Merken

Ex-Milliardär Schmid und das Tohuwabohu der Sachsen-LB

Der Mobilcom-Gründer ließ einen Kredit platzen. Weil die Landesbank Fehler machte, kam er mit einer Bewährungsstrafe davon.

Teilen
Folgen

Von Ulrich Wolf

Das Gefängnis bleibt ihm erspart: Das Landgericht Kiel hat den Ex-Milliardär und Gründer der Mobilfunkfirma Mobilcom AG, Gerhard Schmid, gestern wegen vorsätzlichen Bankrotts zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und neun Monaten verurteilt. Davon gelten fünf Monate wegen des langen Verfahrens als verbüßt.

In 40 Verhandlungstagen und über eineinhalb Jahre hinweg hatte das Gericht versucht zu klären, ob Schmid Vermögen im Wert von 1,2Millionen Euro nach Liechtenstein geschafft hat – Geld, das die inzwischen abgewickelte Landesbank Sachsen (Sachsen-LB) von ihm haben wollte. Die hatte Schmid 2000 einen Kredit über 100 Millionen Euro gewährt für den Bau einer Immobilie in Kiel. Doch mit dem Absturz der Mobilcom-Aktien ging Schmid das Geld aus.

Die Sachsen-LB verkaufte zwar ihre als Kreditsicherheit abgetretenen Mobilcom-Aktien und ließ die Immobilie zwangsversteigern (an Schmids Ehefrau Sybille), blieb letztendlich aber auf 20 Millionen Euro sitzen. Das Leipziger Geldhaus erwirkte einen Pfändungstitel. Für Richter Oliver William war klar: Um der Pfändung zu entgehen, habe Schmid „systematisch Vermögenswerte beiseite geschafft“.

Der gebürtige Franke ist studierter Betriebswirt und spielte mal Eishockey beim ERC Selb. Er nahm das Urteil lächelnd und kopfschüttelnd zur Kenntnis. „Es überrascht mich schon“, sagte er – und kündigte Revision an.

Die relativ milde Strafe hat Schmid auch der Sachsen-LB zu verdanken. Das Gericht teilte die Ansicht der Verteidigung, die Darlehenskündigung sei von der Bank falsch berechnet worden und daher unrechtmäßig erfolgt. Richter William kritisierte die Vorgänge in der Bank als „Tohuwabohu“. „Es ist traurig, was da abgelaufen ist.“ Dennoch habe Gerhard Schmid spätestens mit der Kündigung klar sein müssen, dass ihm die Zahlungsunfähigkeit drohe. Er hätte von da an kein Vermögen mehr verschieben dürfen.

Der 56-Jährige nahm Williams Kritik an der Sachsen-LB dankbar auf: „Die Bank hat sich einen Titel erschlichen, weil sie das Gericht belogen hat“, sagte er. Zehn Millionen Euro habe sie sich so angeeignet. Weil das nun offiziell sei, habe sich der Prozess gelohnt.

Ob das für das nächste Verfahren auch gilt? Schmid wird demnächst wieder auf der Anklagebank in Kiel Platz nehmen müssen. In einem weiteren Verfahren wird ihm die Veruntreuung von fast 70 Millionen Euro vorgeworfen. (mit dpa)