten auch – den Einzug in den neuen Bundestag verpasst. Laut seiner Homepage lebt der 1973 in Dresden geborene Ex-Politiker in einer festen Beziehung mit seinem Freund zusammen in Radebeul. 1993 trat Mücke in die FDP ein. Er gehörte bis 2014 dem Bundesvorstand der FDP an. 2005 wurde er in den Bundestag gewählt. Seitdem war er bis Oktober 2009 Parlamentarischer Geschäftsführer der FDP-Fraktion. Im Oktober 2009 wurde Jan Mücke zum Parlamentarischen Staatssekretär beim Verkehrs- und Bauminister ernannt.

Jetzt ist er nach seinem Parteifreund Dirk Niebel, der bei der Rüstungsindustrie anheuerte, der zweite bekannte liberale Neu-Lobbyist. Sein neuer Arbeitgeber hofft auf eine Führungskraft, „die die politischen Prozesse sehr gut kennt und viel Erfahrung bei der Vermittlung kontroverser Positionen mitbringt“. Mücke selbst, heißt es in der DZV-Mitteilung, wolle den Verband langfristig weiterentwickeln: „Wir wollen als die Stimme der deutschen Tabakwirtschaft erster Dialogpartner für Politik, Medien und Gesellschaft sein.“

Der Deutsche Zigarettenverband versteht sich in der Selbstauskunft „als zentraler Ansprechpartner für Politik, Wirtschaft und Medien rund um das Thema Rauchen und Zigarette“. Wie er seine Angestellten vergütet, teilt er selbstverständlich nicht mit. Für Staatssekretäre einschließlich Abgeordneten-Vergütung hat der Bund der Steuerzahler ein Monatseinkommen von über 18.000 Euro errechnet. Der Geschäftsführer-Posten wird wohl leicht geringer vergütet, vermuten Branchenkenner.