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Express bis Ekuador

3 000 Pakete pro Stunde kann das neue DHL-Zentrum bei Wilsdruff sortieren. Vor allem ein Großkunde nutzt das aus.

© Claudia Hübschmann

Von Peter Anderson

Der Garten ruft

Die Gartenzeit läuft aber nichts geht voran? Tipps, Tricks und Wissenswertes haben wir hier zusammengetragen. Vorbei schauen lohnt sich!

Wilsdruff. Bis hin zu den Servietten, stimmen an diesem Vormittag die Farben in der riesigen Halle im Klipphausener Gewerbegebiet an der A 4. Für die Garnelenspieße vor den Festreden gibt es die gelben, fürs Büffet danach die roten. Wenn einer der größten Logistik-Konzerne der Welt einen neuen Standort einweiht, bleibt nichts dem Zufall überlassen.

Rund zehn Millionen Euro hat DHL in das neue Umschlagzentrum investiert. Hier landen Express-Sendungen aus allen 220 Ländern und Territorien der Welt, in denen das Unternehmen aktiv ist. Es handelt sich um Dinge, bei denen es besonders schnell gehen muss. Verteilt beziehungsweise zusammengeholt werden sie in einem Gebiet das von Hainichen bis Görlitz reicht und von Lübbenau bis Seiffen.

Wer das nötige Geld auf den Tisch legt, kann seine Waren, Geschenke oder Ersatzteile so schon am nächsten Arbeitstag von DHL beim Empfänger in Europa oder in den Hauptgeschäftszentren der Vereinigten Staaten abliefern lassen. Nach Asien oder Afrika dauert es einen Tag länger. Für die umgekehrten Routen gelten die gleichen Zeiten.

„Der Anblick, den Sie heute Morgen erleben, ist völlig untypisch“, sagt der Deutschland-Chef von DHL-Express Markus Reckling. Normalerweise dürfte in der rund 3 000 Quadratmeter großen Halle um diese Zeit kein Paket mehr zu sehen sein. Zu Demonstrationszwecken haben die rund 100 Mitarbeiter einige Standard-Sendungen über die Fläche verteilt. Ein Druck aufs rote Knöpfchen, schon springen mit leisem Summen die Bänder an.

Ausgangs- und letztlich auch wieder Endpunkt des ganzen Sortierprogramms sind zwei als Finger bezeichnete lange Tunnel. 48 Zustellfahrzeuge können hier gleichzeitig be- oder entladen werden. Die Wege so kurz wie möglich zu halten und die Rücken der Kuriere und Angestellten zu schonen, sei das Ziel, sagt DHL-Express-Pressesprecher Tim Rehkopf.

Letztlich ist das Umpacken der Sendungen vom Auto aufs Band und andersherum einer der wenigen Arbeitsschritte, die nicht automatisch funktionieren. Um den Rest kümmert sich ein ausgeklügeltes System aus Scannern, Sensoren und Laufbändern. Wie von Geisterhand bewegt, flitzen die Pakete hinter roten Banden und gelben Geländern durch die Halle. An einem Punkt stellen sie sich brav hintereinander an. An der nächsten Weiche trennen sich ihre Wege wieder. Der Mensch überwacht und steuert nach. In Büros mit einer Gesamtfläche von 650 Quadratmetern laufen alle Informationen zusammen.

In 15 Jahren wieder zu klein

In der Regel dauere der Umschlag der Sendungen eine bis maximal zwei Stunden, sagt DHL-Express-Chef Markus Reckling. Dann übernehmen erneut die Zulieferer und später die 250 Flugzeuge der hauseigenen Luftflotte. Für die Dresdner Sendungen führt der nächste Weg zum sogenannten globalen Hub nach Leipzig.

Der Neubau in Klipphausen, unmittelbar neben dem früheren Standort, sei nötig geworden, da die Versandmenge im Großraum Dresden alljährlich um rund zehn Prozent zulege, sagt Reckling. Der Internethandel boomt ungebremst. Mit zu den größten Kunden zähle Amazon mit seinem Logistikzentrum in Leipzig. Gekommen sind an diesem Donnerstagvormittag jedoch auch Versender aus der Region, wie etwa die Porzellanmanufaktur Meissen. Erst vor wenigen Tagen hatte das Unternehmen seinen komplett neu gestalteten Online-Shop ins Netz gestellt.

Als Nadelöhr angesichts dieser rasanten Zuwächse erweist sich einmal mehr die zu eng gewordene Autobahn 4 unmittelbar vor der Firmentür. Dem im Wahlkreis Meißen direkt gewählten CDU-Bundestagsabgeordneten Thomas de Maizière sind diese Probleme bekannt. Der Freistaat habe es leider versäumt, den Ausbau rechtzeitig im Bundesverkehrswegeplan anzumelden. Jetzt soll ein Extra-Verfahren Abhilfe schaffen. Sachsen sollte nach Ansicht de Maizières allerdings nicht damit warten, bis dieser Prozess abgeschlossen wird, sondern schnellstmöglich mit den Planungen beginnen. Dem schließt sich Klipphausens Bürgermeister Gerold Mann (parteilos) an. Nach dem Ausbau ist vor dem Ausbau. DHL-Express-Chef Reckling geht davon aus, dass die jetzt geschaffenen Kapazitäten in zehn bis 15 Jahren schon wieder zu gering sein könnten.

Video: http://sz-link.de/DHL-Express