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Kamenz

Ex-Sanitäterin muss ins Gefängnis

Eine 34-Jährige bestahl Patienten in Pflegeheimen. Unter anderem in Großröhrsdorf und Ohorn. Als Ex-Rot-Kreuz-Mitarbeiterin kannte sich die Frau bestens aus.

©  dpa (Symbolbild)

Dresden/Großröhrsdorf. Auf der Suche nach Bargeld muss Isabell K. gut unterwegs gewesen sein. Die 34-jährige graste regelrecht Pflegeheime und Seniorenresidenzen ab, um Patienten zu „besuchen“, die nicht in ihren Zimmern waren. Die Türen stehen in solchen Einrichtungen offen – und als ehemalige Sanitäterin wusste die Frau, wie sie sich verhalten musste, um möglichst wenig aufzufallen. Doch Isabell K. hatte keine guten Absichten. Sie war auf der Suche nach Bargeld und EC-Karten, die sie dann immer wieder an Bankautomaten einsetzen konnte, weil ihre betagten Opfer ihre Geheim-Nummern oft in derselben Geldbörse aufbewahrt hatten. Und ziemlich oft hatte sie Erfolg damit.

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Am Dienstag dieser Woche endete der Prozess gegen die Angeklagte, die schon zum Auftakt Mitte Oktober alle Vorwürfe eingeräumt und immer wieder ihre angebliche Spielsucht ins Feld geführt hatte. Laut Staatsanwaltschaft hatte K. zwischen November 2017 und Ende März 2019 siebenmal Pflegeeinrichtungen in Dresden, Chemnitz, Ohorn und Großröhrsdorf aufgesucht, Geldbörsen aus Patientenzimmern gestohlen und später die Konten abgeräumt. Der Schaden wurde auf insgesamt 19.737 Euro beziffert. Mit der EC-Karte einer Frau aus Dresden etwa ging die Angeklagte im Februar dieses Jahres elfmal zum Abheben und erbeutete insgesamt 5.890 Euro.

Auf dem Foto wiedererkannt

Betrugsermittler der Dresdner Polizei hatten Glück, als sie in einer Löbtauer Pflegeeinrichtung jemanden suchten, dem die Frau auf dem Foto eines Bankautomaten bekannt vorkommt. Denn der Leiter der Einrichtung hatte die Angeklagte wegen Hausfriedensbruchs angezeigt, als sie in seinem Haus aufgefallen war. So kam die Polizei schnell an die Personalien der gesuchten Diebin. Die Frau war inzwischen wohnungslos, die Polizei spürte sie in einem Dresdner Hotel auf.

Isabell K. ist gelernte Chemielaborantin und hat auch einige Jahre als Rettungsassistentin beim Roten Kreuz in Kamenz gearbeitet. Verteidigerin Elena Bogdanzaliew argumentierte, ihre Mandantin leide an einer Spielsucht. In der Untersuchungshaft habe die Angeklagte Kontakt zu einer Suchtberaterin aufgenommen und wolle nach der Haft eine Therapie aufnehmen. Sie habe die Absicht, den Schaden wiedergutzumachen.

Zuvor hatte der Staatsanwalt jedoch strafschärfend angemerkt, Isabell K. sei erst Mitte 2018 wegen versuchten Diebstahls zu einer Geldstrafe verurteilt worden, nachdem sie in einem Pflegeheim erwischt worden war. Anschließend habe sie jedoch munter weitergemacht.

Das Schöffengericht verurteilte die Angeklagte wegen Diebstahls und Computerbetrugs in insgesamt 42 Fällen zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und drei Monaten. Es blieb damit in dem Strafrahmen, der schon zum Beginn im Rahmen einer Absprache vereinbart worden war.

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