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Ex-Verdächtiger im Fall Daniel H. stellt Strafanzeige

Der Anwalt des inzwischen freigelassenen Yousif A. wirft Richter und Staatsanwalt vor, seinen Mandanten zu Unrecht verhaftet zu haben.

© dpa/Jan Woitas

Chemnitz. Ein ehemaliger Tatverdächtiger im Fall des gewaltsamen Todes eines Mannes in Chemnitz vergangenen Sommer hat Strafanzeige gegen einen Richter und einen Staatsanwalt gestellt. Es gehe um den Verdacht der Rechtsbeugung und Freiheitsberaubung, teilte der Anwalt des ehemaligen Beschuldigten Yousif A. am Freitag mit. Staatsanwalt und Haftrichter hätten wider besseres Wissen den dringenden Tatverdacht gegen seinen Mandanten bejaht, sagte Rechtsanwalt Ulrich Dost-Roxin aus Berlin.

Ein 35 Jahre alter Deutscher war Ende August am Rande des Chemnitzer Stadtfestes erstochen worden. Die Tat war Auslöser von fremdenfeindlichen Übergriffen, rechten Demonstrationen mit zahlreichen Straftaten wie das Zeigen des Hitlergrußes sowie Anschlägen auf ausländische Restaurants. Ein Tag nach der Tat war der damals 22 Jahre alter Iraker Yousif A. unter dem dringenden Tatverdacht verhaftet worden. 23 Tage später kam er auf freien Fuß.

Es sei zu vermuten, dass dem Handeln des Staatsanwalts und des Haftrichters politische und damit sachfremde Erwägungen zugrunde lagen und lediglich ein rascher Erfolg vorgetäuscht werden sollte, sagte Anwalt Dost-Roxin. Ein Sprecher des Generalstaatsanwaltes in Dresden bestätigte den Eingang der Anzeige. Der Inhalt werde geprüft, hieß es.

Der Prozess um die tödliche Messerattacke in Chemnitz beginnt am 18. März, aus Sicherheitsgründen in einem speziell gesicherten Saal des Dresdner Oberlandesgerichts. Angeklagt ist ein Syrer wegen gemeinschaftlichen Totschlags und gemeinschaftlichen versuchten Totschlags in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung. (dpa)

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