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Explosiver Bankraub

Kriminelle versuchen immer wieder, in der Oberlausitz Geldautomaten zu sprengen – mehrfach mit Erfolg.

© Steffen Unger

Von Sebastian Kositz

Viel Fingerspitzengefühl bringen diese Safeknacker nicht mit, sie lassen es lieber gleich richtig krachen. Um ans Geld eines Bankautomaten zu gelangen, sprengen dreiste Räuber Ende 2016 in Bischofswerda gleich den gesamten Pavillon der Kreissparkasse Bautzen in die Luft. Meterweit fliegen die Trümmer, die Täter entkommen mit einer sechsstelligen Summe. Eine brachiale, gefährliche Masche, die in der Oberlausitz aber öfter zum Einsatz kommt.

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Allein im März gab es im Kreis Bautzen erneut zwei Attacken auf Geldautomaten. Anfang des Monats schlugen Unbekannte in Bernsdorf zu, nicht einmal zwei Wochen später im Lautaer Ortsteil Torno. Das Vorgehen ist immer das gleiche. Zunächst pumpen die Täter durch die Öffnungen ein Gasgemisch in den Automaten – um es daraufhin zur Explosion zu bringen. In Bernsdorf und Torno gingen die Versuche allerdings schief. In Bernsdorf kam es lediglich zu einer kleinen Verpuffung, in Torno ließ sich das Gemisch erst gar nicht zünden. Anders als in Bischofswerda blieb es bei kleineren Schäden – und das Geld im Automaten.

Die Ermittler der für die Oberlausitz zuständigen Polizeidirektion in Görlitz beschäftigt die explosive Masche bereits seit einigen Jahren. Im Mai 2015 gab es den ersten Fall in Boxberg, seither registrierten die Beamten 15 derartige Fälle – acht davon im Landkreis Bautzen. Betroffen waren neben der Kreissparkasse Bautzen auch die Ostsächsische Sparkasse Dresden, die Sparkasse Oberlausitz-Niederschlesien, die ING Diba und die Volksbank Bautzen. Und anders als jüngst in Bernsdorf oder Torno waren die Automatenkacker meist erfolgreich: Siebenmal ging der Plan schon auf.

Immenser Sachschaden

Wie viel Geld die brachialen Räuber auf diesen Weg insgesamt in Ostsachsen schon erbeutet haben, will die Polizei aus ermittlungstaktischen Gründen nicht verraten – allerdings auch, um Nachahmer abzuhalten. Allein aber der Sachschaden, den die Täter hinterließen, ist immens. Polizeisprecherin Katharina Korch verweist auf eine sechsstellige Summe. Eine Größenangabe, die auch die Sparkasse Bautzen nannte, nachdem der Pavillon im Dezember 2016 in Bischofswerda zerstört worden war. Angesichts des rücksichtslosen Vorgehens ist es zudem fast schon ein Wunder, dass bislang noch niemand verletzt wurde.

Zu den laufenden Ermittlungen möchte sich die Polizei nicht äußern. „Hinter den Taten stecken vermutlich mehrere Banden, die sehr professionell agieren“, erklärt die Sprecherin. Das gelte sowohl für das Vorgehen, „als auch für das Verschleiern der Spuren“. Und die Automatensprenger auf frischer Tat zu ertappen, ist schwierig. In Torno und in Bernsdorf waren sie längst über alle Berge, als die Beamten eintrafen.

Doch professionelles Vorgehen hin oder her – die Polizei schaut dem Treiben keineswegs hilflos zu. Vor wenigen Wochen gelang es der Brandenburger Polizei gemeinsam mit Kollegen aus Polen, acht Verdächtige dingfest zu machen. Auch in der Niederlausitz waren in den vergangenen Monaten immer wieder Geldautomaten das Ziel der Räuber – in ganz Brandenburg gab es seit 2015 etwa 60 Fälle. Bei einer gemeinsamen Aktion einer länderübergreifenden Ermittlungsgruppe wurden insgesamt acht Polen festgenommen.

Ein Fall in der Oberlausitz aufgeklärt

Die Verdächtigen gehören den Angaben der Polizei zufolge zu zwei verschiedenen Banden. Auf ihr Konto gehen laut den Vorwürfen der Beamten insgesamt elf Sprengungen im Brandenburger Süden. Der Aktion waren monatelange Ermittlungen vorausgegangen. Die Zugriffe durch Beamte polnischer Antiterror-Einheiten erfolgten in Gubin und dem Lebuser Land sowie in dem direkt an den Kreis Görlitz angrenzenden Verwaltungsbezirk Niederschlesien.

Zumindest ein Fall in der Oberlausitz ist laut Görlitzer Polizei inzwischen ebenfalls schon aufgeklärt, auch hier kommen die Verdächtigen aus Polen. Ob das im Zusammenhang mit den jüngsten Festnahmen steht und um welche Tat es sich handelt, ließen die Beamten offen. Aber: Auch in diesem Fall laufen die Ermittlungen über die Landespolizei in Brandenburg, heißt es.

Mit Blick auf die Gefahren, die von der explosiven Art und Weise des Geldabhebens ausgehen, sind die hiesige Polizei und die betroffenen Banken stetig dabei, mit verschiedenen Maßnahmen die Sicherheit zu erhöhen. Die Sparkasse Bautzen hatte nach dem Vorfall in Bischofswerda unter anderem die Videoüberwachung verstärkt. Denkbar, so sagt Sparkassensprecherin Elke Bauch, sei auch, die Automaten nachts nicht mehr zugänglich zu machen. Weil das aber nicht kundenfreundlich ist, sei dies zunächst nicht geplant. Hundertprozentige Sicherheit gebe es ohnehin nicht.

Teure Technik

Bei der Ostsächsischen Sparkasse Dresden setzen die Verantwortlichen derweil auf eine sogenannte Anti-Gas-Technik, wie Sprecher Andreas Rieger erklärt. Das Kreditinstitut hat seinen Geschäftsbereich im Westen und Norden des Kreises, bereits viermal war die Bank das Ziel der Kriminellen. In den beiden jüngsten Fällen in Torno und Bernsdorf gab es für die Täter nichts zu holen, ebenso wie im April 2017, als ebenfalls in Torno der Automat dem Angriff widerstand. Lediglich vor vier Monaten in Lohsa machten die Diebe Beute.

Die Technik sei zwar sehr teuer, durchaus aber effektiv, erklärt Andreas Rieger. Damit die Automatensprenger gar nicht erst auf dumme Gedanken kommen, warnen inzwischen sogar schon große Aufkleber vor dem Schutzmechanismus. In Bernsdorf und Torno hatte der nachweislich gut funktioniert – nur die Aufkleber hatten die Räuber offenbar übersehen, beklagt Andreas Rieger. Er hofft, dass künftig die Täter davon abgeschreckt werden.