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Radeberg

Ex-Flüchtlingsheim unter dem Hammer

Die Baracke in Rossendorf wurde bei einer Auktion in Berlin angeboten. Das Mindestgebot lag bei knapp 80.000 Euro.

Das ehemalige Asylbewerber-Wohnheim in der Siedlung Rossendorf macht einen soliden Eindruck. Am Freitag wurde es bei einer Auktion in Berlin angeboten.
Das ehemalige Asylbewerber-Wohnheim in der Siedlung Rossendorf macht einen soliden Eindruck. Am Freitag wurde es bei einer Auktion in Berlin angeboten. © René Plaul

Von Ingmar Höfgen

Mehrere Jahre lebten Asylbewerber in dem Flachbau an der Bautzener Landstraße in der Siedlung Rossendorf. Seit mehr als einem Jahr steht das Haus leer. Dabei ist es modern ausgestatet. Es verfügt über 36 Gästezimmer, zwei Klubräume, drei Küchen und mehrere Sanitärbereiche. Teilweise sind Einbauschränke vorhanden. Die Heizungsanlage wurde 2015/16 modernisiert und 2017 ein größerer Sanitärbereich saniert. Türen, Fenster und Fußböden wurden teilweise erneuert. Parkplätze sind auf dem Grundstück vorhanden. Es liegt unmittelbar am Waldrand. Für 79 000 Euro Mindestgebot stand das Gebäude im Auktionskatalog.

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Dennoch ist die Versteigerung vorerst gescheitert. Keiner der rund 50 Anwesenden im Hotel Aquino in Berlin hob am Freitagvormittag die Hand, als die Immobilie aufgerufen wurde. Damit verbleibt das Grundstück noch zwei Monate beim Auktionshaus Plettner & Brecht, das bei Interesse eine Nachauktion startet.

Dass die Immobilie in Rossendorf keinen neuen Eigentümer fand, liegt nach Meinung von Auktionator Hagen Wehrmeister auch an der Stellungnahme der Stadt Radeberg, die im Exposé bekannt gemacht worden war. Die Verwaltung hatte mitgeteilt, dass für den barackenähnlichen Bau keine Baugenehmigung vorhanden sei, es kein Bauland sei und auch kein Bestandsschutz bestehe. Daraufhin „sind die meisten Kunden abgesprungen“, sagte Wehrmeister am Rande der Versteigerung. Er habe den Eindruck, dass die Stadt sich querstellt und für das Areal gar keine Nutzung mehr zulassen wolle.

Besonders der Umstand der womöglich fehlenden Baugenehmigung verwundert, wurde das Gebäude mit derzeit 36 Zimmern, drei Küchen und vier Toilettenräumen doch über viele Jahre vom Helmholtz-Zentrum als Unterkunft genutzt. 1999/2000 wurde es komplett saniert, auch 2016/2017 fanden zahlreiche Arbeiten statt. Bis Anfang 2018 wurde das Haus vom Landkreis Bautzen als Flüchtlingsunterkunft genutzt.

„Die Bestandshaftigkeit der Thematik ‚Wohnunterkunft‘ ist daher für dieses Gebäude unstrittig“, erwiderte im Exposé der aktuelle Eigentümer, der das Haus sowie das rund 2500 Quadratmeter große Grundstück versteigern lassen will. Er habe das Haus im Jahr 2015 vom Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement (SIB) erworben und anschließend an den Landkreis vermietet. Er glaubt, dass „eine anwaltliche Bestätigung eines möglicherweise erfolgreichen Erstreitens der Nutzung“ möglich sein sollte. Der Radeberger Bürgermeister habe auf seine Anfrage bisher nicht reagiert.